Eine Intensivpflegerin versorgt auf der Intensivstation einen an Covid-19 erkrankten Patienten. | dpa

Krankenhausgipfel Wie die Kliniken besser werden können

Stand: 21.06.2021 19:16 Uhr

Die Lehren aus der Corona-Pandemie waren das zentrale Thema des zweiten Krankenhausgipfels. Fehlendes Personal und mangelnde Versorgung in der Fläche gehörten zu den zentralen Problemen, so die einhellige Meinung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Ärzten und Pflegekräften in den Kliniken für ihren großen Einsatz in der Corona-Krise gedankt. Die Mitarbeiter der Krankenhäuser seien seit Monaten an Grenzen gegangen, sagte Merkel in einer Videobotschaft beim zweiten Krankenhausgipfel der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Merkel betonte, dass inzwischen die dritte Corona-Welle gebrochen sei. Immer mehr Krankenhäuser könnten wieder in einen regulären Betrieb gehen und auch aufgeschobene Operationen nachholen. Das Virus sei nicht aus der Welt. Es sei aber "eine große Erleichterung", dass man sich nicht mehr alleine auf die akute Krisenbewältigung konzentrieren müsse.

"Überversorgung vor allem im Ballungsraum"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte beim Krankenhausgipfel, die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie gut Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte über bisher bestehende Sektorengrenzen hinweg zusammenarbeiten könnten. Das Gesundheitswesen brauche mehr solche Vernetzungen.

Generell gebe es bei den Krankenhäusern in Deutschland viel Fehlversorgung. "Wir haben Überversorgung vor allem im Ballungsraum, und wir haben auch manche Unterversorgung." Nicht jedes Krankenhaus müsse alles machen, so Spahn. Vor Ort müsse eine Grundversorgung verfügbar sein und auch besser finanziert werden.

Als zentral bezeichnete der Minister eine angemessene Personalausstattung. Zwar seien mittlerweile Personalbemessungsverfahren auf den Weg gebracht. Er habe aber den Eindruck, dass bei Pflegekräften und potenziellen Pflegekräften immer noch nicht das Vertrauen bestehe, dass ein verlässlicher Rahmen für die kommenden Jahre geschaffen worden sei.

Lehren aus dem "Jahrhundertereignis" ziehen

Spahn plädierte dafür, das Thema Pandemie möglichst aus dem politischen Streit herauszuhalten. Angesichts der Entspannung in der Krise gelte es nun, zu einer "Phase des Aufarbeitens, nicht des politischen Abarbeitens" überzugehen. Es müssten mit Blick auf künftige Pandemien Lehren aus dem "Jahrhundertereignis" Covid gezogen werden, das zur größten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik geführt habe.

Auch nach Auffassung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) muss das Gesundheitswesen nach der Pandemie neu gedacht werden. Nur eine regionale Neuordnung der Krankenhauslandschaft könne eine hochwertige Versorgungsqualität sicherstellen, sagte der DKG-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß.

Plädoyer für flächendeckende Versorgung

"Da die Versorgung über niedergelassene Ärzte in dünner besiedelten Regionen immer schwieriger wird, bieten sich hier die Krankenhäuser als Anlaufstellen für die Gesundheitsversorgung an", sagte Gaß. "Schon heute versorgen die deutschen Krankenhäuser mit 20 Millionen Patientinnen und Patienten genauso viele Menschen ambulant wie stationär."

Gaß wies Vorwürfe zurück, die Krankenhäuser hätten aus finanziellen Gründen bei Angaben zu Betten für Covid-19-Behandlungen geschummelt. Der Bundesrechnungshof habe keine Belege für entsprechende Vorwürfe vorgelegt. Vielmehr hätten die die Kliniken die Infrastruktur zur Behandlung zahlreicher möglicher Covid-19-Patientinnen und -Patienten geschaffen.

Diese möglichen Intensivbetten seien nicht komplett gebraucht worden. Aber wenn es nötig gewesen wäre, hätten die Behandlungskapazitäten hochgefahren werden können. Insgesamt forderte Gaß einen Kurswechsel in der Krankenhauspolitik mit einer auskömmlicheren Finanzierung. Insbesondere in ländlichen Gebieten müssten Strukturen erhalten und auch ausreichend finanziell abgesichert werden

Als größte Herausforderung bezeichnete Gaß eine ausreichende Personalausstattung, um Pflegekräfte und Ärzte im Beruf zu halten und für den Beruf zu gewinnen. Deshalb müsse dringend eine gute Personalbemessung eingeführt werden. Zusätzlich müsse die Arbeit der Beschäftigten spürbar entbürokratisiert werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Juni 2021 um 17:00 Uhr.