Die Schulranzen von Schülern einer Grundschule sind während des Unterrichts neben den Tischen der Kinder zu sehen.  | dpa

Corona-Pandemie Schulen auf, Schulen zu?

Stand: 22.03.2021 07:45 Uhr

Wie soll es in der dritten Corona-Welle mit Schulen und Kitas weitergehen? Während die Kultusminister die Bildungseinrichtungen so lange wie möglich offen halten wollen, üben Lehrerverbände harsche Kritik an der Politik.

Kaum ein wenig auf und bald schon wieder zu? Der aktuelle Anstieg der Corona-Zahlen und die zunehmenden Ansteckungen an Kitas und Schulen sorgen für neue Diskussionen. Nach dem Willen der Kultusminister sollen Schulen so lange wie möglich offen gehalten werden, darüber gibt es aber auch Streit.

So kritisierte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, ein inkonsequentes Vorgehen der Politik: "Wenn es den Bundesländern ernst damit gewesen wäre, Schulen trotz stark steigender Inzidenz-Zahlen offen zu halten, hätte man dafür sorgen müssen, dass jetzt Lehrkräfte geimpft und Schulen mit Schnelltests in ausreichender Zahl ausgestattet sind. Davon sind wir aber an neun von zehn Schulen noch meilenweit entfernt", sagte er der "Rheinischen Post". Weil es bei Impfungen und Schnelltests aber hake, glaube er nicht, dass die Schulen in der dritten Welle geöffnet bleiben könnten, hatte er zuvor der "Bild am Sonntag" gesagt.

"Schulen als 'Versuchslabore'"

Selbst der beste Distanzunterricht habe nicht dieselbe Qualität wie Präsenzunterricht. "Langsam stellt sich die Frage, was dieses Schuljahr noch wert ist", sagte Meidinger. Alle Schüler hätten Lücken aufgebaut. Bei 20 Prozent seien sie so groß, dass sie gar nicht mehr begleitend aufgeholt werden könnten.

Die Schulen seien vielerorts als "Versuchslabore" ohne kontrollierte Teststrategien oder Impfangebote geöffnet worden, hatte auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), Jürgen Böhm, beklagt. Die Kinder sollten sich am besten noch daheim unter Aufsicht ihrer Eltern testen. Alternativ müssten externe Expertenteams diese Testungen an den Schulen übernehmen.

Kultusminister besorgt

Vor den Auswirkungen erneuter Schulschließungen warnte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst. "Die Kultusministerinnen und Kultusminister betrachten die Auswirkungen der im Zuge der Eindämmung der SARS-CoV-Pandemie getroffenen Maßnahmen für Kinder und Jugendliche mit Sorge", sagte sie der "Bild"-Zeitung. "Viele Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemiesituation. Damit die Folgen nicht dauerhaft ihr Leben begleiten, liegt die Priorität der Kultusministerinnen und Kultusminister darauf, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten."

Im Bericht aus Berlin schlug Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mehr Tests auch bei Schülerinnen und Schülern vor. Hier müsse die Bereitschaft zur Teilnahme allerdings noch besser werden. Wenn Eltern oder Kommunen Schulen schließen wollten, werde man das im Zweifelsfall unterstützen. Das werde allerdings ein schwerer Gang. "Schule ist unglaublich wichtig, aber Schule ist eben Teil des Pandemiegeschehens, und darum darf man darüber nicht hinwegsehen."

Schulschließungen als Element der "Notbremse"

In einem Entwurfpapier für die heutigen Bund-Länder-Beratungen wird auch von Schulen und Kitas als einem Element der "Notbremse" gesprochen. So wird ins Gespräch gebracht, die Bildungseinrichtungen zu schließen beziehungsweise gar nicht zu öffnen, sofern Erzieher, Lehrpersonal und Schülerinnen und Schüler oder betreute Kinder nicht zweimal pro Woche getestet werden könnten. Ab einer Inzidenz von 200 könnte es dem Entwurf zufolge eine grundsätzliche Schließung von Schulen und Kitas geben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. März 2021 um 19:08 Uhr in der Sendung "Kommentare und Themen der Woche".