Corona-Schnelltests | dpa

Beschluss der Gesundheitsminister Kritik an Wegfall von Isolationspflicht

Stand: 05.04.2022 11:41 Uhr

Wer positiv auf Corona getestet wird, muss bislang einige Tage zu Hause bleiben. Aus diesem "muss" wird ab 1. Mai ein "sollte". Aus der Union heißt es, das laufe "auf eine Durchseuchung" hinaus. Kritik kommt auch von Patientenschützern.

Dass sich Corona-Infizierte und Kontaktpersonen ab 1. Mai nicht mehr verpflichtend in Isolation beziehungsweise Quarantäne begeben müssen, stößt auf Kritik. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sieht dadurch große Gefahren für besonders gefährdete Menschen.

"Zwiespältiger könnte die Nachricht der Gesundheitsminister kaum sein", sagte er. "Auf der einen Seite die Mahnung vor dem Virus. Auf der anderen Seite die Verharmlosung der Infektion, die ansteckender ist denn je." Für die Hochrisikogruppen, die "mitten unter uns" leben, "wird es immer gefährlicher". Als Hochrisikogruppen gelten zum Beispiel Menschen, die sehr alt sind oder an einer Vorerkrankung leiden und bei denen eine Impfung nicht mehr gut anschlägt oder aus medizinischen Gründen nicht möglich ist.

"Zu Hause aussitzen, anstatt mehr Menschen anzustecken"

Auch der Epidemiologe Hajo Zeeb forderte, dass zumindest für Infizierte die Pflicht zur Isolation beibehalten wird. "Wenn eine Person Symptome aufweist, dann sollte sie zu Hause die Corona-Infektion aussitzen, anstatt noch mehr Menschen anzustecken", sagte Zeeb dem dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Gerade bei der Omikron-Variante bestehe die Gefahr einer sehr schnellen Weitergabe des Virus. Eine Isolationspflicht von fünf Tagen sollte daher unbedingt eingehalten werden.

Eine Quarantänepflicht für Kontaktpersonen - also etwa Menschen, die mit einem Infizierten im selben Haushalt wohnen, selbst aber nicht positiv getestet wurden - hält Zeeb hingegen nicht mehr für notwendig.

Union: "Läuft auf Durchseuchung der Bevölkerung hinaus"

Deutliche Kritik kommt auch aus der Union. Der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger sagte im Bayerischen Rundfunk, er halte diese Lockerung "für reichlich absurd". Es sei "nicht sinnvoll, dass Menschen, die sich infiziert haben (...), draußen noch rumrennen und andere infizieren".

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei, sagte, die Kombination aus dem Wegfall der Isolationspflicht und der kürzlich erfolgten Lockerung anderer Corona-Regeln laufe "im Klartext (...) auf eine Durchseuchung der Bevölkerung hinaus". Denn es würden "im Grunde alle Schutzvorkehrungen" weggenommen.

Frei sagte, die in der Vergangenheit erfolgten Verkürzungen der Quarantäne- und Isolationszeiten seien nachvollziehbar gewesen. Hier sei es etwa um die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur gegangen. Es solle "keine übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen" geben; auch ein Freitesten aus der Isolation müsse immer möglich sein. Wenn aber jemand einen positiven Test habe, sei es "wirklich inakzeptabel", auf eine freiwillige Isolation zu setzen, sagte der CDU-Politiker. "Es geht ja um den Schutz der anderen" vor einer Ansteckung. Insgesamt sei er daher zu dem Vorstoß der Gesundheitsminister "sehr, sehr skeptisch".

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern - darunter auch diejenigen aus der Union - hatten sich gestern darauf verständigt, dass Corona-Infizierte und Kontaktpersonen ab 1. Mai in der Regel nur noch freiwillig und für kürzere Zeit in Isolierung oder Quarantäne müssen. Infizierten wird demnach künftig nur noch "dringend empfohlen", sich für fünf Tage zu isolieren und Kontakte zu meiden - für Kontaktpersonen von Infizierten soll es entsprechend gelten. Eine Anordnung des Gesundheitsamts fällt weg. Strengere Vorgaben sollen aber noch für Beschäftigte in Gesundheitswesen und Pflege bleiben, die sich infiziert haben.

"Dauerhaft nicht notwendig"

Mit den Lockerungen bei den Quarantäneregeln sollen auch massenhafte Personalausfälle bei hohen Infektionszahlen vermieden werden. Sie gehen auf einen Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert Koch-Instituts (RKI) zurück. Bisher dauern die Absonderungen in der Regel zehn Tage und können mit einem negativen Test nach sieben Tagen beendet werden. Eine formelle Anordnung des Gesundheitsamtes erfolgt häufig jetzt schon nicht mehr.

"Die jetzige Regelung funktioniert zwar, ist aber dauerhaft nicht notwendig", sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD), erklärte nach der Video-Schalte mit ihren Kolleginen und Kollegen: "Den geplanten Strategiewechsel der Quarantäne- und Isolationsregelungen hin zu mehr Eigenverantwortung halten wir für vertretbar." In der aktuellen Phase der Pandemie komme es "mehr als zuvor auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen an, sich selbst und andere vor einer Ansteckung zu schützen".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. April 2022 um 09:00 Uhr.