Armin Laschet | picture alliance/dpa
Analyse

Laschet und die CDU Gescheitert mit Anstand

Stand: 21.01.2022 06:42 Uhr

Erst CDU-Chef, dann Bundeskanzler - das war Laschets Plan. Jetzt bleibt dem einstigen NRW-Ministerpräsidenten die zweite Reihe im Bundestag, sobald er morgen auch den Parteivorsitz abgibt.

Von Uli Hauck, ARD-Hauptstadtstudio

Den Höhepunkt seiner kurzen bundespolitischen Karriere konnte Armin Laschet gleich zu Beginn feiern. Beim digitalen Parteitag vor gut einem Jahr, am 16. Januar 2021, hält er eine überzeugende Rede. Er präsentiert sich als Mannschaftskapitän, "der führt und zusammenführt".

Uli Hauck ARD-Hauptstadtstudio

Anschließend tritt Laschet mit der messingfarbenen Bergmannsmarke seines Vaters in der Hand neben das Rednerpult und wirbt um das Vertrauen der Delegierten. Damals mit Erfolg, er setzt sich knapp gegen Friedrich Merz durch. Die CDU liegt in Umfragen bei 35 Prozent, die SPD abgeschlagen bei 14 Prozent. Die Merkel-Nachfolge scheint nach Plan zu laufen.

Erst Parteivorsitz, dann Kanzlerkandidatur

Auf dem Weg an die Macht will Laschet den klassischen CDU-Plan verfolgen: Erst den Parteivorsitz holen, dann die Kanzlerkandidatur für sich beanspruchen. Doch in der Union gibt es Zweifel, denn die persönlichen Umfragewerte für Laschet bleiben auch im neuen Amt konstant schlecht. Sein lockerer Pandemiekurs kommt in der Bevölkerung nicht gut an, und Markus Söder fühlt sich im Aufwind. Der CSU-Chef hegt ebenfalls Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur, auch wenn er sich lange bedeckt hält. Während die SPD mit Olaf Scholz schon lange einen Kandidaten fürs Kanzleramt nominiert hat, entsteht in der Union so ein Machtvakuum.

Laschet oder Söder - der Showdown

Mitte April 2021 ist Laschet bereits drei Monate im Amt, aber die Kanzlerkandidatur hat er noch nicht in trockenen Tüchern. Stattdessen erheben jetzt zwei Parteichefs Anspruch auf die Kanzlerkandidatur, die Parteispitzen von CDU und CSU stellen sich hinter die jeweiligen Chefs. Laschet und Söder müssen gemeinsam zum Showdown in die Bundestagsfraktion, die wegen Corona im Plenarsaal des Bundestags tagt. Viele CDU-Abgeordnete sprechen sich für Söder als Kanzlerkandidat aus. Laschet ist angeschlagen, aber er weicht nicht.

Am 20. April, rund fünf Monate vor der Bundestagswahl, fällt dann die Entscheidung. Der CDU-Bundesvorstand nominiert Laschet mit großer Mehrheit als Kanzlerkandidat der Union.

Aber der knallharte Machtkampf hat Spuren hinterlassen und den Kandidaten schon beschädigt, bevor der Wahlkampf überhaupt richtig losging. Die Wähler hätten Geschlossenheit honoriert, sagt Laschet im Nachhinein mit Blick auf die SPD und ihren Kandidaten Scholz. Dort habe man den innerparteilichen Kampf um den Parteivorsitz vor dem Bundestagswahlkampf hinter sich gelassen und gemeinsam Scholz unterstützt. Das heißt im Umkehrschluss, dass Laschet bei der Union diese breite Unterstützung vermisste.

Die Fehler des Armin Laschet

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Laschet selbst Fehler gemacht hat. Seine schlechten persönlichen Umfragewerte ignorierte er konsequent. Sein Lacher im Flutgebiet waren ein kommunikativer GAU und gaben seiner Wahlkampagne den Rest. Außerdem fehlte der spät gestarteten Unionskampagne die Zeit und die strategische Grundausrichtung, um erfolgreich zu sein. Während die SPD für einen Mindestlohn von zwölf Euro und stabile Renten warb, waren Laschets Botschaften beliebig und austauschbar. Der Kandidat selbst und die Partei blieben profillos. Laschets Weiter-So-Kurs hat bei den Wählern nicht verfangen.

Nach dem Wahldebakel

Rückblickend muss man Laschet zugutehalten, dass er nach dem historisch schlechtesten Wahlergebnis der Union nicht einfach hingeworfen hat - ungeachtet der Forderungen nach seinem Rücktritt als Parteivorsitzender. Nach den gescheiterten Sondierungen mit FDP und Grünen hat er den Weg zu einer neuen Ampel-Regierung auch nicht weiter torpediert. Es sei ihm wichtig gewesen, dass der Regierungswechsel "mit demokratischem Stil erfolgt", sagt er im Nachhinein.

Auch in der eigenen Partei beeinflusste Laschet seinen Nachfolgeprozess nicht mehr weiter. Seinen Nachfolger Merz schätzt Laschet, trotz unterschiedlicher Ansichten. Denn der sei - auch in schwierigen Phasen - immer loyal gewesen.

Als Erfolg sieht er es an, dass nach seiner kurzen Amtszeit alle in der CDU über die Breite und die Mitte der Partei reden. Dass sei vor einem Jahr noch nicht so gewesen. Auch Merz erkannte offenbar, dass er eine Chance als CDU-Chef hat, wenn er möglichst viele Strömungen und auch Frauen hinter sich versammeln kann.

Noch-Parteichef Laschet zieht sich am Samstag aus der Parteispitze zurück. Dann ist er nur noch ein einfacher Oppositionsabgeordneter, der sich im Außenausschuss für seine Fraktion um die Russland- und Türkeipolitik kümmert. Nach einem Jahr der Aufs und Abs scheint ihn das aber mittlerweile nicht mehr zu stören. Es sei nicht zu ändern, das Ergebnis sei wie es sei und jetzt müsse es weitergehen, sagt Laschet. Schließlich habe er nicht für den Bundestag kandidiert, um Schlussstriche zu ziehen, sondern um etwas zu bewegen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 21. Januar 2022 um 06:21 Uhr.