Eine rote Ampel vorm Konrad-Adenauer-Haus in Berlin | dpa
Kommentar

Auftakt ins Superwahljahr Ein fatales Signal für die CDU

Stand: 14.03.2021 20:10 Uhr

Die Union muss sich wohl von dem Gedanken verabschieden, automatisch ein Abo aufs Kanzleramt zu haben. Das ist eine Erkenntnis aus den beiden Landtagswahlen. Auch ohne die Farbe Schwarz sind Mehrheiten möglich.

Ein Kommentar von Evi Seibert, ARD-Hauptstadtstudio

Die beiden Sieger des Wahlabends haben eines gemeinsam: Sie kommen nicht von der CDU. Und sie wurden beide wieder gewählt, haben also stabiles Vertrauen in ihre Regierungsfähigkeit geschaffen. Für die Union ist das ein fatales Signal. Denn auch wenn die Menschen im Südwesten hauptsächlich die Personen Malu Dreyer oder Winfried Kretschmann gewählt haben, über allem schwebt trotzdem: Hier spielt die Musik ohne die CDU - regieren kann man prima auch ohne die Farbe Schwarz. Besonders bitter schmeckt das den Unionsanhängern in Baden-Württemberg, dem einstigen Kernland der CDU. Hier hat die Partei das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte im Land eingefahren.

Evi Seibert ARD-Hauptstadtstudio

Der CDU bläst der Wind ins Gesicht

Auch wenn die Verlierer jetzt sagen: Das sind Landtagswahlen, im Bund gelten andere Regeln - so ist das nur die halbe Wahrheit. Man hat es fast vergessen, aber Martin Schulz war kurzzeitig im letzten Bundestagswahlkampf eine echte Gefahr für Merkel: Die SPD rückte der CDU damals nah auf die Pelle. Bis die Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und vor allem in NRW in die Hose gingen. Danach war für Schulz und die SPD schlagartig nichts mehr zu holen. 2021 könnte das nach diesem Wochenende genau andersherum laufen.

Auch wenn diesmal vieles anders ist. Die CDU ist zwar die aktuelle Verliererin; sie hat aber keinen Ministerpräsidentenposten verspielt, den hatte sie auch vorher nicht. Dafür hat sie diesmal eine Affäre am Hals, von der niemand weiß, ob sie bis in den Bundestagswahlkampf ihre Schatten werfen wird. Plus: Die Frau, die für eine ganze Generation Kanzlerin war, tritt nicht mehr an. Wie viel der neue Kanzlerkandidat der Union bis September punkten kann, weiß niemand. Viel Zeit hat er jedenfalls nicht. Und als Startrampe sind die Ergebnisse aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz denkbar ungeeignet.

Minister in der Kritik

Und dann ist da noch die leidige Pandemie, die sich bei Wahlen niederschlagen kann. Wenn sich die Unzufriedenheit der Menschen wegen des Corona-Missmanagements bis zum Sommer hält, wird das vor allem der CDU schaden - ihre Minister Jens Spahn und Peter Altmaier stehen besonders in der Kritik- und auch die Kanzlerin verliert deswegen zunehmend an Zustimmung.

Sollte Corona als Aufreger wegfallen, treten andere Themen wieder in den Vordergrund. Inhaltlich ist die CDU bisher nicht groß mit Zukunftsprojekten in Erscheinung getreten; eher mit dem, was alles in der CDU-geführten Regierung nicht umgesetzt wurde und während der Pandemie überdeutlich zum Vorschein getreten ist.

Alles zusammen gerechnet war dieser Sonntag also nicht nur der Auftakt ins Superwahljahr, sondern möglicherweise auch der Auftakt für eine Trendwende. Die Union muss sich wohl von dem Gedanken verabschieden, automatisch ein Abo aufs Kanzleramt zu haben.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. März 2021 um 20:00 Uhr.