Müller, Merkel und Söder bei der Pressekonferenz nach dem sogenannten Impfgipfel | dpa

Reaktionen auf Impfgipfel "Beruhigungspille" oder positives Signal?

Stand: 02.02.2021 08:57 Uhr

Opposition und Verbände haben die Ergebnisse des Impfgipfels als enttäuschend kritisiert. Minister Spahn sprach zwar von "harten Wochen der Knappheit" - machte aber auch Hoffnung auf Besserung im Frühjahr.

Die Opposition hat den Impfgipfel der Bundesregierung mit Vertretern der Pharmaindustrie kritisiert. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch bezeichnete das Treffen als "Impfplacebo". Es hätte einen klaren Plan der Bundesregierung gebraucht, wie sie Deutschland aus dem "Impfdesaster" führen wolle. "Dazu wäre ein klarer Produktions- und Verteilungsplan notwendig, der kurzfristig greift", sagte Bartsch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Das Ergebnis ist vor allem eine Beruhigungspille an die Bevölkerung."

Grüne sehen EU und Bundesregierung in der Pflicht

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Dieser Gipfel hat die Versäumnisse der Regierung offengelegt." Die Bundesregierung und die Europäische Kommission müssten jetzt eine Task-Force zur Impfstoffbeschaffung einrichten.

Grünen-Chef Robert Habeck erneuerte im ARD-Morgenmagazin seine Forderung nach einer "Not-Impfstoffwirtschaft". Die Aussagen der Pharmakonzerne würden sich schnell ändern, deshalb sei ein Eingriff vonseiten des Staats in die Impfstoffproduktion denkbar. "Wenn ich in der Bundesregierung wäre, würde ich mich nicht darauf verlassen, dass sich die Aussagen dauernd ändern". Es liege nahe, dass sich der Staat darum kümmert, abzugleichen, wo noch Produktionsmöglicheiten bestünden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte, der Impfgipfel habe sowohl „Klarheit als auch Ernüchterung“ gebracht. Eben weil nun klar sei, dass kurzfristig kaum zusätzlicher Impfstoff zur Verfügung stehe, so Söder im ARD-Morgenmagazin.

"Den Mangel modellieren"

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz zeigte sich unzufrieden. Vorstand Eugen Brysch sagte der Düsseldorfer "Rheinischen Post": "Planungssicherheit wollten Bund und Länder beim ersten Impfgipfel liefern. Doch die große Unbekannte bleiben die Lieferengpässe." Statt Zusagen werde jetzt ein Nationaler Impfplan "den Mangel modellieren".

Städtetag optimistisch

Der Städtetag zeigte sich dagegen optimistischer. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der Zeitung, es gebe mehr Informationen über Impfstoff-Lieferungen in den nächsten Monaten. "Wir hoffen sehr, dass sich dadurch auch mehr Planungssicherheit für die Kommunen ergibt, die die Impfzentren betreiben." Es sei ein "positives Signal, dass bis Ende des Sommers allen Bürgerinnen und Bürgern ein Impfangebot gemacht werden kann". Auch die vorgesehene Unterstützung der Bundesregierung bei der Beschaffung von Materialien und Zubehör für die Impfung sei ein wichtiges Vorhaben.

Spahn: "Harte Wochen der Knappheit"

Auch die Bundesregierung räumte ein, dass es zu Verzögerungen komme. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte am Montagabend in den tagesthemen, es sei allen Teilnehmern klar geworden, dass es im ersten Quartal bis in den April hinein noch "harte Wochen der Knappheit" geben werde. "Das lässt sich nicht schneller beschleunigen, übrigens auch mit Geld nicht", hätten die Hersteller klargemacht. Geld sei nicht der begrenzende Faktor.

Spahn richtete einen Durchhalteappell an die Bevölkerung - und machte Hoffnung. Im zweiten Quartal werde es nennenswert mehr Impfstoff geben. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach, dass jeder Bürger in Deutschland bis Ende des Sommers eine Corona-Impfung erhalten kann.

Pharmafirmen: Brauchen Zulieferer

Biontech-Chef Ugur Sahin sagte ebenfalls in den tagesthemen, die Hersteller seien in einer Ausnahmesituation. "Wir sind selbst davon abhängig, dass die Zulieferer uns Materialien liefern", erklärte er. "Wir haben auch keine vollen Lagerstätten. Alles, was wir produzieren, wird de facto sofort ausgeliefert." Wenn es zu einer Verzögerung komme wegen eines Problems, schlage das sofort durch.

Über dieses Thema berichtete das ARD-morgenmagazin am 02. Februar 2021 um 07:39 Uhr.