Ein Mann putzt ein Fenster in einer Wohnung. (gestellte Szene) | dpa

Gutscheine für Alltagshilfe geplant Staatszuschuss für den Fensterputz

Stand: 28.11.2021 10:01 Uhr

Mit einem Gutschein-System sollen sich Familien und Alleinerziehende künftig legale Haushaltshilfen leisten können. Laut Arbeitsminister Heil geht es 2023 los. Für den staatlichen Bonus soll es eine Obergrenze geben.

Die künftige Bundesregierung will Familien finanziell entlasten. "Wir führen für Familien ein System der Alltagshelfer ein. Der Staat gibt Familien in Form von Gutscheinen einen Zuschuss, damit sie sich legale Hilfe im Haushalt leisten können", kündigte der geschäftsführende Bundesarbeitsminister Hubertus Heil in der "Bild am Sonntag" an. Als ersten Schritt sollen demnach Familien mit Kindern, Alleinerziehende und Personen, die Angehörige pflegen, einen jährlichen Bonus von maximal 2000 Euro erhalten.

40 Prozent übernimmt der Staat

Gerade Eltern von kleinen Kindern oder pflegende Angehörige bräuchten beim Putzen der Wohnung, bei Kinderbetreuung oder der Pflege Unterstützung. "Doch Normalverdiener", so Heil, könnten sich "oft nicht leisten, für diese Hilfe eine reguläre, sozialversicherte Arbeitskraft zu engagieren".

Nach dem neuen Modell sollen sich Staat und Familie die Kosten für Alltagshelfer teilen. "40 Prozent werden durch den Zuschuss bezahlt, 60 Prozent von den Bürgern selbst", so Heil. Die Abrechnung solle mittels einer App geregelt werden, über die zertifizierte Firmen ihre Dienstleistungen anbieten könnten. Die Familie bucht demnach eine Leistung wie das wöchentliche Putzen der Wohnung, gibt den behördlich zugeschickten Gutscheincode ein und muss automatisch nur noch 60 Prozent zahlen. Die Firma rechne den Gutschein mit der zuständigen Behörde ab.

Dem geschäftsführenden Arbeitsminister Heil von der SPD werden gute Chancen eingeräumt, seinen Posten auch in einer Koalition mit Grünen und FDP zu behalten. Seine Partei soll im neuen Kabinett erneut das Arbeits- und Sozialministerium besetzen.

Kampf gegen illegale Beschäftigung

Heil möchte mittels der Gutscheine auch illegale Beschäftigung bekämpfen. Manche Menschen wichen in Schwarzarbeit aus und viele versuchten, "ihren Alltag mit Job und Familie allein zu stemmen", so der SPD-Politiker.

Zudem sollen die Arbeitsbedingungen für Menschen verbessert werden, die haushaltsnahe Dienstleistungen erledigen. Auch die Alltagshelfer profitierten, da sie sozialversichert seien und mindestens zwölf Euro Stundenlohn erhalten. "Sie sind keine rechtlosen Diener, sondern bekommen den Schutz und Respekt, den sie verdienen", sagte Heil. Alltagshelfer sollten aus der Schwarzarbeit herauskommen "und ein ganz normaler Beruf in Deutschland" werden.

Erste Gutscheine ab 2023

2022 will Heil als designierter Arbeitsminister sein Projekt vorbereiten. Ab 2023 solle es dann Gutscheine für Familien, Alleinerziehende und Pflegende geben. Für das erste Jahr rechnet die künftige Koalition mit 400 Millionen Euro Kosten.

In einem zweiten Schritt sollten alle den staatlichen Zuschuss erhalten. Dann solle jeder Haushalt einen Alltagshelfer-Gutschein bekommen. "Dann kostet es etwa 1,6 Milliarden Euro", so Heil. Der Staat habe durch die Sozialversicherungsbeiträge und Steuern der Alltagshelfer auch Gegeneinnahmen. So entstehe ein neuer Arbeitsmarkt, der Fortschritt in der Familienpolitik bringe, so Heil.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 28. November 2021 um 11:30 Uhr in den Nachrichten.