Karl Lauterbach | dpa

Corona-Pandemie Lauterbach für telefonische Krankmeldung

Stand: 13.07.2022 09:30 Uhr

Nach Ärztevertretern setzt sich auch Bundesgesundheitsminister Lauterbach für eine Wiedereinführung der telefonischen Krankschreibung ein. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank leicht und liegt knapp unter der 700er-Schwelle.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach befürwortet die Möglichkeit telefonischer Krankschreibungen bei einigen Erkrankungen. Die Rückkehr zu dem Verfahren solle "bald beschlossen werden", twitterte der SPD-Politiker. "Bei den hohen COVID Fallzahlen brauchen wir nicht die Infektionen in die Praxis zu tragen."

Die telefonische Krankschreibung war wegen der Corona-Pandemie bis zum 31. Mai möglich. Seit dem 1. Juni müssen Patienten für eine Krankschreibung wieder in die Praxis oder in eine Videosprechstunde gehen.

Bundesausschuss entscheidet

Entschieden wird über solche Regelungen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) des Gesundheitswesens. Das Gremium ist mit Vertretern der Ärzteschaft, der Krankenkassen und der Krankenhäuser besetzt und entscheidet über die Leistungen der gesetzlichen Kassen und Regeln wie bei der Krankschreibung.

Nach Angaben einer Sprecherin des Gremiums ist eine Rückkehr zur Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung möglich. In dem Gremium sei im Frühjahr intensiv diskutiert worden, "ob es richtig ist, die bisherigen Sonderregelungen zur telefonischen Krankschreibung Ende Mai 2022 vorerst auslaufen zu lassen", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Alle Träger des G-BA und damit auch die KBV als Vertretung der Ärzteschaft seien sich damals einig gewesen, dass solche Sonderregeln wegen des damals ruhigeren Pandemie-Geschehens zurückgenommen werden konnten.

"Ein echtes Ärgernis"

Zuvor hatten Ärztevertreter gefordert, dass eine telefonische Krankschreibung für bestimmte Patienten dauerhaft möglich sein soll.

"Wir wollen ermöglichen, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte unabhängig von der Corona-Pandemie bekannte Patientinnen und Patienten telefonisch krankschreiben können", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Stephan Hofmeister.

Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, nannte es angesichts zahlreicher Fälle von Erkältungs- und Corona-Erkrankungen "ein echtes Ärgernis", dass die Möglichkeit zur telefonischen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit nicht in die Regelversorgung übernommen worden sei.

Inzidenz wieder unter 700

Die Corona-Lage bleibt in der derzeitigen "Sommerwelle" angespannt. Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt die Sieben-Tage-Inzidenz mit 691,8 an. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 702,4 gelegen.

Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI 127.611 Corona-Neuinfektionen und 104 Todesfälle innerhalb eines Tages.

Allerdings liefern die Zahlen nach Expertenmeinung kein vollständiges Bild der Infektionslage. Sie gehen von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zur Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Neue Erkenntnisse zu Long Covid

Ein Großteil der Patientinnen und Patienten mit Long-Covid-Symptomen war vor der Virusinfektion bereits wegen Vorerkrankungen in ärztlicher Behandlung. Dies berichtete die "Bild"unter Berufung auf eine Datenauswertung des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Versorgung (ZI). Demnach litten 96 Prozent der Patienten mit Long Covid zuvor beispielsweise an Atemwegserkrankungen oder Übergewicht.

"Diese Daten zeigen: Long-Covid-Patienten weisen häufiger als die Allgemeinbevölkerung Vorerkrankungen wie Atemwegserkrankungen, Bluthochdruck, Übergewicht und psychische Erkrankungen auf." Das ZI hat dem Bericht zufolge im kassenärztlichen Bereich 2021 rund 880.000 Fälle von Long-Covid registriert. Zwei Drittel der Patienten waren nach spätestens einem Quartal beschwerdefrei - nur ein Prozent der Fälle Verlauf komplex und langwierig.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Juli 2022 um 06:22 Uhr.