Friedrich Merz | REUTERS

CDU berät über Frauenquote Merz in der Zwickmühle

Stand: 15.06.2022 10:25 Uhr

Die CDU berät erneut über eine innerparteiliche Frauenquote. Der Vorstand hatte diese bereits 2020 gebilligt. Wird sie nun ausgerechnet unter dem als konservativ geltenden Merz eingeführt?

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich bewahrheitet, was Friedrich Merz kurz nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden gesagt hatte. "Sie werden von mir den einen oder anderen Vorschlag in der Partei sehen, den Sie von mir am wenigsten erwartet haben."

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Bis vor kurzem hat wohl tatsächlich kaum jemand erwartet, dass Friedrich Merz der CDU die Frauenquote vorschlagen könnte. Merz gilt schließlich als der konservative Hardliner - oder muss man sagen galt? Merz hat sich gewandelt, und er weiß, dass auch die CDU sich wandeln muss. Sie muss jünger werden, diverser, weiblicher. So wie bisher geht es nicht weiter, hatte Merz sogar schon vor seiner Wahl unmissverständlich klar gemacht.

"Ich werde keinen Konflikt scheuen, mit denen, die da Platzhirsche sind, in die Auseinandersetzung zu gehen und ihnen sagen: Passt ein bisschen auf, dass wir nicht die Partei der alten Männer werden."

Zur Abstimmung auf Parteitag kam es nicht

Um Platzhirsche zu treffen, muss Merz nicht in den Arnsberger Wald gehen. Sie sitzen in vielen Ämtern der CDU, sind Ministerpräsidenten, Landeschefs, Kreisvorstände. Das zu ändern, hat schon Annegret Kramp-Karrenbauer versucht und die Frauenquote auf den Weg gebracht. Der damalige Vorstand war einverstanden, aber zur notwendigen Zustimmung eines Parteitages kam es nicht.

Friedrich Merz steckt in einer Zwickmühle. An der Basis ist es nicht überall so harmonisch, wie es nach außen scheint. Dass Merz Bündnisse mit den Grünen befürwortet, verursacht manchen Bauchschmerzen. Und jetzt auch noch die Frauenquote? Ja, sagt Generalsekretär Mario Czaja und deutet an, dass Merz ähnlich denkt. "Er hat immer gesagt, die Frauenquote ist die zweitbeste Lösung, aber uns hat noch keiner eine bessere genannt." 

Noch immer dominieren Männer

In der CDU dominieren weiter die Männer. Zwar ist die Parteispitze um Merz weiblicher und auch jünger geworden, aber in der Breite hat sich nicht viel bewegt. Noch immer sind nur rund 26 Prozent der Parteimitglieder weiblich - so wie schon in den 1990er-Jahren unter Helmut Kohl. Von Frauen in Vorständen ganz zu schweigen.

Daher gibt es mittlerweile namhafte Quotenfans. Daniel Günther, Bernd Althusmann, Mario Czaja, Karin Prien gehören dazu. Und Friedrich Merz? "Wenn uns nichts Besseres einfällt, bin ich auch dafür." Es könnte es also tatsächlich sein, dass nicht etwa Angela Merkel oder Annegret Kramp-Karrenbauer, sondern Friedrich Merz die CDU per Quote weiblicher werden lässt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Juni 2022 um 16:00 Uhr.