Männerbeine in Anzug und Frauenbeine | dpa

Bundestag zur Frauenquote Mehr Frauen sollen führen

Stand: 25.02.2021 03:20 Uhr

In großen deutschen Unternehmen entscheiden noch immer zumeist Männer. Frauen in Vorständen sind selten. Eine gesetzliche Quote soll das nun ändern. Heute geht es im Bundestag um Für- und Gegenargumente.

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Für Franziska Giffey ist es eine Selbstverständlichkeit: "Frauen können alles." Schließlich ist Giffey nicht nur eine selbstbewusste Frau, sondern auch noch Frauenministerin. Dass der bayerische Ministerpräsident Markus Söder beinahe das gleiche sagt, überrascht dann aber doch: "Es gibt hochqualifizierte Männer und Frauen in unserem Land. Und genauso viele Frauen wie Männer, die diese Jobs locker machen können."

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Mit "diesen Jobs " meint CSU-Mann Söder: Vorstandsposten. Also Führungsaufgaben in den großen Unternehmen des Landes. Diese sind wie eh und je noch immer vorwiegend mit Männern besetzt, so als könnten Frauen eben nicht alles oder zumindest nicht führen. Ein Trugschluss, meint SPD-Frau Giffey: "Im Studium waren doch die talentierten Frauen alle noch da - mit besseren Abschlüssen. Wo sind die denn alle hin, wenn es um die Führung in der Wirtschaft geht?"

Ja, wo sind sie hin? Jedenfalls nicht in die Teppich-Etagen: In den 200 größten deutschen Unternehmen entscheiden nur 11,5 Prozent Frauen in den Vorständen mit. Und das soll sich ändern - durch eine gesetzliche Quote. SPD und Union haben lange darum gerungen und am Ende hat tatsächlich CSU-Chef Söder dazu beigetragen, dass die Union ihren Widerstand aufgegeben hat und mehrheitlich zustimmen will.

"Wir wollen keine Quoten-Frau sein"

Denn nicht alle in der Union sind dafür: Jana Schimke etwa, CDU-Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg, Jahrgang 1979, ist kein Quoten-Fan. "Viele Frauen, auch in meiner Generation, sagen: Wir wollen keine Quoten-Frau sein. Wir wollen einen anderen Weg gehen. Wir haben andere Erfahrungen in unserem Leben gemacht und wollen dafür wertgeschätzt werden."

Dieses Gegen-Quote-Argument hält sich hartnäckig und fällt erst dann, wenn Frauen älter werden und die Erfahrung machen, dass es doch nicht klappt mit der gewünschten Beförderung.

Gute Frauen statt mittelmäßige Männer

Ein anderes Argument, sagt Stephanie Lohhaus von der Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft, wird meist von Männern angeführt: Es lautet, das schlecht qualifizierte Frauen durch die Quote befördert würden. "Das Gegenteil ist der Fall. Die Quote führt dazu, dass die mittelmäßigen Männer, die sonst die Stelle bekommen hätten, durch gute Frauen ersetzt werden", so Lohhaus.

Männer können übrigens beruhigt sein. Das Gesetz sieht nicht vor, dass Frauen alle Männer aus den Vorständen verdrängen. Es besagt: Wenn ein börsennotiertes Unternehmen drei oder mehr Vorstände hat, muss mindestens eine Frau, aber auch mindestens ein Mann dabei sein.

Ganz im Sinne von Studien, die belegen, dass gemischte Teams besser und effektiver arbeiten. Davon sind Grüne und Linke im Bundestag längst überzeugt. Die Linken wollen deshalb eine Quote von 50, die Grünen erst von 33 und später von 40 Prozent.

Gegen das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Führungspositionen sind FDP und AfD. Die Liberalen wollen zwar auch mehr Frauen in Vorständen, hoffen aber weiterhin, dass es dafür kein Gesetz braucht. Und die AfD glaubt, dass Unternehmen nicht genügend geeignete Bewerberinnen finden werden. Oder anders formuliert: Dass es nicht genug Frauen gibt, die alles können.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Februar 2021 um 05:50 Uhr.

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Moderation 25.02.2021 • 15:35 Uhr

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