Tilman Kuban | dpa
Analyse

Deutschlandtag der JU Bühne frei für den Machtkampf

Stand: 15.10.2021 17:48 Uhr

Es sollte ein Scherbengericht werden - doch jetzt ist es ein Schaulaufen der Anwärter auf den Parteivorsitz. Beim Deutschlandtag der JU geht es für die CDU um die Zukunft der Partei.

Eine Analyse von Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Diesen Deutschlandtag hat sich Tilman Kuban sicher anders vorgestellt. Auf ein Scherbengericht war die Junge Union eingestellt, auf ein Schaulaufen eher nicht. Armin Laschets angekündigter Rückzug platzte mitten in die Planung der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU für den Deutschlandtag. Seitdem wurde die Tagesplanung ständig aktualisiert, auch weil plötzlich alle Aspiranten auf den Parteivorsitz reden wollten. Es wurde zum Parteitag der Grußworte.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Das Karussell der Anwärter dreht sich munter. Wer sollte wann, vor oder nach wem reden, vor der tagesschau oder danach? Tilman Kuban jonglierte die Zeiten von Freitag bis Sonntag, bis alle zufrieden waren, außer Markus Söder. Der hatte abgesagt.

Lob zurück

Termine an der eignen Basis sind ihm wichtiger. Begeistert dürften sie darüber in der JU kaum sein. Schließlich hatten sie sich im April, beim parteiinternen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur mehrheitlich hinter Söder gestellt.

Am Wochenende lobte Söder dafür zurück, machte Tilman Kuban beim JU-Tag in Bayern ein Kompliment auf offener Bühne. "Tilman, ich spreche dich jetzt mal stellvertretend an für die ganze CDU", sagte er: "Du bist für mich heute quasi der CDU-Vorsitzende."

Verhältnis der Parteischwestern glätten

Zum Deutschlandtag wollte Söder ursprünglich auch kommen - zum Scherbengericht, zur Analyse des Wahldebakels dann aber offenbar doch lieber nicht. Da hätte auch Söder einstecken müssen, wegen seiner ständigen Seitenhiebe gegen Laschet. Söders Absage bedauerte Kuban in der "Rheinischen Post" auch vor dem Hintergrund, dass man eben Söder im April unterstützt hätte. "Von daher wäre es richtig gewesen, wenn er sich bei der gemeinsamen Jugendorganisation von CDU und CSU der Diskussion über die Gründe für den schlechten Wahlausgang bei der Bundestagswahl und die Differenzen im Umgang zwischen den beiden Parteien gestellt hätte."

Dabei sagte der JU-Chef aber auch. Man müsse das Verhältnis der Parteischwestern wieder glätten. Ein Unionsrat soll dabei helfen, zwischen CDU und CSU zu vermitteln. Doch vor dem Versöhnen steht erstmal die Nachlese und die Neuaufstellung. Dabei braucht die CDU die CSU gerade nicht. Das muss die große Schwester mit sich selbst ausmachen. Ein Team ist gewünscht. Es ist aber eher unwahrscheinlich.

Sehr viel wahrscheinlicher ist ein Machtkampf auf offener Bühne. Das dürfte dem JU-Chef nicht fremd sein und vielleicht sogar genau nach seinem Geschmack. So ist Kuban vor zwei Jahren schließlich selbst ins Amt gekommen - mit einer furiosen Rede auf dem Deutschlandtag in Berlin.

2019 setzte sich Kuban gegen den Favoriten der Parteispitze durch. Damals gegen den Wunschkandidaten der gerade frisch gewählten CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Seitdem ist so viel passiert, dass es sich für CDU-Verhältnisse wie zwei Jahrzehnte Geschichte anfühlt. Zwei Parteivorsitzende hat die Partei in nicht einmal zwei Jahren zerschlissen. Das gab es in der CDU noch nie. Und jetzt stehen wieder die auf dem Tableau, die es schon einmal versucht haben.

Das Anwärterkarussell dreht sich

Friedrich Merz, Norbert Röttgen, Jens Spahn und - neu im möglichen Anwärterkarussell - Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus und der Chef der Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann. Fünf Männer aus Nordrhein-Westfalen. Die Hausmacht der CDU dominiert mal wieder die Personaldebatten und strapaziert dabei auch die Nerven der anderen Landesverbände. Zu viel NRW, zu wenig Frauen, zu wenig Osten, keine wirklich neuen Gesichter hört man von der Basis.

Das dürfte auch der Parteijugend wenig gefallen. Wiebke Winter aus dem Bundesvorstand der CDU und der Jungen Union etwa sagte zuletzt in einem Interview mit der ARD: "Ich wünsche, dass wir gerade wenn wir über die personelle Neuaufstellung sprechen der CDU, dass wir jünger werden, weiblicher. Dass wir noch mehr junge Menschen ansprechen als CDU."

Die Parteijugend will sich jetzt gern einmal schütteln, gern auch heftig und dann so schnell wie möglich nach vorn schauen. Mehr Debattenkultur, mehr klare Inhalte und beim künftigen Parteivorsitzenden keine Entscheidung gegen die Basis. Kuban will eine Mitgliederbefragung. So hätte es auch die Parteijugend von CDU und CSU gern. Nach dem Motto: "Möge der Bessere gewinnen." Und mit der klaren Ansage. "Möge die Parteispitze das Ergebnis der Befragung dann auch akzeptieren."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Oktober 2021 um 16:00 Uhr und 17:00 Uhr.