Das grüne Spitzenduo Baerbock und Habeck. | AFP

Nach Grünen-Parteitag Noch nichts gewonnen

Stand: 14.06.2021 10:49 Uhr

Die Grünen haben ihrer angeschlagenen Kanzlerkandidatin den Rücken gestärkt und ein Wahlprogramm für alle verabschiedet. Gewonnen ist damit aber nichts. Baerbock und Co. müssen beweisen, dass sie es besser können als zuletzt.

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Die Grünen haben ihren Parteitag unfallfrei hinter sich gebracht, ein Wahlprogramm ohne Maximalforderungen verabschiedet und sich in fast hundertprozentiger Geschlossenheit hinter ihre leicht angeschlagene Kanzlerkandidatin gestellt. Die Botschaft ist klar: Die Grünen und Annalena Baerbock lassen sich so schnell nicht erschüttern. Ihr Ziel bleibt das Kanzleramt oder wie Gastredner und Ex-Vorstandsvorsitzender von Siemens, Joe Kaeser, sagt: Die Grünen hätten die Chance, "von der 'Abteilungsleitung Umwelt' in den 'Vorstand Deutschland' aufzusteigen.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Ins Kanzleramt? Nichts schwerer als das

Der Vorstand Deutschland wird neu besetzt - die Vorsitzende Angela Merkel geht, Baerbock will ihr folgen. Nichts schwerer als das. CDU und CSU liegen in den Umfragen wieder vorn - was weniger an der Union liegt, die noch immer kein Wahlprogramm hat. Sondern eher an den Fehlern von Baerbock und auch ihrem Duo-Partner. "Wir haben uns darüber geärgert, wir haben es analysiert, wir werden die Fehler abstellen", so Robert Habeck.

Zuspruch von Kaeser und Kretschmann

Fehlerlos durch den Wahlkampf - wer vermag das schon? Die Grünen setzen jetzt auch auf die Fehler der anderen, aber auch auf das eigene Zutrauen. Deutschlands einziger grüner Ministerpräsident, Winfried Kretschmann, spricht Baerbock Mut zu - sie solle im Kanzleramt einen neuen Politikstil etablieren. "Annalena steht für eine neue politische Stärke und zeigemäße Führung. Für politische Führung mit klaren Werten und Prinzipien, die das ganze Land in Blick hat."

Zuspruch von Kaeser und Kretschmann und 98,5 Prozent der Partei im Rücken - damit ist aber nichts gewonnen. Nicht einmal eine Umkehr in den Umfragen. Die Grünen müssen zeigen, dass sie es besser können als in den vergangenen Wochen.

Klimaschutz reicht nicht als Thema

Sie kämpfen mit der Union um die bürgerliche Mitte. Und wer von der - um im Bild zu bleiben - Abteilungsleitung Umwelt in den Vorstand Deutschland will, darf sich nicht nur auf den Klimaschutz fokussieren, auch, wenn der für viele Menschen zu den wichtigsten Themen gehört. Wählerinnen und Wähler müssen einer Kanzlerinnenpartei mehr zutrauen.

"Ich trete an für dieses Zutrauen, wir treten an für dieses Zutrauen, Probleme zu lösen, Menschen zu schützen und es in Zukunft besser zu machen", so die erste grüne Kanzlerkandidatin.

Baerbock betont Familienpolitik

Gemeint ist: besser als Union und SPD. Dabei betont Baerbock vor allem die Familienpolitik. Sie als Mutter zweier Schulkinder ist in dem Punkt nah dran und an den Problemen vieler Familien, die in der Pandemie am Homeschooling verzweifeln. "Ich stehe dafür ein, dass die nächste Regierung Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt ihrer Politik stellt."

Dazu muss sie aber erstmal in die nächste Regierung kommen. Und als sicher gilt: Die Grünen werden keinen Koalitionsvertrag unterschreiben können, der nicht sehr klar das Klimaziel von Paris einhalten will und dazu konkrete Pläne aufzeigt. Auch deshalb weiß Habeck, worauf es in den nächsten Monaten ankommt. "Wir stehen vor dem Wahlkampf unseres Lebens. Ich freue mich darauf. Wir sehen uns auf der Straße."

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 14. Juni 2021 um 07:15 Uhr im Morgenecho.