Staatsakt des Landes Rheinland-Pfalz zum Gedenken der Opfer der Flutkatastrophe in der Ring-Arena am Nürburgring. | dpa

Staatsakt für Flutopfer "Das ganze Land trauert mit Ihnen"

Stand: 01.09.2021 18:38 Uhr

180 Menschen verloren im Juli bei der Flutkatastrophe in der Eifel ihr Leben, Tausende stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Auf einem Staatsakt für die Opfer versprach Bundespräsident Steinmeier, dass niemand in der Not allein gelassen werde.

Rund sieben Wochen nach der Flutkatastrophe hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den betroffenen Bürgern die Solidarität des gesamten Landes zugesagt. "In der Stunde der Not sind wir ein starkes, solidarisches Land. Wir stehen zusammen", sagte Steinmeier am Nürburgring bei einem Staatsakt zum Gedenken an die Opfer der Flutkatastrophe. Das ganze Land trauere mit den Angehörigen.

Steinmeier betonte, solidarische Hilfe und Aufmerksamkeit sei nicht nur jetzt in der akuten Not, sondern für lange Zeit notwendig. "Das Unheil, das über Sie hereingebrochen ist, es geht uns alle an", sagte der Bundespräsident. "Wir alle müssen uns die Frage stellen, was wir tun können, um auf solche Katastrophen, auf solche Extremwetterlagen besser vorbereitet zu sein."

"Bilder des Leids und der Zerstörung"

In jener "so furchtbares Unheil bringenden Nacht" Mitte Juli habe das "schlimmste Hochwasser seit Menschengedenken hier in der Region" beschauliche Bäche und kleine Flüsse zu reißenden Strömen werden lassen. "Schuld, Insul, Dümpelfeld, Altenahr, Mayschoß, Ahrbrück, Dernau, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig - so viele Orte versanken in den Fluten", sagte der Bundespräsident. Die Bilder der Zerstörung, der Verzweiflung und des Leids hätten ihn und Menschen in ganz Deutschland erschüttert.

"Wir stehen an Ihrer Seite. Wir wissen, dass in Ihrem Leben nichts mehr ist, wie es war. Auf Ihrem Weg zurück ins Leben lässt Ihr Land Sie nicht allein“, versprach er. Der Bundespräsident sprach den Einwohnern der Katastrophenregion seinen Respekt dafür aus, dass sie trotz aller Verzweiflung nicht aufgegeben hätten und nach vorne blickten. Die Hilfsgelder von Bund und Ländern müssten nun so schnell wie möglich an die Betroffenen ausgezahlt werden, forderte er.

"Bis ins Mark getroffen"

Die Naturkatastrophe vom 14. auf den 15. Juli habe Rheinland-Pfalz bis ins Mark getroffen, sagte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, in ihrer Rede. "Die vielen Schicksale gehen mir nicht aus dem Kopf". Aber die Betroffenen sollten wissen, dass sie nicht allein sind. "Ganz Rheinland-Pfalz nimmt Anteil an ihrem Leid. Und wir sind in der Trauer verbunden mit unserem Nachbarland Nordrhein-Westfalen, das ebenfalls viele Todesopfer zu beklagen hat. Mit uns trauert ganz Deutschland." Niemand werde vergessen.

Dreyer sagte, die Landesregierung werde alles dafür tun, dass "die alte Heimat auch die neue Heimat" sein könne. "Wir wollen zusammen mit den kommunal Verantwortlichen und allen Menschen vor Ort ein Ahrtal mit Zukunft aufbauen. Eines, in dem die Menschen gern und möglichst sicher leben können." Vermutlich werde nicht alles wie zuvor. Die Landesregierung steht den Betroffenen und den Kommunen dabei zur Seite. "Darauf können Sie sich verlassen", betonte die Ministerpräsidentin.

Dreyer hatte die Angehörigen der Toten und Vermissten sowie Verletzte, Geschädigte, Hilfskräfte und die Bürgermeister der mehr als 250 betroffenen Gemeinden zur Motorsportstrecke am Nürburgring eingeladen. Hier stand das Basislager, um die Einsätze von Polizei, Bundeswehr, Rettungsdienst sowie Brand- und Katastrophenschutz im verwüsteten Ahrtal zu koordinieren.

Mehr als 180 Tote

Extreme Starkregenfälle hatten Mitte Juli verheerende Überschwemmungen an Flüssen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ausgelöst. Viele Gemeinden, insbesondere im Ahrtal, wurden verwüstet. In Rheinland-Pfalz kamen im Zusammenhang mit dem Hochwasser 134 Menschen ums Leben.

Acht weitere aufgefundene Tote waren nach Angaben der Landeseinsatzleitung schon vor der Flut gestorben. Drei weitere Menschen wurden zuletzt noch vermisst. Die Einsatzleitung zählte insgesamt 766 Verletzte. In Nordrhein-Westfalen gab es 48 Tote. Die Bundesregierung will nach einem Kabinettsbeschluss 30 Milliarden Euro bereitstellen, die in den Wiederaufbau in den zerstörten Regionen fließen sollen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. September 2021 um 17:00 Uhr.