Januar 2015: Katja Suding steht vor Wahlplakaten in Hamburg | dpa

Politik-Aussteigerin Suding "Ich bereue nichts"

Stand: 29.06.2021 09:59 Uhr

Wahlerfolge in Hamburg, Einzug in den Bundestag, FDP-Vize: Katja Suding hat eine kurze steile politische Karriere hingelegt. Jetzt steigt sie aus. Warum?

Von Markus Sambale, ARD-Hauptstadtstudio

Freundlich, nüchtern, jedes Wort wägend - so spricht Katja Suding über ihren Abschied aus der Politik: "Ich bereue nichts. Und es wird einfach weitergehen. Nur anders."

Markus Sambale ARD-Hauptstadtstudio

Die 45-Jährige blickt in ihrem Berliner Abgeordnetenbüro auf ihre Karriere in der FDP - und wirkt mit sich im Reinen. Sie wollte immer selbstbestimmt in die Politik und auch selbstbestimmt wieder raus. Berufspolitik sieht sie als als Aufgabe auf Zeit, nicht als Traumjob. 

Es begann 2011 in Hamburg

Sudings Lebensabschnitt in der Politik begann vor rund zehn Jahren im Norden. "Die FDP hat in Hamburg einen Neustart gemacht. Die Stimmung ist gut", sagte sie nach dem erfolgreichen Wiedereinzug der FDP in die Hamburgische Bürgerschaft 2011.

Suding sorgte damals auch bundesweit für Aufsehen, nicht nur in Hamburg als liberale Spitzenkandidatin im Friesennerz auf den Wahlplakaten. Aus Berlin kam viel Lob vom damaligen Parteichef Guido Westerwelle: "Vor allen Dingen merkt man, dass eine neue sehr frische Mannschaft in Hamburg mit Frau Suding an der Spitze auch Hamburg aufmischt", so Westerwelle im Februar 2011.

Für Suding ging es dann steil nach oben: 2015 wurde sie Vizechefin der Bundes-FDP. 2017 zog sie in den Bundestag ein, und freute sich riesig.

Ich bin unglaublich gespannt auf das, was jetzt kommen wird in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren.
Katja Suding | picture alliance / Geisler-Fotop

Nach einer Legislaturperiode im Bundestag macht Katja Suding Schluss mit der Politik. Bild: picture alliance / Geisler-Fotop

Vier Jahre Bundestag sind ihr genug

Es sollten vier Jahre werden - nur vier Jahre. Für andere scheint Macht eine Droge zu sein, für Suding ist nach einer Wahlperiode wieder Schluss. Es sei eine wunderschöne, aber harte Zeit gewesen. Eine Zeit, in der Suding für ihr Herzensthema - die Digitale Bildung - gekämpft hat. Die FDP-Politikerin erzählt von "freundschaftlichen Begegnungen", auch über Parteigrenzen hinweg.

Nur nicht mit der AfD. Empört berichtet Suding von frauenfeindlichen und rassistischen Kommentaren, die aus der AfD-Fraktion gekommen seien, auch in laufenden Bundestagssitzungen:

Da ist viel Häme, viel Abwertung des politischen Gegners dabei.  Dinge, die man aus anderen Fraktionen bei allen politischen Unterschieden, die ja auch sein dürfen und sein müssen, niemals hören würde.

Wunsch nach mehr Selbstbestimmung

Solche Vorfälle wird Suding sicher nicht vermissen. Und längst schaut sie auch nach vorn, auf ihr Leben nach der Politik. Sie wolle nochmal etwas ganz anderes tun, etwas mit ein "bisschen mehr Selbstbestimmung, ein bisschen mehr Eigenständigkeit".

Das Rampenlicht scheint für Suding nicht das Wichtigste zu sein. Bei ihrer eigenen Verabschiedung auf dem FDP-Bundesparteitag im Mai war sie nicht anwesend. Die Würdigung von Parteichef Christian Lindner verfolgte sie via Livestream.

Hier vorne dieser Platz, das wäre eigentlich der von Katja Suding gewesen. Aber, es ist kein Scherz, sie hat mir heute früh geschrieben, dass ihr ICE leider ausgefallen sei.
Christian Lindner, Katja Suding, Wolfgang Kubicki (v.l.n.r.)

Die Männerdominanz in der FDP sei nicht der Grund für ihren Rückzug, sagt Suding. Das Foto zeigt sie 2015 mit Parteichef Lindner und Vize Kubicki.

Lindner zitierte auch ein liberales Credo, wonach jeder Mensch Pilotin oder Pilot des eigenen Lebens sein solle, und nicht Passagier. Das haben sie ernst genommen, so Suding. Und sie versichert, die Männerdominanz in der FDP sei nicht der Grund für den Rückzug. Überhaupt verliert Suding öffentlich kein schlechtes Wort:

Natürlich ist das ein Abgang, wie ich ihn mir auch gewünscht habe oder mir irgendwie vorgestellt habe. Und ich bin froh und dankbar, dass das so gelungen ist und gehe einfach im kompletten Frieden.

Was sie konkret ab Herbst machen wird, sagt Suding nicht. Es wird eben einfach weitergehen. Nur anders.

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Tschüss, Bundestag

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Juli 2021 um 15:07 Uhr.