Annalena Baerbock und Robert Habeck verlassen nach ihrem Abschied als Parteichefs auf dem Parteitag der Grünen im Januar 2022 lachend die Bühne im Berliner Velodrom.  | EPA
Analyse

Grünen-Parteitag Doppelter Abschied und doppelte Wahl

Stand: 29.01.2022 08:44 Uhr

Annalena Baerbock und Robert Habeck verabschieden sich als Vorsitzende der Grünen und schwören nochmals auf die Rolle in der Ampel-Koalition ein. Heute soll die neue Parteispitze gewählt werden.

Von Andreas Reuter, ARD-Hauptstadtstudio

Abschied nach vier Jahren: Robert Habeck und Annalena Baerbock, das scheidende Grünen-Spitzenduo, stehen gemeinsam auf der Bühne im riesigen, aber recht leeren Berliner Velodrom.

Andreas Reuter ARD-Hauptstadtstudio

"Das ist echt ein merkwürdiger Moment - in dieser Riesenhalle, in der Parteischlachten geschlagen wurden und Emotionen hochgekocht sind. Und jetzt ist das hier so ein antiseptischer Abschied", sagt Habeck. Denn der Parteitag findet wegen der Corona-Pandemie größtenteils digital statt.

Klares Votum für die Ampel

Vor dem Abschied aber die Mahnung an die Partei, jetzt nicht plötzlich die Lust daran zu verlieren, in der Ampel mitzuregieren. "Manche tun das ab und sagen: Jetzt machen aber die Grünen Kompromisse", so Baerbock, doch Kompromisse gehörten zum Leben dazu. Und Habeck fügt hinzu:

Ich halte das, ganz offen gesagt, für eine total unsinnige Debatte. Eine Partei ist ein Mittel zum Zweck - und der Zweck ist, die Wirklichkeit zu gestalten - das Beste für die Menschen, für die Umwelt, für das Klima rauszuholen.

Mitzuregieren bezeichnet Habeck als "Privileg" und als "Aufgabe dieser Partei". "Dafür haben wir das alles gemacht", betont er.

Kretschmann: Von der Bündnis- zur "Milieupartei"

Die meisten Delegierten aber müssen gar nicht lange ermahnt werden. Fast 50 Wortmeldungen in der Generalaussprache. Und von Kritik an Ampel-Kompromissen ist da kaum etwas zu hören.

Winfried Kretschmann gibt dann doch den Spielverderber. Man müsse aus Fehlern des Bundestagswahlkampfes lernen, mahnt der grüne Ministerpräsident aus Baden-Württemberg: "Annalena und Robert haben es in den letzten Jahren geschafft, die Grünen für die Breite der Gesellschaft zu öffnen. Doch im Wahlkampf haben wir das dann zu wenig ausgestrahlt. Wir sind als Bündnispartei in den Wahlkampf gestartet und als Milieu-Partei gelandet."

Hoffen auf eine "mutige Parteiführung"

Und Timon Dzienus, Co-Chef der Grünen Jugend, formuliert Forderungen an die Grünen in der Regierung und die künftige Parteispitze: "Wir müssen über das alltägliche Regierungshandeln hinausdenken. Dafür brauchen wir eine Parteiführung, die auch mutig ist - und nicht als Regierungssprecher auftritt, sondern auch mal den Konflikt mit den Koalitionspartnern sucht."

Eine Aufgabe für Ricarda Lang und Omid Nouripour. Dass sie zur nächsten Doppelspitze der Grünen gewählt werden, daran zweifelt kaum jemand. Aber vorher gibt es ein paar Tränen. Und Blumen für die scheidenden Parteichefs.

Über dieses Thema berichtete am 29. Januar 2022 MDR Aktuell um 09:05 Uhr und die tagesschau um 09:50 Uhr.