Eine Seniorin wird geimpft. | dpa

EU-weite Empfehlung geplant Lauterbach für vierte Corona-Impfung

Stand: 29.03.2022 17:34 Uhr

Angesichts hoher Corona-Zahlen will die EU eine einheitliche Empfehlung für eine vierte Impfung herausgeben. Bundesgesundheitsminister Lauterbach hatte sich zuvor für eine vierte Impfung für alle ab 60 Jahren ausgesprochen.

Der Umgang mit einer möglichen vierten Corona-Impfung soll EU-weit angeglichen werden. Die EU-Kommission werde "innerhalb kürzester Zeit auf Basis wissenschaftlicher Expertise eine Empfehlung zur vierten Impfung erarbeiten", sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nach einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel. Die Gesundheitsminister der EU-Länder hätten seinen Vorschlag, die nationalen Impfstrategien anzugleichen, mehrheitlich unterstützt. Die Empfehlung der EU-Kommission könne "auch für Deutschland ein wichtiger Kompass für den Umgang mit der zweiten Boosterung sein".

Lauterbach verweist auf Studien aus Israel

Lauterbach hatte sich zuvor für eine vierte Corona-Impfung für Menschen über 60 Jahren eingesetzt. Der SPD-Politiker verwies auf Studien aus Israel. Diese hätten gezeigt, dass das Risiko, infolge einer Infektion zu sterben, in dieser Altersgruppe durch eine erneute Auffrischungsimpfung um bis zu 80 Prozent reduziert werden könne.

Bei dem Treffen der EU-Gesundheitsminister warb er dafür, dass ein solcher erneuter Booster in allen Mitgliedsländern der EU angeboten wird. "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Covid-Pandemie nicht zu Ende ist in Europa. Wir haben sehr hohe Fallzahlen, wir haben leider auch sehr hohe Sterbezahlen", warnte Lauterbach bei der Sitzung mit seinen Amtskollegen. "Die Lage ist in Europa, was die Pandemie angeht, schlechter als das Gefühl der Menschen", fügte er hinzu. Zudem richte sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit derzeit verstärkt auf den Krieg gegen die Ukraine.

Impfstoff gebe es genügend in Europa, betonte Lauterbach weiter. Dadurch, dass einkommensschwache Länder immer weniger Vakzine aus der EU importieren, könne es sogar dazu kommen, dass Impfstoff vernichtet werden müsse, weil er abläuft. Für einen zweiten Booster kämen aus Sicht des Bundesgesundheitsministers die Wirkstoffe des Herstellers Moderna sowie von BioNTech und Pfizer infrage.

Lauterbach warnte davor, abzuwarten, bis Vakzine zur Verfügung stehen, die auf die neuen Omikron-Varianten des Coronavirus angepasst seien. Das könne noch bis zum Herbst, nach jetzigen Planungsstand bis September dauern.

Eine BioNTech-Sprecherin sagte, ihr Unternehmen wolle "in den kommenden Wochen erste Daten der klinischen Studie veröffentlichen, die mögliche Zulassungsanträge für einen Omikron-basierten Impfstoff unterstützen". Letztlich müssten "die Behörden entscheiden, ob und wann eine Genehmigung erteilt wird". Auch beim Impfstoff-Hersteller Moderna laufen bereits klinische Studien für einen an die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoff. Die Auslieferung des speziellen Omikron-Impfstoffs wurde ursprünglich schon in diesem Frühjahr erwartet. Biontech-Gründer Ugur Sahin hatte im Februar gesagt, er rechne mit einer Auslieferung im April oder Mai.

STIKO empfiehlt vierte Impfung für über 70-Jährige

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission eine zweite Booster-Impfung bislang Menschen über 70 Jahren, Bewohnern von Altenheimen und Menschen mit Immunschwäche-Krankheiten ab fünf Jahren. Ebenso gilt die Empfehlung für Beschäftige in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, insbesondere wenn sie in direkten Kontakt mit Patienten kommen.

Bei gesundheitlich gefährdeten Menschen soll die erneute Auffrischungsimpfung demnach frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischungsimpfung verabreicht werden, bei Beschäftigten im Gesundheitswesen frühestens nach einem halben Jahr.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 29.03.2022 um 12:04 Uhr.