Volker Wissing, Christian Lindner und Wolfgang Kubicki beim Bundesparteitag der FDP. | dpa

Kaum Frauen in der Führung Männerpartei FDP?

Stand: 14.05.2021 15:44 Uhr

Die FDP wird das Image der Männerpartei nicht los - und ganz falsch ist dieser Eindruck auch nicht. Nur jedes fünfte Parteimitglied ist weiblich. Die Führungsriege ist männlich dominiert.

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

In der FDP geben Männer den Ton an, so wirkt es zumindest in der Öffentlichkeit. Im Präsidium sitzen acht Männer und vier Frauen, in der engeren Spitze hinter Parteichef Christian Lindner wird der Frauenanteil sogar kleiner werden. Denn mit Katja Suding tritt eine der bisher zwei weiblichen Vizevorsitzenden nicht wieder an.

Franka Welz ARD-Hauptstadtstudio

Für ihren Platz bewirbt sich Johannes Vogel, Generalsekretär der FDP in Nordrhein-Westfalen - ihn unterstützen aber auch viele Frauen in der Partei. Gyde Jensen zum Beispiel, die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag.

Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass Johannes jemand ist, der das gesamte Thema Vielfalt in den kommenden zwei Jahren als eines der wichtigsten Themen mit in seine Arbeit aufnehmen wird. Weil ich ihn auch schon jetzt lange Zeit kenne und weil er jemand ist, dem man das ganze Thema auch nicht erklären muss.

Deswegen könne jemand wie Vogel im Bundesvorstand nicht durch seine Person das Sichtbarwerden von Frauen in der Führung widerspiegeln, es aber in allen Bereichen mittragen, meint Jensen.

Die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Nicole Bauer, ergänzt:

Das ist übrigens nicht nur die Aufgabe von Frauen, sondern auch die Aufgabe von Männern, dass wir ganz klar gemeinsam wirken, wenn wir vielfältiger werden wollen. Und wir haben ja gesagt, Vielfalt ist unser oberstes Ziel.

Mehr Frauen, aber keine Quote

Auf dem Parteitag 2019 hatte die Partei erstmals seit vielen Jahren wieder explizit auch frauenpolitische Themen besprochen. Nach teils heftiger Debatte beschlossen die Delegierten, dass sie zwar mehr Frauen wollten, aber keine Quote.

Die Vorbehalte gegen eine Quote hätten viel damit zu tun, dass in einer freiheitlichen Partei wie die FDP das Wort "Quote" immer schon "gewisse Störgefühle" ausgelöst hätten, erklärt Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion und Kreisvorsitzende in Düsseldorf. Und zwar sowohl bei Frauen als auch bei Männern.

Zielvereinbarungen, die jeweils individuell zwischen Bundesgeschäftsführung der FDP und einzelnen Landesverbänden getroffen werden, sollen seitdem den Frauenanteil in Führungsfunktionen und Mandaten erhöhen. Strack-Zimmermann hält diese für das absolute Minimum.: "Ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber durchaus kann man das Tempo anziehen."

FDP-Chef Lindner (mit Generalsekretär Wissing) | dpa

Männliche Spitze: FDP-Chef Lindner (rechts) und Generalsekretär Wissing Bild: dpa

Jensen hofft, dass auf dem Bundesparteitag möglicherweise sogar eine Bilanz der Zielvorgaben gezogen wird. "Nach zwei Jahren würde sich das auf jeden Fall anbieten. Und dann auch ehrlich geschaut wird, ob das gewirkt hat oder nicht."

Jensen gehört zu denjenigen in der FDP, die glaubt, dass die Partei sich teilweise ambitionierter für mehr Vielfalt einsetzen könnte - das Wort Quote verwendet sie inzwischen allerdings nicht mehr:

Wenn es für mich bedeutet, dass ich das Wort ausschließe, um quasi weiter in der Debatte gehört zu werden, dann tue ich auch meinetwegen das. Wie man das Ganze nachher nennt, ist mir eigentlich vollkommen egal.

Wichtig sei, dass die Partei vielfältiger werde. Dazu gehört für die frauenpolitische Sprecherin Bauer auch ein professioneller Umgang mit Vielfalt. Konzerne wie SAP seien da schon richtig gut: "Davon kann man lernen, auch für die politische Arbeit."

Wenn die Frauen, die jetzt beim Bundesparteitag zur Wahl antreten, erfolgreich abschneiden, könnte der Bundesvorstand am Ende 40 Prozent weibliche Mitglieder haben. Der Frauenanteil im Präsidium könnte nach dem Parteitag bei 30 Prozent liegen. Keine Revolution, aber ein weiterer Schritt auf dem langen Weg der FDP zu mehr Vielfalt.

                       

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell um 11:33 sowie tagesschau24 am 14. Mai 2021 um 17:00 Uhr.