Armin Laschet und Markus Söder (11. April 2021) | EPA

Auftritt vor Unionsfraktion Laschet, Söder und die Schwächen des anderen

Stand: 13.04.2021 18:53 Uhr

Nächste Runde im Kanzlerkandidatur-Duell der Union: Der CDU-Vorsitzende Laschet und CSU-Chef Söder haben sich in Berlin der Bundestagsfraktion gestellt - Seitenhiebe gegen den jeweils anderen Bewerber inklusive.

Nachdem am Vortag die Präsidien von CDU und CSU ihren jeweiligen Vorsitzenden, Armin Laschet und Markus Söder, in der Frage einer möglichen Kanzlerkandidatur den Rücken gestärkt hatten, trafen die beiden vor der Bundestagsfraktion direkt aufeinander. Jeder warb dabei für sich und wies gleichzeitig auf die Schwächen des anderen hin.

Laschet appellierte an die Geschlossenheit und Einigkeit der Union: "Wir brauchen keine One-Man-Show", zitiert ihn die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Teilnehmer. Die Bemerkung fiel demnach offenbar in Richtung Söder. Die SPD habe sich monatelang mit nichts anderem als mit ihrem Parteivorsitz beschäftigt, warnte Laschet.

Schlechte Umfragewerte und Liebäugeln mit den Grünen

Söder forderte demnach seinerseits, die Union müsse "alles unternehmen, um so stark wie möglich zu sein und um so viele Abgeordnete wie möglich in den Bundestag zu bekommen". Für einen Wahlsieg in dieser für die Union sehr kritischen Phase brauchten CDU und CSU die "maximal beste Aufstellung, um erfolgreich zu sein - nicht nur die angenehmste". Wenn Umfragewerte lange stabil seien, "wird das bei der Wahl nicht viel anders sein". Das könnte als Hinweis darauf verstanden werden, dass Söder im Vergleich zu Laschet bessere Umfragewerte einfahren kann.

Offensiv ging Laschet Söder demnach wegen dessen Vorschlag einer Klima-Allianz gemeinsam mit dem Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg an. Dies könne man auf Länderebene machen, sei dann aber auch gefährlich: "Wir dürfen nicht grüner werden als die Grünen." Klimaschutz müsse Unionshandschrift haben, mit "marktwirtschaftlichen Mitteln", soll der CDU-Chef angemahnt haben. Sonst stimmten die Wähler am Ende für die Grünen. "Wir müssen unsere Themen setzen."

Söder, der den Angaben zufolge etwa doppelt so lang wie Laschet sprach, sagte mit Blick auf einen möglichen Wahlsieg der Grünen: "Ist man Juniorpartner, bleibt man Juniorpartner. Und das kann nicht unser Anspruch sein." Er habe nichts gegen SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz oder das Grüne-Führungsduo Robert Habeck und Annalena Baerbock, "aber denen dürfen wir unser Land nicht überlassen".

Offenbar mehr Rückhalt für Söder

Laschet und Söder kamen persönlich zur Sitzung im Reichstagsgebäude in Berlin, wo die Fraktion teils in Präsenz und teils virtuell zugeschaltet zu ihren regulären Beratungen in der Sitzungswoche des Bundestags zusammentrat. Dabei hatte Laschet noch am Montag gesagt, er plane keinen Auftritt in der Fraktion. Söder kündigte dann aber einen Besuch in der Fraktionssitzung an und zwang Laschet damit zum Nachziehen.

Laschet rief schon beim Eintreffen zur Einigkeit auf. "Unstimmigkeiten zwischen CDU und CSU haben uns noch nie geholfen." Zugleich betonte der NRW-Ministerpräsident: "Wer als Kanzlerkandidat der Union in die Bundestagswahl geht, sollte zügig geklärt werden." Die Menschen in Deutschland erwarteten zu Recht, "dass die Union unser Land gut durch die Krise führt", sagte Laschet.

Teilnehmer berichteten, Söder habe im Verlauf der Sitzung der Bundestagsfraktion eine wichtige Rolle bei der Suche des Kanzlerkandidaten von CDU und CSU beigemessen. "Es gibt nur ein Gremium, das gemeinsam tagt und als gemeinsames Gremium wahrgenommen wird", sagte er. Das sei eine Frage von Respekt und Anstand. Aus Fraktionskreisen hieß es jedoch, eine Abstimmung solle es in dieser Runde nicht geben.

Im Anschluss an die Auftritte von Laschet und Söder gab es nach Medieninformationen zahlreiche Wortmeldungen. Dabei hätten sich nach Teilnehmerangaben deutlich mehr Parlamentarier für Söder ausgesprochen. In allen Landesgruppen sei betont worden, dass man zwei sehr gute Kandidaten habe. Allerdings räumten mehrere CDU-Politiker ein, dass der erst im Januar gewählte Parteichef Laschet schwer angeschlagen sei, sollte sich Söder durchsetzen.

Merz attackiert CSU

Der CDU-Politiker Friedrich Merz warf der CSU und deren Vorsitzendem unterdessen eine bewusste Demontage der CDU vor. "Bei allem Verständnis für die CSU und ihren Vorsitzenden: Macht sich die CSU klar, was es bedeutet, innerhalb von wenigen Wochen den nächsten Parteivorsitzenden der CDU zu demontieren?", schrieb Merz, der im Januar gegen Laschet im Kampf um den Vorsitz unterlegen war, in einer Mail an seine Anhänger, aus der mehrere Medien zitierten.

Laschet sei "nicht der Liebling in den Umfragen", es gebe auch in der CDU Vorbehalte gegen ihn, schrieb Merz. Jeder Bewerber bringe Stärken und Schwächen mit in das Ringen um ein hohes politisches Amt. Aber CDU-Präsidium und Bundesvorstand hätten sich am Montag einstimmig hinter die Bewerbung von Laschet um die Kanzlerkandidatur gestellt. Und CSU-Chef Markus Söder habe am Sonntag zugesagt, ein Votum der CDU für Laschet zu akzeptieren. Damit hätte die Entscheidung zwischen CDU und CSU einvernehmlich getroffen werden können, ergänzte Merz.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2021 um 17:00 Uhr.