Angela Merkel | AP

Einigung von Bund und Ländern Hausärzte steigen in die Impfkampagne ein

Stand: 19.03.2021 20:27 Uhr

Die Hausärzte in Deutschland sollen unmittelbar nach Ostern die Impfkampagne verstärken. Dafür sollen sie schrittweise mit Impfstoff versorgt werden. Zusätzliche Dosen sollen zudem an Hotspots in Grenzregionen gehen.

Die Hausärzte in Deutschland sollen unmittelbar nach Ostern schrittweise mit Impfstoffen beliefert werden und so routinemäßig in die Impfkampagne einsteigen. Ziel sei es, "schneller und flexibler" zu werden, sagte Kanzlerin Angela Merkel nach den Beratungen von Bund und Ländern beim sogenannten Impfgipfel. "Die Devise lautet: Impfen, Impfen, Impfen", sagte die Kanzlerin.

Merkel betonte, es gehe um eine schnellstmögliche Kombination der weiterhin wichtigen Impfzentren der Länder und einer schrittweise stärkeren Einbeziehung der Praxen. Dabei dürfe zu keiner Sekunde aus den Augen verloren werden, besonders Schutzbedürftigen auch weiterhin diesen Schutz zu geben, machte die Kanzlerin mit Blick auf die Priorisierung bei Impfungen deutlich.

Merkel bleibt bei Impfversprechen

In der ersten Wochen stehen den Hausärzten allerdings nur rund eine Million Dosen zur Verfügung - aufgeteilt auf rund 50.000 Hausarztpraxen in Deutschland wären das etwa 20 Impfdosen pro Praxis und Woche, so Merkel. Daher sollen die Impfungen auf diesem Weg zunächst auf besonders vulnerable Patientinnen und Patienten beschränkt bleiben. In einigen Bundesländern sind bereits jetzt in ausgewählten Arztpraxen Impfungen möglich. Hier werden etwa Krebspatienten und andere Risikogruppen versorgt.

Zunehmend dürften Hausärzte dann mehr Impfdosen bekommen als die Impfzentren. In der 14. Kalenderwoche - die am 05. April mit Ostermontag beginnt - sollen die Zentren demnach 2,25 Millionen Dosen und die Praxen knapp 998.000 erhalten. In der 17. Kalenderwoche ab dem 26. April soll diese Menge 3,17 Millionen Dosen erreichen, wie aus dem Beschlusspapier hervorgeht.

Darin wird auch eine "Opt-out"-Option für Bundesländer festgehalten. Sollten sie keine Impfungen in Hausarztpraxen wünschen, würden die Apotheken nicht mit den dafür vorgesehenen Impfdosen versorgt. Diese Länder erhalten im April jedoch wie bisher ihren jeweiligen bevölkerungsbezogenen Anteil an Impfstoffen.

Die Kanzlerin blieb bei ihrer früheren Prognose, dass jedem Bundesbürger bis Ende des Sommers ein Impfangebot gemacht werden kann.

Hausärzte kritisieren geplanten Impfstart als zu spät

Der Hausärzteverband kritisierte den geplanten Startterminen in den Praxen als zu spät. Es sei unerklärlich, warum Hausärzte "erst irgendwann im April einsteigen und dann auch nur übrig gebliebenen Impfstoff verimpfen sollen", sagt der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, der Funke Mediengruppe. "Wir stehen zum Impfen bereit - und wollen keine Resterampe werden."

Impfdosen für Grenzregionen, Vertrauen in AstraZeneca

Zusätzliche Impfstoff-Dosen sollen zudem fünf Bundesländer zum Schutz vor der Verbreitung mutierter Virusvarianten aus den Nachbarländern bekommen. Dies betrifft das Saarland und Rheinland-Pfalz wegen ihrer Grenze zu Frankreich, die an Tschechien angrenzenden Länder Bayern und Sachsen sowie das grenznahe Thüringen. Hintergrund für diese Entscheidung sind die angekündigten zusätzlichen Lieferungen des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer in den nächsten Wochen.

Angesichts der wiederaufgenommenen Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin nach dem vorübergehenden Stopp warb die Kanzlerin um Vertrauen für das Mittel. "Ja, ich würde mich mit AstraZeneca impfen lassen", sagte Merkel. Wenn sie gemäß der Impfpriorisierung an der Reihe sei, würde sie dies "auf jeden Fall tun". Zugleich verteidigte die Kanzlerin die Entscheidung, dass die AstraZeneca-Impfungen am Montag nach Berichten über das Auftreten von Blutgerinnseln bei Geimpften in Deutschland wie in einigen anderen europäischen Ländern auch ausgesetzt worden waren. "Ich bezweifele, dass ein großer Schaden entstand ist", antwortete die CDU-Politikerin auf eine entsprechende Nachfrage. Es sei "richtig, dass wir absolute Transparenz haben walten lassen".

Ähnlich wie zuvor schon Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach sich auch Merkel außerdem für den Einsatz des russischen Impfstoffs Sputnik V aus, wenn dieser eine Zulassung in der EU erhalte. Sollte die EU dann keine Bestellungen aufgeben - wofür es keine Anzeichen gebe - werde dies Deutschland auch alleine tun, sagte Merkel. Spahn hatte davon gesprochen, dass schon bald erste Verträge geschlossen werden könnten.

"Werden Notbremse ziehen müssen"

Angesichts des Infektionsgeschehens in Deutschland hält Merkel die Rücknahme von Öffnungen unumgänglich. "Wir sehen, dass die Situation sich sehr schwierig entwickelt", sagt sie. Dafür habe man die Rücknahme von Öffnungen bei einer Inzidenz von über 100 vereinbart. "Wir werden leider auch von dieser Notbremse Gebrauch machen müssen." Sie hätte sich gewünscht, dass dies nicht nötig werde. "Aber das wird nicht möglich sein", betont sie mit Blick auf das Bund-Länder-Treffen am Montag.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht die Zahl Corona-Fälle exponentiell wachsen. Es sei sehr gut möglich, dass die Lage um Ostern ähnlich sei wie vor Weihnachten mit sehr hohen Fallzahlen und vielen Corona-Patienten in den Krankenhäusern, sagte RKI-Vize-Präsident Lars Schaade. "Verbringen Sie die Ostertage nur im engsten Kreis", appellierte er an die Bevölkerung und forderte einen Verzicht auf Reisen. "Es stehen uns schwere Wochen bevor."

Erste Länder gingen angesichts dieser Entwicklungen bereits voran. So sollen in Hamburg ab Samstag Öffnungen wieder rückgängig gemacht werden, die erst Anfang vergangener Woche ermöglicht worden waren. In der Hansestand liegt die Sieben-Tage-Inzidenz seit mehreren Tagen über der 100er-Marke.

Der Impfgipfel hatte ursprünglich am Mittwoch stattfinden sollen, war dann aber wegen der zwischenzeitlichen Aussetzung von Impfungen mit dem Präparat von AstraZeneca auf heute verschoben worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. März 2021 um 20:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Prostituierte 20.03.2021 • 00:08 Uhr

@ asimo

Nachtrag: die RNA wird bakteriell produziert, nicht per PCR. Sie wird nicht wirklich bakteriell produziert, aber natürlich erst recht nicht mit einer PCR. Das wäre mit einer Kettenreaktion durch eine Polymerase sicher nicht möglich.