Ein fünfjähriger Junge sitzt an einem roten Tisch und zählt sein gespartes Taschengeld | dpa

Finanzielle Entlastungen gefordert Familienministerin befürchtet mehr Kinderarmut

Stand: 18.08.2022 07:26 Uhr

Die Preise für Energie und Lebensmittel steigen weiter, ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht. Angesichts dessen fordert Familienministerin Paus, Familien mit Kindern finanziell zu entlasten.

Bundesfamilienministerin Lisa Paus befürchtet wegen der drastischen Preissteigerungen wachsende Kinderarmut in Deutschland. Die Gefahr sei groß, sagte Paus dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Weitere Entlastungen müssten genau diejenigen erreichen, die sie am meisten bräuchten, so die Grünen-Politikerin: "Es geht inzwischen um die Existenz. Viele Menschen, darunter gerade Familien mit Kindern, stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand."

Paus sprach sich für eine deutliche Erhöhung des Kindergeldes aus. "Die Kindergelderhöhung, die der Bundesfinanzminister bislang in Aussicht stellt, reicht nicht, um die allgemeine Inflation auszugleichen", sagte Paus. "Da müssen wir nachbessern."

Zusätzlich müsse die Kindergelderhöhung in ein Gesamtkonzept eingebettet sein, so dass Familien auch an anderer Stelle Unterstützung bekommen. Sie würden von höheren Heizkosten, höheren Preisen für Mobilität und steigenden Lebensmittelpreisen besonders hart getroffen.

Warnungen vor hohen Kosten für junge Menschen

Zugleich warnten Vertreterinnen der Jugendorganisation der SPD, dass die hohen Energiekosten auch junge Leute und selbst Menschen mit mittleren Einkommen in eine "Armutsspirale" treiben könnten. Juso-Chefin Jessica Rosenthal und ihre Vize Manon Luther forderten in der "Rheinischen Post" und in den Zeitungen der Funke Mediengruppe einen Gaspreisdeckel.

Dagegen hält der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, ein Jugendenergiegeld von 500 Euro mindestens bis Ende des Jahres für das richtige Mittel, um junge Menschen in der derzeitigen Situation zu entlasten. Es brauche eine Lösung, "die gleichermaßen Studenten und Azubis unbürokratisch und ohne Unterscheidung der Art der Ausbildung hilft", sagte er den Funke-Zeitungen. Die beschlossene Gasumlage belaste diese Gruppen besonders stark.

Die Bundesregierung wollte verhindern, die Mehrwertsteuer auf die Gasumlage erheben zu müssen. Die EU-Kommission hatte einen entsprechenden Antrag aus rechtlichen Gründen aber abgelehnt. Nach Ansicht des Vizepräsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Stefan Kooths, sollte die Bundesregierung die Mehrwertsteuer für gezielte Entlastungen nutzen. "Es ist besser, die Mehrwertsteuer auf die Gasumlage zu vereinnahmen und die daraus entstehenden Mittel für die zielgenaue Abfederung sozialer Härten einzusetzen", sagte der Ökonom der "Rheinischen Post".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau im ARD-Morgenmagazin am 18. August 2022 um 05:30 Uhr.