Jörg Meuthen | REUTERS

Vor Parteitag im Dezember Meuthen zieht sich vom AfD-Vorsitz zurück

Stand: 11.10.2021 12:51 Uhr

Er galt als der gemäßigtere Politiker an der Spitze der AfD. Doch für eine weitere Amtszeit als Co-Chef steht Jörg Meuthen nicht mehr zur Verfügung. Das geht aus einem Rundschreiben hervor, das er an die Parteimitglieder verschickt hat.

Der langjährige AfD-Co-Vorsitzende Meuthen steht bei der Neuwahl des Parteivorstandes Ende des Jahres nicht mehr für den Spitzenposten zur Verfügung. Das geht aus einem Rundschreiben hervor, das er an die Mitglieder der Partei verschickt hat, und das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Er habe sich nach intensiven Überlegungen und Gesprächen mit seiner Familie entschlossen, bei der Neuwahl im Dezember nicht mehr für den Spitzenposten zu kandidieren, heißt es in dem Schreiben. Der 60-Jährige spricht von sechseinhalb "unglaublich fordernden" Jahren an der Spitze der AfD, die "von manchen Härten und Enttäuschungen", aber auch von sehr vielen guten Erlebnissen und Begegnungen geprägt gewesen seien. Er werde seine politische Arbeit aber fortsetzen und seine Stimme "hörbar einsetzen".

Seit 2015 an der Parteispitze

Meuthen ist Europaabgeordneter. Seit Juli 2015 steht er an der Spitze der AfD. Er hatte in den vergangenen zwei Jahren für einen gemäßigteren Kurs der AfD plädiert und sich damit Feinde gemacht in der Rechtsaußen-Strömung der Partei um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke. Diese Strömung wird vom Verfassungsschutz als rechtsextreme Bestrebung beobachtet.

Angespanntes Verhältnis zu Weidel und Chrupalla

Das Verhältnis Meuthens zu den beiden erst kürzlich gewählten Fraktionschefs der Partei, Alice Weidel und Tino Chrupalla, gilt als angespannt. Chrupalla ist neben Meuthen Parteivorsitzender. Er trat die Nachfolge von Alexander Gauland an, der nicht mehr kandidiert hatte. Als Reaktion auf den Rückzug Meuthens sagte Chrupalla der Nachrichtenagentur dpa: "Das ist eine persönliche Entscheidung von Jörg Meuthen."

Chrupalla will als Co-Chef weitermachen

Die AfD will ihren neuen Parteivorstand auf einem zweitägigen Bundesparteitag in Wiesbaden wählen, der für den 11. Dezember geplant ist. Er habe ja bereits angekündigt, dass er dort erneut kandidieren wollen, sagte Chrupalla. Wer - sollte es bei der Doppelspitze bleiben - aus seiner Sicht als Co-Vorsitzender infrage käme, wollte er nicht sagen. Aus der AfD ist zu hören, man sollte neben Chrupalla, der aus Sachsen stammt, einen Co-Vorsitzenden aus dem Westen wählen. Genannt werden in diesem Zusammenhang unter anderem Weidel, der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Rüdiger Lucassen und der bayerische AfD-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl, Peter Boehringer.

Er wünsche den Delegierten auf dem Bundesparteitag eine glückliche Hand bei der Wahl der neuen Parteispitze, schrieb Meuthen. "Mögen sie eine besonnene Wahl treffen und vernünftige Vorstandsmitglieder wählen, die unsere Partei als entschiedene Rechtsstaatspartei und als starke und einzige entschlossen freiheitlich-konservative Kraft weiter voranbringen."

Die AfD hatte bei der Bundestagswahl 10,3 Prozent erzielt. Dies waren 2,3 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl vier Jahre zuvor. Statt wie bisher drittstärkste, ist die AfD jetzt nur noch fünftstärkste Kraft im Parlament.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Oktober 2021 um 11:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Eislöwe 11.10.2021 • 14:07 Uhr

13:58 von craic - Herr Höcke ist ein Faschist

Frau Caudia Roth eine Demokratin. Sie ziehen Faschisten vor. Ihre Entscheidung.