Lothar Wieler und Karl Lauterbach | picture alliance/dpa

Omikron-Variante Viel Zustimmung für kürzere Quarantäne

Stand: 05.01.2022 18:48 Uhr

Gesundheitsminister Lauterbach und seine Länderkollegen haben sich für kürzere Quarantänezeiten ausgesprochen. Ein entsprechendes Konzept liegt bereits vor - es betrifft vor allem wichtige Berufe. Am Freitag soll die endgültige Entscheidung fallen.

Obwohl die Omikron-Variante sich in Deutschland weiter ausbreitet, wollen Bund und Länder bestimmte Corona-Schutzmaßnahmen lockern. Die Länder-Gesundheitsminister formulierten einer Sonder-Schalte einen ähnlichen Vorschlag für neue Regeln für Quarantäne und Isolation, wie zuvor Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und das Robert-Koch-Institut (RKI).

Deren Plan lag dem ARD-Hauptstadtstudio vorab vor. Lauterbach und das RKI schlagen in dem Konzept vor, wie Isolation und Quarantäne bei Omikron-Infektionen verkürzt werden sollen. Am Freitag wollen Bund und Länder über diese neuen Maßnahmen entscheiden. Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz Petra Grimm-Benne sagte, eine Verkürzung der Quarantänezeiten müsse "praktikabel umsetzbar" sein. Die Gesundheitsämter seien personell überlastet, deshalb müsse man "zu einfacheren Regelungen" kommen.

Abgestufte Quarantänedauer

Aus den Vorschlägen der Bundesregierung und des RKI geht hervor, dass grundsätzlich weiterhin zwischen Quarantäne und Isolierung unterschieden wird: In Quarantäne müssen sich diejenigen begeben, bei denen der Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht. Zum Beispiel, weil sie engen Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person haben. Isolieren müssen sich diejenigen, bei denen eine Infektion bereits nachgewiesen wurde, die also erkrankt sind.

Wer sich mit der Omikron-Variante des Coronavirus infiziert hat oder Kontakt zu einem Infizierten hatte, muss für zehn Tage in Isolation beziehungsweise Quarantäne. Dies darf bereits nach sieben Tagen beendet werden, wenn man sich frei testet - möglichst mit einem PCR- oder hochwertigen Antigentest.

Spezielle Regeln für wichtige Berufe

Spezielle Regeln sollen für Menschen gelten, die in der sogenannten kritischen Infrastruktur arbeiten. Dazu gehören etwa Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, Ärzte und Ärztinnen oder Polizisten und Polizistinnen. Wenn sie Kontaktperson sind, sollen sie künftig die Quarantäne bereits nach fünf Tagen mit einem negativen PCR-Test beenden können. Als Infizierte sollen sie nach sieben Tagen mit negativem PCR-Test die Isolation verlassen können. Voraussetzung ist immer, dass sie seit mindestens 48 Stunden symptomfrei sind.

Kürzere Quarantäne für Kinder

Kinder, die in Schulen oder Horten als Kontaktpersonen eingestuft werden, sollen sich nach fünf Tagen mit anschließendem PCR-Test oder hochwertigem Antigentest freitesten können. Dabei wird darauf hingewiesen, dass in Schulen Schutzmasken empfohlen werden.

Ausnahmen für Geboosterte

Der Vorschlag sieht außerdem Ausnahmen von der Quarantäne als Kontaktperson vor: unter anderem für Geboosterte mit einer Karenzzeit von sieben Tagen nach der dritten Impfung - und frisch Doppelt-Geimpfte, deren zweite Spritze weniger als zwei Monate zurückliegt. Für sie soll die Ausnahme nach einer Karenzzeit von 14 Tagen nach der letzten Impfung greifen.

Die bisherige Unterscheidung zwischen schon dominierenden Virusformen und neuen "besorgniserregenden" Varianten ("variant of concern") soll entfallen - bisher gab es etwa für Omikron strengere Vorgaben.

Die Bundesregierung will mit diesen Anpassungen vor allem die kritische Infrastruktur aufrechterhalten. Verkürzte Quarantänezeiten seien möglich, weil Omikron weniger lange ansteckend sei als etwa Delta, sagte Lauterbach. "Wir können also bis zu einem gewissen Grad die Quarantänezeit verkürzen, ohne ins Risiko zu gehen."

Kontaktbeschränkung im Gespräch

Doch mit den Lockerungen könnten in den nächsten Wochen auch schärfere Auflagen einhergehen. Lauterbach kündigte im Redaktionsnetzwerk Deutschland mit Blick auf den Corona-Gipfel am Freitag auch Restriktionen an: "Verschärfungen werden leider notwendig sein, um der schweren Welle, die auf uns zukommt, zu begegnen."

Kretschmer: Omikron kein Grund für Verkürzung

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer warnt vor einer generellen Verkürzung der Quarantäne-Pflicht. "Omikron ist extrem gefährlich, gerade für ungeimpfte Personen. Daher gibt es keinen Grund für eine generelle Verringerung der Absonderungszeiten", sagt der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Politiker sollten auch nicht die ersten sein, die Vorschläge zu Quarantäneregeln machen, sondern die Experten des Robert Koch-Instituts. "Medizinische Notwendigkeiten müssen uns leiten, wenn wir diese Pandemie überstehen wollen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Januar 2022 um 17:00 Uhr.