Das Wort #Hass auf einem Bildschirm | dpa

Einigung von Union und SPD Anti-Hass-Gesetz steht

Stand: 17.06.2021 07:55 Uhr

Lange haben Union und SPD um Details gerungen - nun steht das Gesetzespaket, das besser vor Hass im Netz schützen soll. Das Erstellen von "Feindeslisten" soll unter Strafe gestellt werden, Frauen sollen besser geschützt werden.

Zum Ende der Legislaturperiode hat sich die Große Koalition auf ein Gesetzespaket gegen Hass im Netz sowie zum Schutz von Frauen und Kindern verständigt. Es soll noch in der kommenden Woche von Bundestag und Bundesrat gebilligt werden, wie Union und SPD mitteilten. 

Mit der Einigung wird auch das Verbot der Veröffentlichung von "Feindeslisten" geregelt. In Zukunft macht sich strafbar, wer Listen veröffentlicht, die Menschen Gefahren auszusetzen könnten. Insbesondere in rechtsextremen Kreisen habe sich diese "widerliche Praxis" etabliert, erklärte der Unions-Rechtsexperte Jan-Marco Luczak von der CDU.

Schneller Untersuchungshaft für Stalker

Auf diesen Listen würden Menschen "namentlich und mitunter sogar mit Anschrift genannt", sagte der rechtspolitische Sprecher der SPD, Johannes Fechner. Frauen sollen mit dem neuen Gesetz künftig besser vor Stalking geschützt werden. Der Straftatbestand der Nachstellung wird praxistauglicher ausgestaltet, damit die Betroffenen auch wirklich besser geschützt werden. Durch die Strafverschärfungen sollen Täter künftig schneller in Untersuchungshaft genommen werden können.

Auch heimliche Nacktaufnahmen etwa in der Sauna oder im FKK-Bereich werden unter Strafe gestellt. Die Erstellung kann künftig mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft werden. Beim Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder wurde neu geregelt, dass im Internet kursierende Anleitungen zum Missbrauch künftig ebenfalls einen Straftatbestand darstellen.  

Zudem wird mit dem Paket bei schwersten, unverjährbaren Straftaten wie Mord oder Völkermord die Wiederaufnahme von Prozessen nach einem Freispruch möglich, wenn nach Abschluss des Gerichtsverfahrens neue, belastende Beweismittel aufgefunden werden. Voraussetzung ist, dass sich die strafrechtliche Verantwortlichkeit eines zuvor Freigesprochenen ergibt. 

Kriminelle Handelsplattformen im Blick

Schließlich werden kriminelle Handelsplattformen unter Strafe gestellt. "Wer Waffen oder Drogen im Darknet verkauft, kann sich nicht mehr damit herausreden, dass die Website alles automatisch erledigt", sagte Unionsfraktionsvize Thorsten Frei (CDU). "Hier schließen wir eine wichtige Lücke, um auch denjenigen zu erfassen, der eine kriminelle Infrastruktur im Netz bereitstellt." Die Gesetzesvorhaben waren zum Teil schon seit Längerem geplant, die Koalition einigte sich jetzt auf letzte Details.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juni 2021 um 01:00 Uhr.