Ties Rabe, Karin Prien und Alexander Lorz | dpa

Corona und Lehrermangel Kultusminister pochen auf weitere Hilfen vom Bund

Stand: 24.06.2022 14:27 Uhr

Noch immer sind die Folgen der Schulschließungen in Folge der Pandemie zu spüren. Die Kultusminister drängten auf ihrer Konferenz den Bund nun dazu, das Aufholprogramm für Schüler zu verlängern und mehr Geld nachzuschießen.

Die Kultusminister der Länder haben den Bund dazu aufgerufen, das Corona-Aufholprogramm für Schüler zu verlängern. Zum Abschluss ihrer Konferenz (KMK) forderte sie eine Fortsetzung bis zum Ende des Schuljahres 2023/2024. Überdies seien zusätzlich zu der bereits bewilligten einen Milliarde Euro ein weiterer Zuschuss von 500 Millionen Euro nötig.

"Die Verlängerung und Aufstockung dieses Programms ist aus unserer Sicht unabdingbar", sagte Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe. Der hessische Kultusminister Alexander Lorz  begründete die Forderung nach einer Verlängerung mit langfristigen Auswirkungen: "Sechs Wochen Schulschließungen werfen die Kinder deutlich mehr als sechs Wochen zurück". Deshalb brauche man auch deutlich mehr Zeit und einen langen Atem.

Reicht die Maßnahme aus?

Der Bund hatte das Programm "Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche" 2021 auf den Weg gebracht. Es besteht aus zwei Säulen: Rund eine Milliarde Euro steht für Lernförderprogramme zur Verfügung, eine weitere Milliarde für die Aufstockung sozialer Projekte für Kinder, Jugendliche und Familien. Das Programm soll dabei helfen, Folgen der Schulschließungen während der Corona-Pandemie wie Bildungsrückstände und psychische Probleme abzufedern.

Eigentlich läuft die Maßnahme bis Ende des nächsten Schuljahres. Nach Ansicht von Hamburgs Bildungssenator Rabe reicht aber das Programm bei weitem nicht aus. Die Kultusminister drängten auf ihrem Treffen darauf, dass Bund und Länder gemeinsam anschließende Maßnahmen zur Überwindung von Lernrückständen und Bildungsbenachteiligungen entwickeln und deren Finanzierung sicherstellen sollten.

Absage an Schulschließungen

Die KMK bekräftigte außerdem ihre Haltung, dass Schulen in der Pandemie offen bleiben müssten. Sollte sich das Pandemiegeschehen erneut verstärken, werde "mit Augenmaß" über mögliche Schutzmaßnahmen entschieden, sagte die Präsidentin der KMK, Karin Prien.

Die Schulschließungen der vergangenen Jahre hätten zu gravierenden Auswirkungen auf die psychische wie physische Gesundheit und den Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen geführt, beklagte die Konferenz. Bund und Länder müssten gemeinsam zügig an Maßnahmen zur Überwindung von Lernrückständen arbeiten.

Pläne gegen Lehrermangel

Thema der Beratungen war zudem die angespannte Personallage im Bildungsbereich, die durch inzwischen etwa 140.000 an den Schulen angemeldete ukrainische Kinder und Jugendliche zusätzlich verschärft wird. Es gelte nun, die Kapazitäten für Unterricht in Deutsch als Zweitsprache auszubauen, mahnte Prien. Allein in ihrem Bundesland würden aber dafür 250 zusätzliche Lehrkräfte für dieses Fach benötigt.

Prien erklärte, es sollten nun Empfehlungen für die Lehrkräftebildung und -gewinnung erarbeitet werden. Es dürfe dabei nicht nur in einzelnen Wahlperioden gedacht werden, sondern die Entwicklung der Bildung müsse auf zehn oder 20 Jahre in die Zukunft gedacht werden.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 24. Juni 2022 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.