Vor einer Bar in Hamburg steht ein Hinweisschild, welches auf den Einlass nach der 2G-Regel hinweist.  | dpa

Debatte über Corona-Impfungen Mehr Anreize und mehr Druck?

Stand: 29.08.2021 13:54 Uhr

Um die Impfbereitschaft zu erhöhen, fordert Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene. In Baden-Württemberg und Bayern könnte es bald strengere Regeln für Ungeimpfte geben.

Während die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt, geht die Zahl der täglichen Impfungen kontinuierlich zurück. Die Grünen-Vorsitzende und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat sich nun für mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene im Vergleich zu Ungeimpften ausgesprochen, um den Impfanreiz zu erhöhen. Wenn jemand nicht solidarisch mit etwa Kindern oder chronisch Kranken sei, "dann kann er oder sie nicht erwarten, dass alle anderen auf ihre Freiheit verzichten", sagte Baerbock den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Sie halte es deswegen für richtig, Geimpften oder Genesenen wieder mehr Freiheiten zu geben, "so wie Hamburg das jetzt macht". In Hamburg gilt seit dem Wochenende ein bislang bundesweit einmaliges 2G-Optionsmodell. Besuchen nur Geimpfte und Genesene eine Veranstaltung, entfallen fast alle Corona-Auflagen. Veranstalter oder Wirte können entscheiden, ob sie diesen Weg gehen oder weiter das 3G-Modell nutzen wollen - also auch aktuelle Tests akzeptieren.

Man dürfe nun in der Impfkampagne nicht nachlassen, "gerade auch, um Kinder zu schützen". Für Kinder unter zwölf Jahren ist in Deutschland bislang noch kein Impfstoff zugelassen. Es brauche mobile Impfteams, eine intensive Ansprache und Informationen in vielen Sprachen, so Baerbock weiter. Eine allgemeine Impfpflicht sei rein rechtlich nicht durchsetzbar.

Strobl hält härtere Regeln für Ungeimpfte für möglich

Ähnlich äußerte sich auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl. Seiner Ansicht nach könne es bald wieder härtere Corona-Regeln für Ungeimpfte geben. Der CDU-Politiker sagte der "Bild am Sonntag": "Wenn es auf die Intensivstationen durchschlägt, muss man handeln. Es wäre falsch, dann alle in Mithaftung zu nehmen, auch die Geimpften - deshalb wird es für Ungeimpfte andere Regeln geben als für Geimpfte." Das grün-geführte Sozialministerium des Bundeslandes habe eine Kontaktbeschränkung für ungeimpfte Erwachsene und ein Besuchsverbot von Restaurants und Konzerten vorgeschlagen.

Auch der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek unterstütze die Vorschläge, berichtet das Blatt. Es sei richtig, schon jetzt über künftige Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen nachzudenken, "um das Gesundheitssystem zu schützen", so Holetschek.

Patientenschützer fordert Angabe der 2G-Quote

Vor dem Hintergrund von 2G-Regelungen für gastronomische Betriebe beklagt der Patientenschützer Eugen Brysch fehlende Vorschriften bei Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. "Kranke und Pflegebedürftige brauchen Transparenz, um das Infektionsrisiko einschätzen zu können", sagte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Brysch fordert deshalb eine gesetzliche Verpflichtung für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, die Quote der Geimpften und Genesenen beim Personal zu veröffentlichen. Der Bund müsse im Infektionsschutzgesetz eine Berichtspflicht über den 2G-Status von Alten- und Krankenpflegekräften festschreiben. Das "2G-Statusradar" müsse dann tagesaktuell auf den Internetseiten der Dienste und Häuser veröffentlicht werden. Das sei umso wichtiger, als es immer noch keine bundesweit geltende tägliche Testpflicht für das medizinisch-pflegerische Personal gebe.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. August 2021 um 12:00 Uhr.