Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk (Aufnahme vom 12. Mai 2022). | dpa

Melnyk zu Kretschmer "Sie sind UNERWÜNSCHT. Punkt."

Stand: 28.08.2022 09:27 Uhr

Der Konflikt zwischen den ukrainischen Botschafter Melnyk und Sachsens Ministerpräsident Kretschmer ist bekannt. Nun ist er eskaliert. Melnyk zog eine Einladung an den CDU-Politiker zurück.

Der scheidende ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer von einem Ukraine-Besuch ausgeladen. "Mit Ihrer absurden Rhetorik über das Einfrieren des Krieges spielen Sie in Putins Hände & befeuern Russlands Aggression", schrieb Melnyk bei Twitter. Er habe den CDU-Politiker einst in die Ukraine eingeladen. "Diese Einladung ist annulliert. Sie sind UNERWÜNSCHT. Punkt."

Melynik bezog sich auf eine Sendung der ZDF-Talkshow von Markus Lanz vom Mittwoch. Dort hatte Kretschmer erneut gefordert, den Krieg in der Ukraine einzufrieren. Der CDU-Politiker verurteilte in der Sendung zugleich klar den russischen Angriffskrieg.

Russland hatte die Ukraine am 24. Februar überfallen. Seitdem wehrt sich das angegriffene Land gegen die Invasion und versucht, von Russland eroberte Gebiete zurückzugewinnen.

Bereits in der Vergangenheit war Kretschmer durch seine Äußerungen zu Russland und der Ukraine aufgefallen. So forderte er, dass Deutschland im Krieg zwischen Russland und der Ukraine vermitteln solle. "Ich setze nicht auf einen militärischen Sieg, das ist nicht mein Weg", sagte er im Juli bei einer Diskussion in Dresden. Kretschmer verwies auch immer wieder darauf, dass Deutschland weiter russische Rohstoffe benötige.

Umstrittene Positionen

In seiner Partei ist er mit seinen Positionen allerdings weitgehend alleine. CDU-Chef Friedrich Merz hat sich von den Russland-Aussagen Kretschmers in der Vergangenheit distanziert. Politiker und Experten bewerteten Kretschmers Haltung zuletzt als naiv und unverständlich. Zustimmung gab es in der Vergangenenheit aus der AfD und aus Teilen der Linkspartei.

Als Botschafter stand auch Melnyk in Deutschland immer wieder in der Kritik, da er nicht immer auf diplomatische Gepflogenheiten achtete und mit teils harten Worten für Waffenlieferungen an die Ukraine warb. Inzwischen steht Melnyks Abberufung fest, er wird Deutschland im Oktober verlassen und soll in Kiew einen neuen Posten im Außenministerium übernehmen.

Über dieses Thema berichtete MDR-Aktuell am 28. August 2022 um 10:05 Uhr.