Aufsteller am Stuttgarter Zoo zu den Eingangsbeschränkungen  | dpa

Coronavirus in Deutschland Bundesländer verschärfen Maßnahmen

Stand: 03.11.2021 09:10 Uhr

In Baden-Württemberg gilt ab heute die Corona-Warnstufe mit verschärften Auflagen. Auch Sachsen und Bayern erwägen ähnliche Schritte. Bundesweit geht der Inzidenzwert zwar zurück - Grund könnte aber Allerheiligen sein.

Angesichts der hohen Zahl an Neuinfektionen wollen mehrere Bundesländer bei den Corona-Maßnahmen wieder härter durchgreifen.

In Baden-Württemberg treten bereits heute striktere Regelungen in Kraft, weil das Bundesland die für sich festgesetzte Corona-Warnstufe erreicht hat. Diese gilt, wenn an zwei Werktagen in Folge 250 Betten auf den Intensivstationen der Kliniken mit Corona-Patienten belegt sind oder wenn acht von 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern innerhalb von fünf Tagen mit Corona-Symptomen in eine Klinik eingeliefert worden sind.

Die wieder verschärften Auflagen treffen Menschen, die sich bislang nicht gegen das Coronavirus haben impfen lassen. Ausgenommen sind Personen, für die eine Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht infrage kommt.

Schnelltest reicht nicht mehr aus

Prinzipiell gilt bei Veranstaltungen, für den Besuch von Kultureinrichtungen oder für die Gastronomie zwar weiterhin die 3G-Regelung. Allerdings müssen Gäste ohne Impfung oder den Nachweis über eine überstandene Infektion nun einen PCR-Test vorlegen - und der ist deutlich teurer als ein Schnelltest. Auch im Kino, Schwimmbad oder Freizeitpark ist der Besuch nun nur noch mit dem PCR-Test möglich.

Zudem gelten für ungeimpfte Bürgerinnen und Bürger mit der Warnstufe erneut Kontaktbeschränkungen. Die Mitglieder eines Haushalts dürfen sich mit fünf weiteren Personen treffen. Ausgenommen sind Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren sowie Geimpfte, Genesene oder Personen, die sich nicht impfen lassen können.

Folgen Sachsen und Bayern?

Neben Baden-Württemberg erwägen auch andere Bundesländer, ihre Auflagen wieder zu verschärfen. In Sachsen soll für Veranstaltungen in Innenräumen und Restaurantbesuche nur noch die 2G-Regelung erlaubt sein - was sie nur noch für Geimpfte und Genesene möglich machen würde. Das Kabinett des Bundeslandes will am Freitag entscheiden, ob die verschärften Auflagen in Kraft treten.

Das Landeskabinett von Bayern befasst sich bereits heute mit erneut verschärften Corona-Maßnahmen. Im Vorfeld hatte sich Ministerpräsident Markus Söder dafür ausgesprochen, ebenfalls stärker auf die 2G-Regel zu setzen. Allerdings tun das einige Landkreise Bayerns aufgrund der hohen Fallzahlen bereits von sich aus. Zudem könnte die Maskenpflicht an Schulen wieder eingeführt werden. Erst vor rund einem Monat war die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, für Schülerinnen und Schüler in Bayern weggefallen.

RKI meldet fast 20.400 Neuinfektionen

Unter allen Bundesländern weist Bayern derzeit die dritthöchste Sieben-Tage-Inzidenz auf, wie aus der Statistik des Robert Koch-Institutes vorgeht. Sie liegt derzeit bei 228,4. Der Wert gibt an, wie viele von 100.000 Menschen sich binnen einer Woche mit dem Virus anstecken. Vor Bayern liegen Sachsen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 289,7 und Thüringen mit dem momentan bundesweit höchsten Wert von 338,2.

In ganz Deutschland ging die Sieben-Tage-Inzidenz in den vergangenen 24 Stunden leicht zurück - von 153,7 auf 146,6. Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 20.398 Neuinfektionen mit dem Erreger. Allerdings ist es möglich, dass aufgrund des langen Wochenendes in fünf Bundesländern weniger Infektionen gemeldet wurden.

Die Zahl der Menschen, die in Zusammenhang mit einer nachweislichen Corona-Infektion gestorben sind, bezifferte das RKI in den vergangenen 24 Stunden mit 194. Damit sind seit dem Beginn der Pandemie in Deutschland mehr als 96.000 Menschen gestorben, die sich zuvor mit dem Virus infiziert hatten. Insgesamt steckten sich bundesweit bisher mehr als 4,6 Millionen Menschen an. Mehr als 4,3 Bürgerinnen und Bürger gelten wieder als genesen.

Debatte um neues Bund-Länder-Treffen

Am Donnerstag und Freitag wollen sich die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder mit der Entwicklung der Pandemie auseinandersetzen. Doch der frisch gekürte Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, plädierte zudem für ein erneutes Bund-Länder-Treffen in der kommenden Woche. Doch nicht alle Länderchefs halten das für unbedingt notwendig.

"Über das weitere Vorgehen in Sachen Corona haben wir zuletzt vor zehn Tagen gesprochen", zitierte die Nachrichtenagentur dpa Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Seitdem habe es keine wesentlich neuen Erkenntnisse gegeben. Auch der Landeschef von Schleswig-Holstein, Daniel Günther, sieht keinen dringenden Bedarf für Beratungen zwischen Bund und Ländern. Aus seiner Sicht hätten die Bundesländer bereits die erforderlichen Instrumente im Kampf gegen die Pandemie in der Hand, sagte der CDU-Politiker dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sieht die Verantwortung nun beim Bundesgesundheitsministerium. Dieses solle, basierend auf den Beschlüssen der letzten Bund-Länder-Konferenz, eine Empfehlung für das weitere Vorgehen gegen die Pandemie vorlegen, über dann der Bundestag abstimmen müsse.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. November 2021 um 09:00 Uhr.