Christian Lindner spricht auf dem FDP-Parteitag | EPA

FDP-Parteitag Viel Selbstbewusstsein und ein bisschen Demut

Stand: 14.05.2021 20:08 Uhr

130 Tage vor der Bundestagswahl ist das Selbstbewusstsein in der FDP enorm. Auf dem Parteitag bemühte sich Parteichef Lindner mit Blick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung aber auch, andere Töne anzuschlagen.

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Die FDP hat viele Gesichter. Für den Wahlkampf 2021 zeigt sie sich nicht nur markt-, sondern auch sozialliberal und hält sich damit Andockmöglichkeiten nach allen Seiten offen.

Franka Welz ARD-Hauptstadtstudio

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie erklärte Parteichef Christian Lindner etwa, die Liberalen sähen in Verbindung mit der Bekämpfung der Pandemie nicht nur gesundheitliche Risiken: Kinder, die in der Schule den Anschluss zu verlieren drohten, das Gefühl der Isolation älterer Menschen in Pflegeeinrichtungen, "wenn Menschen seelisch vertrocknen, weil sie keinen Zugang mehr zu kulturellen Angeboten haben", wenn Frauen zurückfielen und ein Jahrzehnt der Emanzipation und der Arbeit für die Gleichstellung der Geschlechter verloren gehen könnte.

Etwas soziales Gewissen, einiges an Mitgefühl. Und dazu noch so etwas wie eine Zeitenwende in der FDP, die Lindner, derzeit Partei- und Fraktionsvorsitzender in Personalunion, ankündigte: "Mehr denn je gilt bei uns: Das Team ist der Star."

93 Prozent für Lindner

Damit schreibt die FDP einen Strategiewechsel fort, der bereits im vergangenen Jahr eingeleitet wurde: weg von der One-Man-Show hin zum Mannschaftsspiel. Nach abgeschlossener Sanierung, so stellt Lindner es dar, nun die breitere Aufstellung, in der etwa der Arbeitsmarktpolitiker Johannes Vogel glänzen können soll, der mit knapp 80 Prozent mit einem ordentlichen Ergebnis zu einem der Vizevorsitzenden der Partei gewählt wurde. Der Generalsekretär der FDP in Nordrhein-Westfalen ersetzt Katja Suding aus Hamburg, die nicht mehr als stellvertretende Bundesvorsitzende kandidiert hat.

Lindner selbst wurde erwartungsgemäß als Parteichef bestätigt - mit 93 Prozent der abgegebenen Stimmen sein bestes Ergebnis. Er ist also wieder die unbestrittene Nummer eins der Liberalen und will sie selbstbewusst in den Bundestagswahlkampf führen, wenn es nach ihm geht in die nächste Bundesregierung. Konstellation: offen.

"Mit großem Dank nehme ich die Wahl an", sagte er. "Ich freue mich und fühle mich motiviert durch dieses starke Votum und ich freue mich jetzt gemeinsam auf zwei weitere Jahre mit Euch und mit unserem nächsten Zwischenziel der Bundestagswahl."

"Chance, aber auch Verantwortung"

Die 12 Prozent, bei denen die FDP laut jüngstem ARD-DeutschlandTrend derzeit in der Gunst der Wählerinnen und Wähler liegt, scheinen dieses Selbstbewusstsein für den Moment zu rechtfertigen. "Das ist eine große Chance, aber das ist auch eine große Verantwortung auf der anderen Seite", so Lindner. "Ja, wir stehen selbstbewusst zu unseren Werten und Prinzipen. Aber wir täuschen uns auch nicht über die Dimension der Herausforderungen, die nach der Wahl auf eine zukünftige Regierung, welche auch immer, warten."

Die Aufgaben seien schon vor der Pandemie sehr groß gewesen und seien jetzt noch größer. "Deshalb empfiehlt sich neben dem Selbstbewusstsein, einen Beitrag leisten zu können, für einen Wert der Freiheit zu stehen, dieses Selbstbewusstsein zu verbinden mit Demut und Bescheidenheit angesichts der Aufgabe."

Bisher hat die FDP sich auf ihrem Bundesparteitag vor allem selbstbewusst gezeigt und geschlossen. Nach den Wahlen von Vorstand und Präsidium sollen die Delegierten auf dem bis Sonntag angesetzten Parteitag noch das Wahlprogramm verabschieden. Unter dem Titel "Nie gab es mehr zu tun" steht für die FDP darin die wirtschaftliche Erholung Deutschlands nach der Corona-Pandemie im Mittelpunkt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Mai um 16.00 Uhr sowie tagesschau24 um 18:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 14.05.2021 • 23:37 Uhr

21:41 von eine sex in latein / @schabernack

«... Genau wie auch Gerhart Baum, und der ist schon 88 Jahre alt.» «Wenn Sie drei Leute mit nem Durchschnittsalter jenseits der 80 nennen, brauchen Sie sich aber auch nicht zu beschweren.» Neben Mr. Lindner nannte ich 5 weitere Politiker der FDP namentlich. 2 von denen sind tot. Tote zählt man nicht mit beim Durchschnittsalter. Nur Herr Baum ist älter als 80 bei den noch Lebenden. Darum geht es aber auch gar nicht, sondern um das, was mal einst "Liberale Orientierung" der FDP war. Oder auch "Identität", wenn man es lieber so nennen mag. Heutzutage ist dem Mr. Lindner die Klagewelle vor dem BVerfG das liberale Mäntelchen. Was nicht bei 3 auf dem Baum ist, wird verklagt. Dabei fällt Gerhart Baum auch mit 99 noch die Kinnlade runter, falls er weitere 11 Jahre leben sollte. Es geht um die grundsätzliche Ausrichtung der FDP, und was sie überhaupt will, wie der Staat ein Land DEU sein solle. Weniger Steuern + mehr Investition ist wie … weniger Regen für mehr grünes Gras.