Trümmer und Autowracks sind in Bad Neuenahr-Ahrweiler zu sehen. | REUTERS

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz       Zahl der Toten auf 135 gestiegen

Stand: 30.07.2021 17:27 Uhr

Nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz hat sich die Opferzahl auf 135 erhöht. Regierungschefin Dreyer sagte betroffenen Gemeinden weitere 60 Millionen Euro zu. Auch die Soforthilfe von Bund und Ländern kommt.

In Rheinland-Pfalz hat sich die Zahl der Toten nach der Flutkatastrophe auf 135 erhöht. Das teilte Regierungschefin Malu Dreyer bei einer Pressekonferenz der Einsatzleitung in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit.

Weiterhin werden in ihrem Bundesland noch 59 Menschen als vermisst geführt. Nach Angaben der Landesregierung sind weiterhin 5500 Einsatzkräfte im Katastrophengebiet. Die Aufräum- und Hilfsarbeiten der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerks seien im Flutgebiet weiter "voll in Gang", sagte die Ministerpräsidentin.

Andauernde Unterstützung zugesagt

Nach Dreyers Angaben erhöhte das Mainzer Landeskabinett die Soforthilfen für die von der Flut betroffenen Gemeinden zugleich auf 60 Millionen Euro. Mit dem Geld können die Verwaltungen vor Ort kurzfristig Aufträge zur Instandsetzung der Infrastruktur vergeben. Parallel richtete das Landeskabinett zudem einen Lenkungsausschuss ein, der den anstehenden längerfristigen Wiederaufbau der Flutgebiete ressortübergreifend koordinieren soll.

Eine Schadensschätzung der Katastrophe sei weiterhin "nicht seriös möglich", betonte Dreyer. Sie sicherte den Menschen im Katastrophengebiet andauernde Unterstützung zu. Dort gebe es die "latente Sorge", dass sich das Land zurückziehe. Das werde nicht passieren. "Wir wissen, wie groß die Aufgabe ist."

Vereinbarung für Flutopfer-Soforthilfe

Nach Einschätzung der Landesregierung werden die Kosten voraussichtlich über denen der Elbe-Hochwassers von 2013 liegen. Damals hatten Bund und Länder einen Wiederaufbaufonds von acht Milliarden Euro aufgelegt. Ein vergleichbarer Fonds soll auch nach der jüngsten Flutkatastrophe eingerichtet werden. Einen Beschluss dazu könnte es nach Angaben Dreyers bei der nächsten Konferenz der Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Bundesländer am 10. August geben.

Inzwischen ist die Einigung von Bund und Ländern auf eine gemeinsame Finanzierung von Soforthilfen perfekt. Die Bundesregierung und die Regierungen jener Bundesländer, die besonders vom Hochwasser betroffen waren, unterzeichneten eine Verwaltungsvereinbarung, teilte das Bundesfinanzministerium mit. Die Hilfsmaßnahmen der Länder könnten damit "zügig" umgesetzt werden. 

Der Bund hatte nach der Flutkatastrophe zugesagt, die von den Ländern bereitgestellte finanzielle Soforthilfe für betroffene Gebiete zu verdoppeln. Zunächst gilt dafür eine Grenze von 400 Millionen Euro. Diese soll bei Bedarf aber noch angehoben werden.

Nordrhein-Westfalen stellte zunächst 200 Millionen Euro an Soforthilfen für Bürger, Firmen und Kommunen bereit. Rheinland-Pfalz schnürte ein Sofortpaket im Umfang von 115 bis 120 Millionen Euro. In beiden Ländern hat die Auszahlung begonnen. Sie betonten ebenfalls, die Hilfen notfalls noch zu erhöhen. Auch andere Bundesländer sagten Unterstützung zu.

Insgesamt 182 Opfer

Extreme Starkregenfälle hatten vor etwas mehr als zwei Wochen verheerende Überschwemmungen an Flüssen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ausgelöst. Viele Gemeinden, insbesondere im rheinland-pfälzischen Ahrtal, wurde verwüstet. Auch Straßen und Brücken wurden vielfach zerstört. In Nordrhein-Westfalen gab es 47 Tote. Die Gesamtzahl der Opfer liegt damit derzeit bei 182. Zu einem geringen Grad waren auch Teile Bayerns und Sachsens von schweren Regenfällen und Hochwasser betroffen.

Über dieses Thema berichteten am 30. Juli 2021 NDR Info um 15:50 Uhr und tagesschau24 um 16:00 Uhr.