Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen (von links) | Andreas Gora/POOL/EPA-EFE/Shutte

Vor Abstimmung zum Parteivorsitz Von "Kohls Mädchen" zu Merkels Jungs

Stand: 13.01.2021 03:57 Uhr

Laschet, Merz oder Röttgen: Nur eines steht bereits vor der Abstimmung fest: Der neue Parteivorsitzende der CDU ist ein Mann. Das hat es schon lange nicht mehr gegeben.

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Es wird ein Mann - die CDU wird nach 20 Jahren wieder männlich geführt. Dabei war es im Jahr 2000 noch eine Revolution: Die Christlich Demokratische Union machte Angela Merkel zu ihrer Vorsitzenden. Eine Frau!

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Macht ist nicht mehr männlich

Die Partei von Adenauer, Erhardt und Kohl - von einer Frau geführt. Das war zu Beginn nicht für jeden einfach. "Das Merkel", höhnten politische Beobachter. Merkel aber ging ihren Weg und gewöhnte ihre Partei daran: Macht ist nicht mehr zwangsläufig männlich, und Führung gelingt auch ohne Testosteron.

Das beobachtet - Jahre später - auch Frauenministerin Franziska Giffey von der SPD. "Es ist so, dass der Pragmatismus und das 'wie machen wir es denn jetzt konkret?' bei Frauen häufiger im Vordergrund steht als vielleicht manches Imponiergehabe oder manches sich nochmal Darstellen im Gespräch. Das ist etwas, das viele Frauen, die in der Politik sind, auszeichnet."

Merkels Pragmatismus

Pragmatismus ist ganz sicher etwas, was Merkel auszeichnet, und auch ihre Nachfolgerin, die zweite Frau an der Spitze der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, pflegt diesen Stil. Beide präsentieren sich bescheiden und zurückhaltend. In den Anfangsjahren der Ära Merkel ist das ungewohnt. Die Republik steht noch unter dem Eindruck von Basta-Kanzler Gerhard Schröder - und Merkel unter besonderer Beobachtung.

"Vielleicht guckt man bei Frauen etwas genauer hin", sagt sie in ihren Anfangsjahren, "ich glaube schon, dass sie ihre Dinge genau verstehen müssen, man versucht immer mal, einen Fehler zu finden."

Es geht um Äußerlichkeiten

Fehler findet man auch in Äußerlichkeiten. Während es bei Männern keine Rolle spielt, ob der Anzug sitzt, die Hosenlänge stimmt oder der Scheitel akkurat gezogen ist, bleibt das bei Merkel lange Thema. Ihre Frisur, ihre Kleidung scheinen manchen wichtiger als ihr Handeln. "Kohls Mädchen" eben.

Kramp-Karrenbauer ergeht es nicht anders, sie gilt als "Müllers Mädchen", weil sie vom saarländischen Ministerpräsidenten gefördert wird. Sie selbst hat das nie geärgert, sagt sie. "Ich bin ausgesprochen gut damit gefahren, dass man mich falsch eingeschätzt, unterschätzt hat, und insofern konnte ich damit immer sehr, sehr gut umgehen."

Zweifel an Autorität

Kramp-Karrenbauers Amtszeit ist kurz. Nach gut einem Jahr tritt sie zurück. Ihre Autorität wird in Frage gestellt, weil sie die Männer in der Thüringer CDU nicht im Griff hat. Mangelt es ihr an Durchsetzungsstärke? Hätte jemand anderes die Thüringer aufhalten können, gemeinsam mit der AfD einen Ministerpräsidenten zu wählen?

Ein Mann meint ja. Friedrich Merz übt offen Kritik und erklärt, wie er es machen würde.

Wenn man so etwas kommen sieht, muss man sich früh genug drum kümmern, und dann muss man gemeinsam sehr viel miteinander reden und dann auch eine gemeinsame Linie verabreden, die von allen Beteiligten eingehalten wird. Und darum muss sich der Bundesparteivorsitzende kümmern, und das wird er tun, wenn er Friedrich Merz heißt.

Dass der Parteivorsitzende Merz heißen wird, ist längst nicht ausgemacht. Sicher ist nur: Es wird ein Mann - nach 20 Jahren Frauenführung. Was bleibt? Nicht viel. Ein role model ist Merkel jedenfalls nicht geworden. Keine Frau strebt ihre Nachfolge an, und nur gut ein Viertel aller Mitglieder in der CDU sind Frauen. Höchste Zeit also für die nächste Revolution.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Januar 2021 um 09:00 Uhr.

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Moderation 13.01.2021 • 11:33 Uhr

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