Karl Lauterbach | dpa

Entlastung von Pflegekräften Lauterbach will weniger "schwere Schichtdienste"

Stand: 18.10.2022 10:14 Uhr

In vielen Kliniken trifft derzeit die Zunahme von Corona-Patienten auf einen dramatischen Personalmangel. Gesundheitsminister Lauterbach plant nun, die Pflegekräfte zu entlasten - unter anderem mit dem Wegfall von Nachtdiensten.

Angesichts steigender Coronazahlen und Personalnot in Krankenhäusern plant Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach eine Reform zur Entlastung. Dies sei die größte Krankenhausreform der vergangenen 20 Jahre, sagte der SPD-Politiker im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

"Schwere Schichtdienste" sollen wegfallen

Mit der geplanten Krankenhausreform sollen demnach Pflegekräfte durch Wegfallen der "schweren Schichtdienste" entlastet werden. Ziel dabei sei es, alle dafür geeigneten Behandlungen als Tagesbehandlung durchführen zu können. So würden Nachtdienste wegfallen. "Wir haben ja nicht zu wenig Pflegekräfte gemessen an der Bevölkerung, wir setzen sie sehr wenig effizient ein." Er kritisierte unter anderem, dass sehr viel stationär behandelt würde, was ambulant gemacht werden könnte.

Mit dem von Lauterbach vorgelegten Krankenhauspflegeentlastungsgesetz zur Pflege in Kliniken soll in einer ersten Phase zunächst der Personalbedarf bei einer repräsentativen Auswahl von Krankenhäusern erfasst werden. Auf dieser Basis sollen in einer Rechtsverordnung den Krankenhäusern Vorgaben für die Personalbemessung gemacht werden. 

Ende der Fallpauschalen geplant

Zudem wünscht sich Lauterbach eine Überwindung der sogenannten Fallpauschalen im Kliniksystem. Mit ihnen könnten Krankenhäuser Gewinne einfahren, wenn sie viele Patienten günstig behandeln. "Das ganze System wird weniger ökonomisch", sagte Lauterbach. Auch dadurch würden Pflegekräfte entlastet.

Zuvor hatte Lauterbach den Kliniken bereits eine zielgenaue Unterstützung bei den hohen Energiekosten zugesagt. "Die Krankenhäuser haben eine ganz besondere Situation. Wenn wir da nicht schnell und auch wirklich drastisch reagieren, kommt es zu Schließungen", sagte er am Sonntagabend im Bericht aus Berlin. Über die Höhe und die Ausgestaltung der Hilfen will er nach eigener Aussage im Laufe des Tages mit Bundesfinanzminister Christian Linder (FDP) verhandeln. "Was man sicher sagen kann, ist, dass die Krankenhäuser in den nächsten Monaten in eine ganz drastische Liquiditätsproblematik kommen", sagte Lauterbach. "Das muss gelöst werden."