Eine Ampulle mit dem Sputnik-V-Impfstoff | REUTERS

Spahn zu russischem Vakzin Rufe nach Sputnik V werden lauter

Stand: 19.03.2021 14:41 Uhr

Vor allem ostdeutsche Länderchefs wollen das russische Vakzin Sputnik V auch in Deutschland einsetzen. Tatsächlich gebe es Verhandlungen über Lieferverträge, sagt Gesundheitsminister Spahn. Auch einen nationalen Alleingang schloss er nicht aus.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich dafür ausgesprochen, rasch Vereinbarungen zu treffen, um den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V zu erwerben. Er könne sich "vorstellen, dass wir Verträge zügig abschließen", sagte Spahn. Sein Ministerium sei "in engem Austausch" mit den russischen Stellen, dabei gehe es auch um eine vorvertragliche Absichtserklärung.

Einen nationalen Alleingang will Spahn notfalls nicht ausschließen. Bei dem möglichen Erwerb von Sputnik V wolle Deutschland nicht unbedingt auf eine Entscheidung auf EU-Ebene warten. "Ich bin tatsächlich sehr dafür, dass wenn die Europäische Union dann nichts macht, wir das auch national machen", sagte er. 

Produktion in Bayern?

Voraussetzung sei, dass das russische Präparat in der EU zur Verimpfung zugelassen werde. Dazu müsse die russische Seite noch Daten liefern. Sobald ausreichend Datenpakete da seien, sei eine ordentliche Zulassung schnell möglich. Mit der russischen Seite werde derzeit unter anderem über mögliche Liefermengen verhandelt.

Allerdings gehen die Pläne wohl noch weiter. Der Gesundheitsminister sagte, die Bundesregierung unterstütze Russland dabei, für die Produktion des Impfstoffs Kooperationspartner in Deutschland und Europa zu finden. Aktuell prüft das Bundesland Bayern, ob das Vakzin dort hergestellt werden kann.

Dessen Gesundheitsminister Klaus Holetschek sagte beim Besuch des Herstellers R-Pharm in Schwaben, er würde er sich freuen, wenn der Impfstoff auch aus Bayern kommen könnte. Als Bedingung nannte er, dass das Mittel in der Europäischen Union zugelassen werden müsste. R-Pharm investiert nach eigenen Angaben derzeit mehr als 30 Millionen Euro in eine impfstofftaugliche Produktion.

Ramelow dringt auf russisches Präparat

Nach dem vorläufigen Impfstopp von AstraZeneca Anfang der Woche hatte sich mehrere ostdeutsche Länderchefs für Sputnik V als Ersatz ausgesprochen. Das Präparat soll dabei helfen, die Impfstoffknappheit in Deutschland zu lindern. Thüringens Ministerpräsident Ramelow, sagte er wolle keine politische Zulassung, aber auch keine Ablehnung aus politischen Gründen. Es sei wichtig, das Thema Sputnik V mit Nachdruck zu bearbeiten.

Vor dem heutigen Bund-Länder-Treffen machte er sich abermals für das Vakzin stark. "Wir plädieren erst mal dafür, dass wir wieder in Ruhe in das Verimpfen von AstraZeneca einsteigen können. Und ich persönlich plädiere auch dafür, dass die Bundesregierung jetzt die Vorverträge für Sputnik V fertig macht", sagt der Politiker im ARD-Morgenmagazin.

Es sei einfach notwendig, dass man in Deutschland auch dieses Vakzin nutzen könnte, wenn es die europäische Arzneimittelbehörde EMA zulasse. Aber man dürfe nicht warten, bis es die EMA erst zugelassen habe. Andere europäische Staaten seien schon längst bei Vorbereitungen oder sogar bei Verimpfungen mit Sputnik V wie Ungarn und die Slowakei.

Brüssel dämpft Hoffnungen

Die EU-Kommission sieht hohe Hürden, das Vakzin in der EU zuzulassen. "Bislang wurde für Sputnik noch gar kein Antrag auf Zulassung gestellt. Wir sind erst in einem vorbereitenden Stadium, in dem die Firma erst mal Daten liefert", zitieren die Zeitungen der Funke Mediengruppe EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Zudem müsse es für jedes von der EU-Arzneimittelagentur EMA zugelassene Vakzin von der Behörde autorisierte Fabriken geben.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 19. März 2021 um 13:35 Uhr.