Tilman Kuban und Johannes Winkel | picture alliance/dpa

JU-Chef Kuban hört auf Die jüngere Union

Stand: 18.11.2022 14:27 Uhr

Mit 35 ist Schluss bei der Jungen Union - zu alt. Der Vorsitzende Tilman Kuban gibt sein Amt ab, der Nachwuchs der Union stellt sich neu auf. Wer könnte folgen - und was heißt das für CDU-Chef Merz?

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist ein gutes Jahr her, dass Friedrich Merz sich auf dem Deutschlandtag der Jungen Union als Reinigungsfachkraft outete. "Junge Besen kehren gut, aber die alte Bürste kennt die Ecken", bemühte er im Oktober 2021 vor dem Parteinachwuchs eine etwas angestaubte Redewendung. Merz, der Eckenkenner, ließ die jungen Besen der Union wissen, dass die CDU ein gemischtes Team braucht, um die Partei nach der verlorenen Bundestagswahl zukunftsfähig zu machen.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Einige Monate und eine Parteivorsitzendenwahl später übernahm die selbsternannte alte Bürste die Parteispitze. In den Gremien kam es zum Großreinemachen: Aus der Jungen Union zogen sechs Mitglieder in den Bundesvorstand, die 33-jährige Ronja Kemmer sitzt im Präsidium. So weit, so neu.

Deutschlandtag der Jungen Union

Die Junge Union (JU) kommt in Fulda zu ihrem Deutschlandtag - das ist quasi der Parteitag des Unions-Nachwuchs' - zusammen. Unter dem Motto "Gemeinsam. Mutig. Voran." diskutieren mehr als 1000 Delegierte und Gäste drei Tage lang über Zukunftsperspektiven ihrer Partei. Für den Abend steht die Neuwahl des JU-Bundesvorstands auf dem Programm. JU-Chef Tilman Kuban tritt nach dreieinhalb Jahren nicht mehr an; er ist inzwischen 35 und hat damit die JU-Altersgrenze erreicht. Vorherige JU-Chefs waren Philipp Mißfelder und Paul Ziemiak.

Junge Leute wählen Grüne oder FDP

Aber die Probleme der CDU sind damit längst nicht gelöst. Die Partei muss die Frage beantworten, wie sie die junge Generation von ihrer Politik überzeugen will. Bei der Bundestagswahl waren schließlich 66 Prozent der CDU-Wähler und Wählerinnen über 60 Jahre alt. Junge Leute wählten vor allem Grüne oder FDP.  

Merz will die Junge Union stärker in die Verantwortung nehmen. Sie soll sich weniger mit sich selbst beschäftigen, sondern die Themen der jungen Generation besetzen.

Friedrich Merz (l, CDU), Vizepräsident des Wirtschaftsrats, und Tilman Kuban, Bundesvorsitzender der Jungen Union Deutschland, trinken nach der Rede von Merz beim Deutschlandtag der Jungen Union auf der Bühne zusammen Bier.  | dpa

Friedrich Merz war schon vor seinem Comeback an der CDU-Spitze ein gern gesehener Gast bei der Jungen Union. Das Foto zeigt ihn mit JU-Chef Kuban im Herbst 2019. Bild: dpa

Das einst innige Verhältnis zwischen der JU und dem CDU-Chef ist abgekühlt. Merz ist enttäuscht und vermisst mehr Engagement, und die Junge Union mit ihrem Vorsitzenden Tilman Kuban erkennt ihren alten Friedrich nicht mehr, seitdem der für die Frauenquote in der Partei votierte.

Merz setzt auf Personalwechsel

Nun wählt die JU eine neue Spitze, und der Personalwechsel könnte eine Zäsur sein. Merz setzt auf Johannes Winkel, der für den Bundesvorsitz der Jungen Union kandidiert und von dem er sich erhofft, dass er sich stärker einbringt. Dass Winkel durchaus Inhalte in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt, hat er in Nordrhein-Westfalen gezeigt und das Thema Bildung als das wichtigste Thema für eine Jugendorganisation ausgemacht.

Johannes Winkel, 31, aus Südwestfalen, will den Chefposten von Kuban übernehmen. Kuban muss den Posten altersbedingt abgeben, er ist 35. In den vergangenen Jahren hat er einiges daran gesetzt, die Junge Union zu modernisieren, durchaus mit Erfolg. So sind heute mehr Frauen dabei, auch wenn sie noch immer in der Minderheit sind, aber immerhin.

Nur am äußeren Erscheinungsbild ändert sich nichts. Und auch Selfies mit Sneakern und der Verzicht auf Schlips und Sakko reichen nicht, um junge Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Das Image altbacken und spießig zu sein, lässt sich nur schwer aufpolieren. Philipp Amthor und auch Kuban verkörpern dieses Klischee.

Winkel ist anders. Er könnte - optisch zumindest - auch aus dem FDP-Nachwuchspool stammen. Auch sein Auftreten ist anders. Kuban poltert gerne im Söder-Stil, Winkel ist sehr viel ruhiger, gilt als progressiver und könnte schon deshalb eher die Erwartungen von Merz erfüllen und sich um die Themen für die junge Generation kümmern: Klimaschutz, demografischer Wandel, Generationengerechtigkeit.

Die CDU arbeitet an einem neuen Grundsatzprogramm und der Parteinachwuchs soll sich einbringen. Merz hat zwar die Ecken ausgemacht, aber für eine moderne CDU steht der Vorsitzende Merz nicht. Er braucht die Jungen aus der Partei - auch, um mal durchzufegen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 18. November 2022 um 08:21 Uhr.