Robert Habeck | EPA

Medienbericht Pläne für AKW-Weiterbetrieb?

Stand: 30.08.2022 18:47 Uhr

Kommen nun doch längere AKW-Laufzeiten, um die hohen Energiepreise zu senken? Das legt ein Medienbericht nahe. Demnach soll das Wirtschaftsministerium Vorbereitungen treffen, die letzten drei Atomkraftwerke weiterzubetreiben.

Im Bundeswirtschaftsministerium gibt es einem Bericht des "Spiegel" zufolge Vorarbeiten, die Laufzeiten für die drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke zu verlängern. Die Rahmenbedingungen für den laufenden Stresstest der Versorgungssicherheit beim Strom seien so verändert worden, dass damit der Weiterbetrieb über das Jahresende hinaus sinnvoll erscheinen dürfte, berichtete das Magazin.

Demnach sollen die vier Übertragungsnetzbetreiber nicht nur die Versorgungssicherheit einschätzen. Sie sollten auch dazu Stellung nehmen, ob die Laufzeitverlängerung dabei helfen würde, die zuletzt stark gestiegenen Preise an den Strommärkten zu senken, schrieb das Magazin.

Habeck will sich nicht äußern

Außerdem würden im Wirtschaftsministerium "erste Überlegungen" für einen Gesetzentwurf angestellt, mit dem der Weiterbetrieb rechtlich geregelt würde. Nach aktueller Gesetzeslage werden die drei verbliebenen Kraftwerke zum Jahresende vom Netz genommen. Eine Sprecherin des Ministeriums bestritt auf Anfrage des Nachrichtenmagazins eine Entscheidung in der AKW-Frage. Auch eine Veränderung des Stresstests-Designs habe sie nicht bestätigt.

Wirtschaftsminister Robert Habeck selbst wollte sich bei einer Pressekonferenz am Rande der Kabinettsklausur ebenfalls nicht dazu äußern. Alle Fragen würden bei Vorlage der Stresstest-Ergebnisse beantwortet, sagte er. Die Ergebnisse des Stresstests sollen laut Bundeskanzler Olaf Scholz Ende August oder Anfang September vorliegen. Auf deren Grundlage will die Regierung entscheiden, ob ein Weiterbetrieb der drei Atomkraftwerke angestrebt wird.

Streckbetrieb wäre möglich

Anfang des Monats hatte der Bund laut dem Magazin bei den drei AKW-Betreibern RWE, EnBW und Eon abgefragt, wie lange die noch vorhandenen Brennstäbe weiter Strom produzieren könnten. Den Antworten zufolge wäre demnach ein sogenannter Streckbetrieb des AKW in Lingen mit rund 70 Prozent Leistung bis April möglich, das Gleiche gelte für Neckarwestheim. Für das bayerische Atomkraftwerk Isar 2 sollten die Brennstäbe bis Juni reichen. 

Spitzenpolitiker der FDP fordern bereits jetzt eine Laufzeitverlängerung. Von den Grünen kommt Ablehnung, auch in der SPD gibt es skeptische Stimmen.