Blick auf die Straßen des Rotlichtviertels in Nürnberg. | dpa

Vorstoß der Frauen-Union Diakonie gegen Prostitutionsverbot

Stand: 28.08.2021 16:59 Uhr

Die Frauen-Union tritt für ein vollständiges Verbot der Prostitution ein. Die Diakonie Deutschland hält davon wenig. Es bestehe die Gefahr, dass der Sexkauf dann im Illegalen stattfinde - notwendig seien Perspektiven zum Ausstieg.

Die Diakonie Deutschland hält ein Verbot der Prostitution für den falschen Weg. "Wo Prostitution oder Sexkauf verboten sind und Freier bestraft werden, findet Prostitution in der Illegalität statt und verschlechtert die Situation der Prostituierten enorm", erklärte Maria Loheide, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland.

Im Verborgenen seien Prostituierte für Fachberatungsstellen nicht erreichbar. Sie könnten zum Beispiel die Bezahlung oder die Verwendung von Kondomen nicht einfordern und lebten in ständiger Angst und Abhängigkeit.

Loheide forderte mehr Unterstützung für Frauen und Männer in der Prostitution, damit sie eine alternative Perspektive finden könnten. Denn Prostitution sei kein Beruf wie jeder andere. Der Staat müsse Prostituierte konsequent unterstützen, um deren Situation zu verbessern. So sei es notwendig, ihre Rechte zu stärken, für eine gute Gesundheitsversorgung und für eine bessere strafrechtliche Verfolgung von Menschenhandel zu sorgen, sagte Loheide.

"Erniedrigt und gedemütigt"

Am Freitag hatte die Frauen-Union (FU) der CDU ein Verbot der Prostitution gefordert. In den meisten Fällen seien Frauen nicht freiwillig Prostituierte, sagte die Vorsitzende Annette Widmann-Mauz den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Auch in der angemeldeten Prostitution würden Frauen "erniedrigt, gedemütigt, entwürdigt", und dies sei durch das Prostitutionsgesetz auch noch rechtlich abgesichert, beklagte sie. In einem ersten Schritt sollte der Sexkauf von Schwangeren und Frauen unter 21 Jahren verboten und dafür die Freierbestrafung erweitert werden, forderte Widmann-Mauz, die auch Integrationsbeauftragte der Bundesregierung ist.

Auf die Frage, warum aus Sicht der CDU-Frauen über Zwangsprostitution hinaus perspektivisch generell jeder Sexkauf verboten werden solle, sagte Widmann-Mauz: "Die Frage ist doch, ob der Staat die Würde der Frau und ihr Intimstes zur legalen Ware macht."

Diskussionen in mehreren Parteien

Derzeit ist Prostitution unter bestimmten Bedingungen in Deutschland erlaubt, seit 2002 haben Prostituierte Zugang zur Sozialversicherung. Es gibt allerdings strafrechtliche Regelungen gegen Zwangsprostitution. Die Diskussion über ein Verbot nach dem Vorbild von Schweden und Frankreich ist zuletzt in mehreren Parteien geführt worden.

Mit Informationen von Hans-Joachim Vieweger, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. August 2021 um 09:32 Uhr.