Lars Klingbeil | dpa
Porträt

SPD-Generalsekretär Klingbeil Einer, der gewinnen kann

Stand: 04.11.2021 16:34 Uhr

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil könnte neuer SPD-Chef werden. Der 43-Jährige aus Niedersachsen gilt als Pragmatiker und krisenfest. Einer, der Wahlen gewinnen kann.

Lars Klingbeil gilt als ein Top-Favorit für die Nachfolge von Norbert Walter-Borjans an der SPD-Spitze, zumal der 43-Jährige auch für den vom scheidenden Parteichef geforderten Generationswechsel steht. In der Partei werden dem Noch-Generalsekretär beste Chancen eingeräumt. Im Fall einer Kandidatur kann er wohl klar mit seiner Wahl zum Vorsitzenden rechnen. Er selbst ist wohl auch nicht abgeneigt.

Ein pragmatischer Brückenbauer

Klingbeil gilt als Pragmatiker, der zum konservativen Seeheimer Kreis der SPD gehört. Zugleich wird er auch von Parteilinken als erfolgreicher Brückenbauer akzeptiert, mit Kevin Kühnert pflegt er ein enges Vertrauensverhältnis. 2017 wurde er vom damaligen SPD-Chef Martin Schulz als Generalsekretär vorgeschlagen - damals war er noch keine 40 Jahre, und die SPD hatte gerade das schlechteste Bundestagswahlergebnis ihrer Geschichte eingefahren. Klingbeil sollte eigentlich die Erneuerung der Partei in der Opposition organisieren. Doch es kam anders: Die Jamaika-Verhandlungen platzten, die SPD entschied sich unter Schmerzen, die GroKo wieder aufleben zu lassen. Rund zwei Monate nach Klingbeils Wahl zum Generalsekretär warf Schulz hin.

SPD-Chef Schulz und Generalsekretär Klingbeil. | dpa

Der damalige SPD-Chef Schulz nominierte Klingbeil als Generalsekretär (hier beim Bundesparteitag am 9.12.2017 in Berlin). Bild: dpa

Klingbeil blieb auf seinem Posten auch unter SPD-Chefin Andrea Nahles und deren Nachfolgern Saskia Esken und Walter-Borjans. Ihm wird auch eine maßgebliche Rolle dabei zugeschrieben, die nach dem Nahles-Rückzug und der quälenden Vorsitzenden-Suche zutiefst zerstrittene Partei wieder zu einen und das Willy-Brandt-Haus wieder zu einer schlagkräftigen Parteizentrale zu machen. Den Bundestagswahlkampf hat Klingbeil maßgeblich organisiert.

"Erfolgreiche SPD-Wahlkampagne"

"Als Generalsekretär geht die erfolgreiche SPD-Kampagne im Bundestagswahlkampf parteiintern auch in weiten Teilen mit Lars Klingbeil 'nach Hause', das allein verschafft ihm natürlich hohes Ansehen", sagt Politikwissenschaftler Thorsten Faas im Gespräch im tagesschau.de. Noch wichtiger sei aber, dass die Partei so geschlossen auftrat. "Dass es zwischen Partei, Fraktion und Regierung keine Friktionen gegeben hat - auch das ist ein großer Erfolg von Klingbeil gewesen." Genau diese Aspekte würden sich an der Parteispitze auszahlen und gebraucht werden.

Nach Einschätzung von Faas konnte die SPD-Kampagne nur deswegen so erfolgreich sein, "weil auch hier Partei und Kandidat gut zusammengearbeitet haben." Mit einem SPD-Chef Klingbeil käme Scholz wohl gut zurecht. "Das Verhältnis Scholz-Klingbeil würde sicherlich auch die Arbeit in der Regierung in keiner Weise belasten, im Gegenteil", so der Politikwissenschaftler von der FU Berlin.

Derzeit organisiert Klingbeil maßgeblich die Koalitionsverhandlungen mit Grünen und FDP.

Direktmandat in Niedersachsen

Der 43-Jährige hat sich als als netzpolitischer Sprecher und als Verteidigungspolitiker einen Namen gemacht. Manchen gilt er daher als Anwärter auf den Posten des Verteidigungsministers. Dagegen könnte aber der regionale Proporz sprechen. Klingbeil kommt aus Niedersachsen, sein Direktmandat im Wahlkreis Rotenburg I/Heidekreis gewann er zuletzt mit 47,6 Prozent der Stimmen. Und mit Hubertus Heil als möglicher Arbeitsminister wäre bereits ein Niedersachse im neuen Kabinett vertreten.

Klingbeil wurde in Soltau geboren und wuchs im benachbarten Munster auf, einer Kleinstadt mit einem der größten Bundeswehrstandorte Deutschlands. Sein Vater arbeitete als Berufssoldat, seine Mutter als Einzelhandelskauffrau. Klingbeil engagierte sich als Schülersprecher und trat 1996 in die SPD ein. Seinen Zivildienst absolvierte Klingbeil in der Bahnhofsmission Hannover. In der Stadt studierte er auch Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie. Nebenher arbeitete Klingbeil im Wahlkreisbüro des damaligen SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder und machte Kommunalpolitik. Nach mehreren USA-Aufenthalten und einem Nachrücker-Gastspiel 2005 sitzt Klingbeil seit 2009 für seine Heimatregion im Bundestag.

Im Duo mit Esken?

Als die SPD nach dem Rückzug von Nahles im Herbst 2019 neue Parteivorsitzende suchte, war Klingbeil nicht angetreten. Er begründete dies seinerzeit damit, dass er nicht die passende Frau für eine gemeinsame Kandidatur für die damals eingeführte Doppelspitze gefunden habe. Er soll auf eine Kandidatur von Manuela Schwesig gehofft haben. Sie führte die Partei damals kommissarisch, wollte aber nicht dauerhaft SPD-Chefin werden. Und auch jetzt sieht es nicht danach aus, als ob die populäre Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern nach Berlin wechseln wollte.

Eher dürfte es auf ein Duo Klingbeil/Esken hinauslaufen. Die 60-Jährige möchte an der SPD-Spitze bleiben. Am Montag will die SPD Klarheit über die künftige Führung schaffen - und wie der Weg dorthin sein soll.

Mit Informationen von Reuters, AFP

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 03. November 2021 um 09:34 Uhr.