Fahnen der Partei Die Linke | dpa

Vor Bundesparteitag Neue Linke braucht die Partei

Stand: 17.06.2022 15:26 Uhr

Die krisengeschüttelte Linke muss sich neu aufstellen. Sie braucht nicht nur neue Parteivorsitzende, sondern auch eine neue Geschäftsführung. Neben Janis Ehling will auch Tobias Bank das Amt übernehmen.

Von Kerstin Palzer, ARD-Hauptstadtstudio

Bereits vergangene Woche hat der amtierende Bundesgeschäftsführer der Linken, Jörg Schindler, bekanntgegeben, dass er nicht mehr kandidieren wird. Sein Rückzug war keine Überraschung. Schindler galt nach der Bundestagswahl mit dem schlechten Wahlergebnis von 4,9 Prozent und mehreren Landtagswahlen, bei denen die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist, als - vorsichtig ausgedrückt - nicht besonders erfolgreich.

Kerstin Palzer ARD-Hauptstadtstudio

Nun braucht die Linke also nicht nur neue Parteivorsitzende, sondern auch einen oder eine neue Bundesgeschäftsführerin. Und auch dieses Amt soll beim Bundesparteitag Ende Juni in Erfurt besetzt werden.

Zwei Kandidaten für die Geschäftsführung

Vergangenen Mittwoch hat Janis Ehling seine Kandidatur bekanntgegeben. Seit heute ist klar: Er hat einen Gegenkandidaten: Tobias Bank. Beide Männer sind 36 Jahre alt, beide kommen aus Berlin, genauer, aus Ost-Berlin. Bank fordert im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio eine gemeinsame Stoßrichtung seiner Partei, die aktuell zu selten sichtbar ist. Und er verspricht: "Das wird sich zukünftig wieder ändern."

Bank, der seit Jahren in der Kommunalpolitik in Brandenburg tätig ist, sieht sich selbst als pragmatisch und glaubt, dass er seine Partei wieder voranbringen kann. Von den Strömungen in der Linken hält er nicht so viel. Die allerdings waren in der Linken bisher immer besonders wichtig, wenn eine Position zu besetzen war.

"Als Kandidat zur Bundestagswahl und als Kommunalpolitiker habe ich mehrere Wahlkämpfe inhaltlich und organisatorisch verantwortet. Die Ergebnisse waren besser als der Bundes- und Landestrend", sagt Bank selbstbewusst.

Tobias Bank |  Sandra Schröpfer

Der 36-Jährige Bank kandidiert für die Geschäftsführung der Linkspartei. Bild: Sandra Schröpfer

Dass die Linke nicht geschlossen genug agiert, bestätigt auch Janis Ehling und sagt fast ironisch, dass man doch keine Krise ungenutzt verstreichen lassen sollte. Ehling, der in Hessen studiert hat, betont dass er "Ossi" sei und dass ihm seine ostdeutsche Herkunft wichtig sei.

Inhaltlich sieht sich Ehling dicht an der Gewerkschaftsarbeit. Einige Jahre hat er als Referent im Büro des ehemaligen Parteivorsitzenden Riexinger gearbeitet. Wenn man mit ihm spricht, ist die Distanz zu Sahra Wagenknecht spürbar, aber er sagt auch: "Wenn jemand aus der Partei geht, dann geht er freiwillig." Von einem Parteiausschlussverfahren gegen Wagenknecht hält er nichts.

Einigkeit bei Russland-Politik

Aber Ehling ist sich sicher, dass Wagenknecht - beispielsweise auf die Russland-Politik der Linken bezogen - eine Minderheiten-Meinung hat und er hofft, dass der Parteitag eine andere, kritischere Linie zu Russland findet.

Da sind die beiden Kandidaten sich einig. Auch Tobias Bank will eine andere Russland-Politik seiner Partei. Er sagt, dass es falsch war, dass die Linke bei den von Russland geführten Kriegen in Tschetschenien oder Syrien kaum hörbar war und dass Putins Überfall auf die Ukraine wirklich eine Zeitenwende darstelle.

Auf Wagenknecht bezogen sagt Bank: "Als Parteimitglied ist Sahra an unser Parteiprogramm gebunden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sahra als Mitbegründerin der Linken ein Interesse am Untergang der Linken hat. Dafür muss es aber wieder mehr Teamplay geben."

Beiden Bundesgeschäftsführer-Kandidaten scheint klar zu sein, dass ihnen da ein harter Job bevorsteht und beide wissen, dass sie - sollten sie die Wahl gewinnen - einen Karren aus dem Dreck ziehen müssen. 

Vielstimmig oder zerstritten?

Von der Parteiführung wurde bereits in den vergangenen Monaten immer wieder von der "Vielstimmigkeit" in der Linken gesprochen, eine Umschreibung für Zerstrittenheit. Tobias Bank wünscht sich einen respektvolleren Umgang miteinander und einen Einklang zwischen Partei und Fraktion.

Gefragt, wie er dies schaffen will, denn das Verhältnis gilt seit Jahren als zerrüttet, sagt er: "Wir brauchen mehr Disziplin, nicht die eigene Meinung über die der Partei zu stellen."

Ebenfalls seine Kandidatur eingereicht hat der 30-jährige Maximilian Philipp Peter aus Hessen. Er fordert in seiner Bewerbung, dass die Parteistrukturen "komplett auf den Prüfstand und alte Machtbündnisse aufgebrochen werden müssen". Sein Rückhalt innerhalb der Partei gilt allerdings als eher gering.

Vielleicht kandidiert auch noch eine Frau für das Amt der Bundesgeschäftsführerin: Friederike Benda, auch aus Berlin. Sie allerdings kommt aus dem Westteil der Stadt. Die 35-Jährige hat den Aufruf für eine "populäre Linke" unterschrieben, der manchmal auch "Wagenknecht-Aufruf" genannt wird.

Ihr wird eine Nähe zur linken Frontfrau nachgesagt. Eine offizielle Kandidatur jedoch hat Benda noch nicht bekanntgegeben.