Bundesinnenminister Horst Seehofer, BKA-Präsident Holger Münch und Thomas Strobl | dpa

Kriminalstatistik 2020 Zahl der Straftaten weiter gesunken

Stand: 15.04.2021 16:45 Uhr

Die Zahl der Verbrechen ist im vergangenen Jahr in Deutschland weiter gesunken - allerdings stiegen die Fälle von Missbrauchsdarstellungen von Kindern stark an. Im ersten Lockdown gab es zudem mehr häusliche Gewalt.

Die Zahl der von der Polizei erfassten Straftaten ist im vierten Jahr in Folge gesunken. Insgesamt sank die Zahl der registrierten Straftaten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 um 2,3 Prozent auf rund 5,31 Millionen Fälle. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2020 hervor.

Mit den Vorjahren lässt sich die Entwicklung allerdings nur bedingt vergleichen: Taschendiebe und Einbrecher hatten es bedingt durch die Corona-Pandemie schwerer als sonst. Einige Einbrecher verlagerten sich mangels anderer Tatgelegenheiten 2020 darauf, in Keller, Waschküchen und Speicher einzusteigen. Hier registrierte die Polizei eine Zunahme der Fälle um 10,6 Prozent.

Mehr Verbrechen gegen Kinder

Der Bereich sexualisierte Gewalt gegen Kinder stieg im vergangenen Jahr stark an: um 6,8 Prozent auf 14.594 Fälle. Die Zahl der Straftaten in Zusammenhang mit Missbrauchsdarstellungen von Kindern und Jugendlichen stieg sogar um rund 54 Prozent an, auf 26.739 Fälle.

Eine Ursache für die Zunahme der Fallzahlen sei die Aufhellung des Dunkelfeldes, erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer bei der Vorstellung des Berichts. Diese sei vor allem auf die gute Zusammenarbeit mit Internetbeschwerdestellen in Deutschland und den USA zurückzuführen. "Wir bekommen jetzt, und da bin ich sehr dankbar, deutlich mehr Hinweise, als das früher der Fall war." Daraus ergäben sich häufig neue Ermittlungsansätze im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern, was zu einem Anstieg der Fallzahlen führe.

Häusliche Gewalt angestiegen

Das Bundeskriminalamt verzeichnete nach Angaben seines Präsidenten Holger Münch im ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr einen Anstieg bei häuslicher Gewalt von rund sechs Prozent und bei Beziehungsgewalt von rund vier Prozent. Weitere Indikatoren wie die Zahl der Anrufe bei Hilfetelefonen wiesen darauf hin, dass es sich dabei nur um einen Ausschnitt handele. Für den zweiten Lockdown seien noch keine statistischen Aussagen möglich.

Seehofer bezeichnete die Entwicklung als "besorgniserregend". Dort sei das Dunkelfeld besonders hoch. Nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Übergriffe werde auch bei der Polizei angezeigt. Für den Herbst kündigte er eine Sonderauswertung des Bundeskriminalamts zu dem Thema an.

Die Gewaltkriminalität nahm zwar insgesamt um 2,4 Prozent ab auf 176.672 Straftaten. Bei den Unterkategorien Mord, Totschlag, Vergewaltigung und anderen Sexualdelikten verzeichnete die Polizei allerdings eine Zunahme von jeweils mehr als drei Prozent.

Mehr Attacken auf Polizisten

Die Zahl der körperlichen Attacken auf Polizeibeamte und andere Ordnungskräfte stieg im vergangenen Jahr um 5,9 Prozent auf fast 15.800 Fälle.

Bundesweit wurden zudem 6779 Straftaten nach dem Infektionsschutzgesetz erfasst. Allerdings sind nicht alle Verstöße gegen die jeweils vor Ort geltenden Corona-Schutzbestimmungen Straftaten. Bei den meisten Verstößen handelt es sich um Ordnungswidrigkeiten, die mit einem Bußgeld geahndet werden.

Klare Tendenz im Langzeittrend

Insgesamt zeigt auch der Langzeittrend eine sinkende Kriminalitätsrate: Im Vergleich zum Jahr 2006 ging die Zahl der erfassten Straftaten laut BKA sogar um mehr als 15 Prozent zurück. 58,4 Prozent der Fälle konnten 2020 aufgeklärt werden, nach 57,5 Prozent im Vorjahr. Bei Tötungsdelikten, Sozialleistungsbetrug und Schwarzfahren war die Aufklärungsquote am höchsten. Bei Wohnungseinbrüchen und Fahrraddiebstahl war sie besonders niedrig.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sagte, die Statistik zeige, dass Deutschland ein "starker und sicherer Rechtsstaat" sei.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 15. April 2021 um 17:00 Uhr in den Nachrichten.