Heiko Maas | AFP

Maas zur Lage in Afghanistan "Wir haben die Lage falsch eingeschätzt"

Stand: 16.08.2021 18:14 Uhr

Außenminister Maas hat nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan Fehler eingestanden. Die Bundesregierung habe diese Entwicklung nicht so vorhergesehen. Hilfe für das Botschaftspersonal sei aber nicht zu spät gekommen.

Die Taliban konnten in den vergangenen Wochen in einem rasanten Tempo Afghanistan erobern. Neben vielen Provinzhauptstädten und Regionen ist nun auch die Hauptstadt Kabul unter ihrer Kontrolle. Teile der Regierung sind ins Ausland geflohen. Deutschlands Außenminister Heiko Maas hat nun Fehler eingeräumt, dass die Lage falsch eingeschätzt wurde.

"Es gibt da nichts zu beschönigen", sagte Maas. Weder die Bundesregierung noch ihre westlichen Partner einschließlich der Nachrichtendienste hätten die aktuelle Entwicklung so vorhergesehen. "Es gebietet die Ehrlichkeit, das in aller Form so einzugestehen."

Maas sagte, die Geschwindigkeit, mit der die Taliban Kabul eingenommen hätten, habe sowohl die Bundesregierung als auch deren NATO-Partner überrascht. Dass sich die afghanischen Truppen den Taliban entgegenstellen würden, sei eine Fehleinschätzung der Alliierten gewesen. Daraus müssten auch die notwendigen Konsequenzen gezogen werden.

Kernteam der Botschaft in Kabul

Der Außenminister verteidigte sich allerdings auch gegen Kritik, dass trotz der dramatischen Entwicklung der vergangenen Tage weiter deutsches Botschaftspersonal in Kabul stationiert ist. Diese Maßnahme sei deswegen nötig gewesen, um den Ausflug jener afghanischen Ortskräfte zu organisieren, die für die Bundeswehr tätig waren, stellte der Minister klar. Die Bundesregierung habe die Lage stets genau beobachtet.

Maas betonte, der Großteil der Mitarbeiter sei schon außer Landes. Lediglich ein Kernteam sei noch am Kabuler Flughafen stationiert. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios hatte die deutsche Botschaft wochenlang vergeblich darauf hingewiesen, das ihr Personal womöglich gefährdet sei. Erst vergangenen Woche habe es Beratungen gegen, wie eine Evakuierung zu planen sei.

Weitere Hilfen angekündigt

Maas sagte, es komme jetzt für die Bundesregierung darauf an, "so viele Menschen wie möglich aus dieser Situation zu retten". Dafür solle der Kreis derjenigen, die in Deutschland aufgenommen werden, noch einmal erweitert werden, sagte der Außenminister.

Er solle neben den Ortskräften der Bundeswehr und der Bundesregierung nun auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen, der Entwicklungshilfe sowie Menschenrechtsaktivisten und Frauenrechtlerinnen umfassen. Maas räumte allerdings ein, dass noch unklar sei, wie diese Menschen unter den aktuellen Umständen zum Flughafen gelangen könnten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. August 2021 um 18:00 Uhr.