Intensivstation mit Corona-Patienten | dpa

Zahl der Patienten steigt Intensivmediziner warnen vor Überlastung

Stand: 08.04.2021 14:26 Uhr

Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen nimmt rasant zu. Experten haben sich deshalb in einem "Notruf" an die Politik gewendet - mancherorts gebe es kaum noch freie Betten. Einigen Krankenhäusern drohe der Notbetrieb.

Die Belastung für die Intensivstationen in Deutschland wächst in der Pandemie wieder stark. Deswegen schlagen Fachleute nun Alarm. "Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen, bevor Ihr reagieren wollt???", schrieb der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, auf Twitter. Städte wie Bonn, Bremen und Köln hätten kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder Covid-19-Patienten.

Der Charité-Virologe Christian Drosten leitete den Text des Intensivmediziners auf Twitter mit dem Kommentar "Dies ist ein Notruf" an seine mehr als 700.000 Follower weiter.

Charité will planbare Eingriffe zurückfahren

Seit Mitte März steigt bundesweit die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19 wieder deutlich an. Derzeit sind es mehr als 4400, zu Jahresbeginn waren es knapp 5800 gewesen. "Wenn das so weiter geht, werden wir in Kürze auch leider Gottes über 5000 Covid-19 Patienten haben", sagte der ehemalige DIVI-Präsident Uwe Janssens den Sendern RTL/ntv.

Ab einer Zahl von 5000 bis 6000 Intensivpatienten könne es sein, dass einige Krankenhäuser wieder auf den Notbetrieb umstellen müssten. Berlins Universitätsklinikum Charité kündigte bereits an, ab kommender Woche wieder die Zahl planbarer Eingriffe zurückzufahren.

Intensivmediziner fordern harten Lockdown

Als Nadelöhr bei der Versorgung gilt vor allem die Verfügbarkeit von Pflegepersonal. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), die die Belegungszahlen täglich herausgibt, warnt seit vielen Wochen vor den Folgen der hohen Corona-Infektionszahlen und forderte zuletzt einen harten Lockdown.

Das Infektionsgeschehen bleibt auch heute hoch. So verzeichnete das Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 20.407 Corona-Neuinfektionen - 306 Menschen starben. Unklarheit herrscht allerdings über die tatsächliche Pandemie-Lage. Das RKI vermutet, dass sich um Ostern weniger Menschen testen ließen, was zu einer geringeren Meldezahl an die Gesundheitsämter führe. Vor genau einer Woche meldete die Behörde 24.300 neue Fälle.

Bundesweite Inzidenz von 105,7

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag heute Morgen laut RKI bundesweit bei 105,7. Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 110,1 an. Die am stärksten von der Pandemie betroffenen Bundesländer sind derzeit Thüringen und Sachsen mit einer Inzidenz von 181 bzw. 143. Am niedrigsten ist die Inzidenz in Schleswig-Holstein. Dort liegt sie bei 63,4.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. April 2021 um 20:00 Uhr.

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Moderation 08.04.2021 • 18:01 Uhr

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