Die neue Integrationsbeauftragte Reem Alabali-Radovan. | EPA
Porträt

Reem Alabali-Radovan Arbeitsplatz Kanzleramt

Stand: 29.12.2021 09:17 Uhr

31 Jahre alt, neu im Bundestag - und mit eigenem Büro im Kanzleramt: Reem Alabali-Radovan hat eine Blitzkarriere hingelegt. Die SPD-Politikerin vergisst aber auch nicht, wo sie herkommt. Wer ist die neue Integrationsbeauftragte?

Von Nina Amin, ARD-Hauptstadtstudio

Ihr Büro im Berliner Kanzleramt hat Reem Alabali-Radovan gerade erst bezogen. Die Regale sind noch leer, die Wände kahl. Aber die Aussicht ist gut: Die 31-Jährige blickt direkt auf den Bundestag. Auch dort ist sie als SPD-Abgeordnete erst nach der Wahl im September eingezogen. Wenige Monate später ernennt Bundeskanzler Olaf Scholz sie zur Staatsministerin für Migration, Integration und Flüchtlinge. Es ist eine Blitzkarriere.

Nina Amin ARD-Hauptstadtstudio

Alabali-Radovan vergisst aber nicht, woher sie kommt. "Mein Zuhause ist Schwerin, in Mecklenburg-Vorpommern." Mit sechs Jahren kam sie dort an. Geboren wurde sie in Moskau, wo ihre irakischen Eltern studiert haben. Eine Rückkehr in den Irak kam für die Familie aufgrund der politischen Situation nicht infrage. Sie entschieden sich für Deutschland, wurden anerkannte Flüchtlinge.

"Nicht die tollsten Erfahrungen"

An die erste Zeit in der Erstaufnahmeeinrichtung in Nostorf-Horst erinnert sich Alabali-Radovan noch gut, auch wenn sie erst sechs Jahre alt war. "Das sind jetzt nicht die tollsten Erfahrungen gewesen", so die neue Integrationsbeauftragte. Deutsch habe sie allerdings schnell gelernt. "Das lag aber daran, dass ich schon Russisch gelernt hatte und aufnahmebereit für Sprachen war." Auch ihre Eltern hätten sehr geholfen. Nicht alle Kinder aus geflüchteten Familien bekämen so gute Startchancen, weiß die SPD-Politikerin, für Erwachsene gelte das ebenso. "Ich finde, der Staat muss die idealen Voraussetzungen für Integration schaffen." Es brauche nachhaltige Strukturen, damit sich die Menschen integrieren können. So wie Integrations- und Sprachkurse von Anfang an.   

Für Alabali-Radovan ist Integration keine Einbahnstraße. Alle müssen sich bemühen. Und sich gegenseitig respektieren, wie im Sport, sagt die Hobby-Boxerin, die mit einem Profi-Boxer verheiratet ist. Deshalb liebt sie das Boxen. "Man begegnet sich auf Augenhöhe und macht keine Unterschiede zwischen Herkunft oder sozialem Status."

Die neue Integrationsbeauftragte Reem Alabali-Radovan. | dpa

Im Scholz-Kabinett: Reem Alabali-Radovan ist die neue Integrationsstaatsministerin. Bild: dpa

Keine "Vorzeige-Migrantin"

Durchgeboxt hat sie sich bis nach oben. Für ihr Politikstudium geht Alabali-Radovan nach Berlin, arbeitet dort einige Jahre am Deutschen Orient-Institut. Als 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland kommen, geht sie zurück in die alte Heimat und arbeitet in der Erstaufnahmeeinrichtung, in der sie fast 20 Jahre zuvor mit ihren Eltern ankam. Anfang 2020 wird sie zur Integrationsbeauftragten von Mecklenburg-Vorpommern ernannt. Dann der Sprung nach Berlin.

Als "Vorzeige-Migrantin" im Kanzleramt versteht sich Alabali-Radovan nicht. "Ich habe diese Position nicht nur aufgrund meiner Einwanderungsgeschichte gekriegt." Wichtig sei, dass sie ihre Erfahrung als Integrationsbeauftragte in Mecklenburg-Vorpommern und ihre Arbeit mit Geflüchteten einbringen könne, sagt die SPD-Politikerin.

Viel zu tun

Die neue Integrationsbeauftragte wird wenig Zeit haben, sich richtig in ihrem neuen Büro einzurichten. Es gibt viel zu tun. Die Ampel-Regierung verspricht, das Leben für Menschen mit Einwanderungsgeschichte besser zu machen, sie stärker teilhaben zu lassen. Zum Beispiel, indem sie schneller einen deutschen Pass bekommen, ohne dass sie auf ihre bisherige Staatsbürgerschaft verzichten müssen.

Alabali-Radovan hat ein Ziel: "Deutschland ist schon vielfältig und ein Einwanderungsland. In fünf Jahren wünsche ich mir, dass das wirklich sichtbar ist, in den Medien, in der Politik, aber auch in der öffentlichen Verwaltung." Dann sei Deutschland schon ein ganzes Stück weiter.

Über dieses Thema berichtete der NDR in der Sendung "Nordmagazin" am 11. Dezember 2021 um 19:30 Uhr.