Helfer des THW vor einem großen Berg mit angeschwemmten Treibgut. | picture alliance/dpa

Hochwassergebiete in Westdeutschland Sorge vor Corona-Ausbrüchen

Stand: 20.07.2021 13:20 Uhr

Folgt auf das Hochwasser nun ein Corona-Ausbruch? Genau das befürchten die Landesregierungen in NRW und Rheinland-Pfalz. Sie wollen mit Impfungen und Tests der Gefahr vorbeugen. Kanzlerin Merkel ist inzwischen in Bad Münstereifel eingetroffen.

Nachdem Regenfluten und Hochwasser Städte und Dörfer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verwüstet haben, sind in den betroffenen Regionen die Aufräumarbeiten angelaufen. Allerdings wächst bei den jeweiligen Landesregierungen deshalb nun die Angst, dass sich das Coronavirus in den Katastrophengebieten verstärkt ausbreiten könnte.

"Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird", sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Bus für Corona-Impfungen im Ahrtal

Das Landesgesundheitsministerium bereitet deshalb laut Freichel in Absprache mit den Behörden der betroffenen Landkreise eine Sonder-Impfaktion in den Katastrophengebieten vor. Viele Rettungskräfte hätten bereits den vollen Impfschutz.

Ein erster Impfbus fährt seit dem Mittag durch das Ahrtal. Bewohner könnten sich ohne Anmeldung für einen Termin dort impfen lassen, teilte das Gesundheitsministerium in Mainz mit. Dabei kommen die Vakzine von BioNTech sowie von Johnson & Johnson zum Einsatz. In dem Bus gibt es auch die Möglichkeit zu Corona-Schnelltests. Das Angebot gelte auch für die zahlreichen Helfer, sagte die Landesregierung.

Der Bus des Impfzentrums Koblenz sollte heute in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit den dezentralen Impfungen starten. Impfen und Testen seien die beiden wichtigsten Vorkehrungen gegen eine Zunahme von Infektionen, sagte ein Sprecher des Ministeriums. "Angesichts einer Infrastruktur, die so schwer beschädigt ist, ist die Gefahr da." Staatssekretär Denis Alt rief dringend alle bisher noch ungeimpften Erwachsenen im betroffenen Gebiet auf, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Medizinische Infrastruktur zusammengebrochen

Auch das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen warnte vor einem steigenden Infektionsrisiko in den Hochwassergebieten. "Eine erhöhte Gefahr der Ausbreitung von SARS-CoV-2 könnte sich vor allem durch die Unterbringung von Personen in Notunterkünften entwickeln", teilte das Ministerium laut RND mit. Die Gefahr könne aber mit Tests, Masken und Lüften reduziert werden. 

"In den Notunterkünften wurde vielfach bereits medizinische Versorgungsstruktur etabliert", erklärte das Ministerium. Zusätzlich bereiteten den Behörden die zusammengebrochene medizinische Infrastruktur, etwa durch zerstörte Hausarztpraxen, Sorgen.  

Merkel trifft Bürger in Bad Münstereifel

Bundeskanzlerin Angela Merkel verschafft sich mit NRW-Landeschef Armin Laschet aktuell ein Bild von der Lage in Bad Münstereifel im Kreis Euskirchen. Die Altstadt war durch die Flutkatastrophe in der vergangenen Woche nahezu komplett zerstört worden. Zum Auftakt führte die Kanzlerin Gespräche mit Landrat Markus Ramers und Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian. Merkel spricht anschließend mit Helferinnen und Helfern. Nach einem Treffen mit betroffenen Bürgern steht ein Gang durch das Gebiet auf dem Programm.

Merkel war am Wochenende in Rheinland-Pfalz und hatte sich dort mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer ein Bild von der Lage im Hochwassergebiet rund um Adenau gemacht. Der Bundespräsident war bereits am Samstag nach NRW gekommen: Frank-Walter Steinmeier hatte sich auf Einladung von Laschet die Situation im vom Hochwasser zerstörten Erftstadt angeschaut. Dort hatte im Stadtteil Blessem ein gewaltiger Erdrutsch Straßen und Häuser mitgerissen. Die Abbruchkante am Rand des Kraters galt zuletzt weiter als Risikozone.

Schäden in Milliardenhöhe

Seit Montag gibt es mehrere Tage nach Beginn der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen immerhin einen Grund zum Aufatmen: Die seit Tagen vom Hochwasser bedrohte Steinbachtalsperre in der Nähe von Euskirchen scheint zu halten. Ein Dammbruch war dort nicht mehr zu befürchten, hatten die Behörden mitgeteilt. Die Menschen aus den umliegenden Gemeinden konnten zurück in ihre Häuser.

In vielen Ortschaften in NRW als auch in Rheinland-Pfalz ist die Infrastruktur mit Straßen, Bahngleisen, Brücken, Mobilfunkmasten, Strom- und Gasleitungen sowie Trinkwasserversorgung zerstört. Der Bund rechnet mit mindestens rund zwei Milliarden Euro Schäden alleine bei der Deutschen Bahn sowie bei Straßen, wie die Nachrichtenagentur aus Regierungskreisen erfuhr.

Für die Bewohner gilt es nach der Katastrophe weiter, Schlamm und Trümmer aus ihren Häusern und von den Straßen beiseitezuschaffen. Es gibt bisher 164 Todesopfer zu beklagen. Die Landesregierungen in NRW und Rheinland-Pfalz wollen nicht ausschließen, dass noch weitere Opfer gefunden werden könnten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Juli 2021 um 05:30 Uhr.

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Moderation 20.07.2021 • 13:17 Uhr

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