Im Rahmen einer Sonderimpfaktion wird am Heiligen Abend in der Vorhalle des Frankfurter Doms gegen Covid-19 geimpft.  | dpa

Aktionen in vielen Städten Impfen ohne Weihnachtspause

Stand: 24.12.2021 17:20 Uhr

30 Millionen Impfungen bis Jahresende hat die Bundesregierung als Ziel ausgegeben. Die Zeit läuft - auch über die Feiertage wird in Kirchen, Hotels oder Impfzentren geimpft. Am Tag vor Heiligabend waren es 710.000 Impfungen.

Die Impfkampagne in Deutschland soll auch über die Feiertage auf hohem Niveau bleiben. Anders ist auch das selbstgesteckte Ziel der Bundesregierung von 30 Millionen Corona-Impfungen seit Mitte November bis Jahresende auch nicht zu schaffen. Die Zeit läuft. Bis Mittwoch waren es mehr als 28 Millionen, sagte Deutschlands Corona-General Carsten Breuer. "Wir sind knapp vor dem eigentlichen Ziel."

Allein am Tag vor Heiligabend wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) 710.000 Impfungen verabreicht, davon waren 561.000 Booster-Impfungen zum Auffrischen des Impfschutzes. Der bisherige Rekord war am 15. Dezember mit insgesamt 1,6 Millionen Dosen erzielt worden.

Impfen und Beten

Selbst am Heiligabend gab es vielerorts Impfaktionen. In etlichen Städten wurden die Impfzentren stundenweise geöffnet, wie etwa in Offenbach und Kassel. Im Frankfurter Dom ließen sich 120 Menschen impfen, auch im Kölner Dom wurde geimpft. Schon am Morgen bildete sich eine kleine Schlange, die nach und nach immer länger wurde. "Wir gehen davon aus, dass wir vier- bis fünfhundert Impfdosen verabreichen können", sagte ein Domsprecher. "Die Menschen stehen schon um den halben Dom herum."

Menschen stehen bei einer Impfaktion zu Weihnachten vor dem Kölner Dom in einer Warteschlange | dpa

Menschen stehen bei einer Impfaktion zu Weihnachten vor dem Kölner Dom in einer Warteschlange Bild: dpa

Impfmarathon in Duisburg

In einem Hotel am Duisburger Hauptbahnhof lud ein Arzt zum 81-stündigen Impfmarathon. Dafür habe er rund 15 Mitarbeiter engagiert und mehrere Tausend Impfdosen verschiedener Hersteller - auch Kinderimpfstoff - bestellt, sagte der Neurologe Ahmad-Mujtaba Mostakiem der dpa. Geimpft werden soll rund um die Uhr. Die Aktion läuft bis zum 27. Dezember um 18 Uhr.

Mindestens 58,9 Millionen Menschen sind laut RKI bisher zweifach geimpft oder haben die Einmalimpfung von Johnson & Johnson erhalten. Das sind 70,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mindestens 29,8 Millionen Menschen haben auch schon eine Drittimpfung erhalten.

Auf dem RKI-Dashboard wird darauf hingewiesen, dass die Impfquoten als Mindestimpfquoten zu verstehen sind, "da eine hundertprozentige Erfassung durch das Meldesystem nicht erreicht werden kann". Das RKI geht davon aus, dass die tatsächliche Impfquote bis zu fünf Prozentpunkte höher liegt.

30 Millionen weitere Impfungen bis Ende Januar

Die Bundesregierung will das Impftempo auch im neuen Jahr hochhalten. Bis zum 7. Januar will Kanzler Olaf Scholz eine Corona-Impfquote von 80 Prozent in Deutschland erreichen. Das Ziel bezieht sich auf die Erstimpfungen. An diesem Tag will er das nächste Mal mit den Ministerpräsidenten der Länder über die Bekämpfung der Corona-Pandemie beraten. Bis Ende Januar strebt Scholz 30 Millionen weitere Auffrischungsimpfungen an.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer geht davon aus, dass die einrichtungsbezogene Impfpflicht, das Angebot eines weiteren Vakzins (Novavax) sowie Appelle die Impfquote noch deutlich steigern werden. Dreyer appellierte erneut an Impfskeptiker, sich auch mit dem Blick auf die Gemeinschaft noch einmal intensiv mit der Frage auseinander zu setzen. "Zehn Millionen ungeimpfte Menschen in Deutschland, das ist einfach ein zu großes Risiko für die gesamte Gesellschaft", sagte die SPD-Politikerin auch mit Blick auf die hochansteckende Omikron-Variante.

Debatte um Impfpflicht

Auch die Debatte über eine allgemeine Impfpflicht dürfte an Fahrt gewinnen. Der Ethikrat hatte jüngst dafür plädiert, aber unter Auflagen und auch nicht einstimmig. RKI-Chef Lothar Wieler rät dringend zum Impfen, äußerte aber Bedenken, was eine Impfpflicht angeht. "Grundsätzlich bin ich kein Freund der Impfpflicht", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Man könne auch nicht annehmen, "dass sich dann auch jeder impfen lässt", sagte er. Klar sei aber auch, dass die weiterhin hohe Anzahl an ungeimpften Erwachsenen ein Problem sei.

Der Bundestag wird voraussichtlich im Januar oder Februar über eine allgemeine Impfpflicht abstimmen - ohne Fraktionszwang. Unklar ist auch noch die Ausgestaltung eines solchen Gesetzes: Denkbar wäre etwa, dass eine Pflicht für alle Erwachsenen kommt oder auch nur für bestimmte Risiko- und Altersgruppen. Erwartet wird, dass sich Parlamentarier über Parteigrenzen hinweg zusammentun und entsprechende sogenannte Gruppenanträge vorlegen, über die dann abgestimmt wird. Einer liegt bereits vor: FDP-Vize und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki hat mit Parteikollegen einen Gruppenantrag gegen eine allgemeine Impfpflicht formuliert.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Dezember 2021 um 13:21 Uhr.