Mitglieder des CDU-Präsidiums | dpa

Neue Parteispitze Wer die starken Leute in der Merz-CDU sind

Stand: 31.01.2022 18:16 Uhr

Sozial und gleichzeitig wirtschaftsnah, vielfältig und jung, aber auch konservativ: Im neuen Team von CDU-Chef Merz steckt der Wille, alle einzubinden. Kann das gelingen?

Von Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Jetzt ist es amtlich: Friedrich Merz ist neuer CDU-Chef. Basis, Parteitag, Briefwahl - Merz kommt mit enormem Rückenwind ins Adenauerhaus. Doch wie schlagkräftig ist sein Team? Zumindest verspricht es mehr Vielfalt, als manch einer gedacht hat. Viele junge Frauen sind auch mit Unterstützung der Jungen Union in die Parteispitze aufgerückt.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Allen voran Ronja Kemmer. Die Wunschkandidatin der Jungen Union, als Konkurrenz zur ehemaligen Merkel-Vertrauten und Vorsitzenden der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz. Für die Parteijugend war das ein strategischer Schachzug, der aus ihrer Sicht aufgegangen ist. Überhaupt, so jung war die CDU-Spitze wohl noch nie. Das zumindest verspricht schon mal Erneuerung.

Andere müssen erstmal auf die Reservebank. Julia Klöckner und Jens Spahn wurden, als ehemalige Minister der Merkel-Regierung, mit mäßigen bis schlechten Ergebnissen nach Hause geschickt. Doch auch sie will Merz in seinem Team haben. Genauso wie Karin Prien. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin ist bekannt dafür, gern auch mal eine Position gegen den Strich zu beziehen oder klare Kante, beim Thema Maaßen etwa, zu verlangen. Merz will alle einbinden, die CDU soll Volkspartei bleiben. Das Ziel des neuen Parteichefs ist ambitioniert. Dafür braucht er Unterstützung aus seinem "Inner circle" und Vertrauen.

Der neue starke Mann neben Merz

Für die inhaltlichen Akzente heißt der neue starke Mann neben Merz Carsten Linnemann. Linnemann gilt als ausgewiesener Wirtschaftsexperte. Er wird der Chefkoordinator für das Programm - eine Aufgabe, die dem ehemaligen Chef der Mittelstandsvereinigung liegen dürfte. Linnemann will die sogenannte Zuhörtour von Annegret Kramp-Karrenbauer zu Ende bringen und Antworten liefern. Das heißt für ihn Basisarbeit. Vieles wird dabei nochmal neu aufgerollt. Die verschobene Abstimmung zur Frauenquote ist dafür nur ein Vorgeschmack. Kritiker der Quote hoffen jetzt, dass sie wieder einkassiert wird. Zumindest wird die Debatte darüber nochmal neu belebt.

Linnemann bekommt im Team Merz mit der Arbeit am Programm eine herausgehobene Stelle. Er darf das Herz der CDU neu beleben. Merz vertraut Linnemann damit die wohl wichtigste Aufgabe an. Dieses Vertrauen wird der neue CDU-Chef vor allem dann brauchen, wenn er bald auch Fraktionsvorsitzender wird. Für Linnemann heißt das neben dem neuen Generalsekretär Czaja mehr Beinfreiheit, aber auch mehr Verantwortung im Adenauerhaus.

 Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU/CSU und stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, steht vor einem Wahlplakat | dpa

Linnemann wird Chefkoordinator für das neue Parteiprogramm. Bild: dpa

Versöhnung mit dem Arbeitnehmerflügel

Generalsekretär Mario Czaja hat dabei wohl vorerst die schwierigste Aufgabe. Er kommt vom CDA, dem Arbeitnehmerflügel der Partei. Dahinter steckt ebenfalls eine strategische Überlegung. Der Sozialflügel der Partei fühlte sich lange Zeit vernachlässigt und war gerade jetzt unter Merz in Sorge, dass die Zukunft der CDU zu konservativ, zu wirtschaftsnah werden könnte. Mit Czaja könnte sich das ändern, allerdings braucht er dafür ebenfalls das absolute Vertrauen des Chefs. Er muss die Rolle des Generalsekretärs in der CDU neu definieren, vor allem, weil der programmatische Teil hauptsächlich von Linnemann bedient wird. Das war unter Paul Ziemiak noch anders.

Czaja ist zudem ein CDU-Mann, der durch seine Erfahrungen, seine DDR-Biografie, anders auf das Verhältnis zur Linkspartei schaut. Czaja zeigt sich unter Bedingungen sogar offen für Kooperationen auf kommunaler Ebene. Das dürfte nicht jedem in der Partei zusagen. Für ihn wird das Verhältnis zu Linnemann entscheidend sein. Es braucht vor allem Loyalität und eine klare Aufgabenverteilung.

Mario Czaja | EPA

Czaja soll als Generalsekretär auch den Arbeitnehmerflügel der Partei einbinden. Bild: EPA

Stimme für den Osten

Wenn die CDU Volkspartei bleiben will, muss sie Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen wieder ansprechen, ebenso wie die Ostverbände. Die Basis im Osten fühlt sich von der Parteispitze oftmals nicht mitgenommen. Hier ist die AfD besonders stark. Wie damit umgehen? Gerade in den Kommunen mit schwierigen Mehrheitsverhältnissen stellt das manchen CDU-Vertreter vor Herausforderungen. Michael Kretschmer, der sächsische Ministerpräsident, aber auch Czaja selbst sollen vor allem eine Stimme für den Osten sein.

Im neuen Team von Merz steckt der Wille, alle einzubinden. Merz wird dafür manches Mal über seinen Schatten springen müssen, damit ihm die CDU nicht aus dem Ruder läuft. Die Anhänger der Merkel-Politik einbinden, die Konservativen nicht enttäuschen, das Profil schärfen, alte Wähler zurück und junge Wähler dazu gewinnen. Dafür muss der neue CDU-Chef unter Beweis stellen, dass er nicht nur klare Kante, sondern auch moderieren kann.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Februar 2022 um 20:00 Uhr.