Malu Dreyer | dpa

Verzögerung bei Schnelltests Kritik am Krisenmanagement wächst

Stand: 07.03.2021 08:20 Uhr

Eigentlich sollten ab morgen Gratis-Schnelltests für alle verfügbar sein. Doch das wird nicht überall der Fall sein. Vertreter von SPD und CSU kritisieren dafür Gesundheitsminister Spahn.

Ab Montag soll jeder Bürger nach der jüngsten Vereinbarung von Bund und Ländern wöchentlich einen kostenlosen Corona-Schnelltest erhalten können. Doch zum Start wird das wohl nicht gleich überall der Fall sein. Die Kritik am Krisenmanagement der Bundesregierung nimmt zu.

"Hohe Erwartungen geweckt"

"Mitte Februar hat Gesundheitsminister Spahn kostenlose Schnelltests für alle versprochen. Und er hat behauptet, er habe für Deutschland 500 Millionen Tests vertraglich gesichert", sagte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Das sei ein großes Versprechen gewesen und der Minister habe sehr hohe Erwartungen geweckt, die er nicht einhalten konnte. Ihr Land habe nun selbst Tests beschafft, sagte Dreyer.

Zuvor hatte ihre Amtskollegin in Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), dem Bund Versagen vorgeworfen. Ihr Land habe zwei Millionen Selbsttests geordert, da ihre Regierung geahnt habe, "dass wir uns nicht auf den Bund verlassen können". Sie sei sehr darüber verärgert, dass der Bund es zuließe, "dass zunächst Aldi und Co. Selbsttests verramschen können und wir die Selbsttests erst Mitte März geliefert bekommen". Es könne in der Corona-Pandemie nicht sein, dass der Markt über den Schutz für Kinder und Jugendliche bestimme.

"Vorwurf an den Bund ist billig"

Auch die CSU zeigte sich unzufrieden. Generalsekretär Markus Blume sagte der "Bild am Sonntag": "Man kann nicht die Verantwortung beim Testen auf die Länder schieben und sich selbst für komplett unzuständig erklären."

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nahm die Bundesregierung in Schutz. "Der Vorwurf an den Bund ist billig", sagte er den Funke-Zeitungen. "Schnelltests sind im Übermaß produziert und lieferbar."

"Aufgabe der Länder"

Spahn hatte immer wieder betont, dass ausreichend Tests verfügbar seien. Kanzleramtsminister Helge Braun erklärte in den Funke-Zeitungen, dass der Bund die Tests zwar bezahle. "Es war aber nie verabredet, dass der Bund für die Länder Schnelltests bestellt. Das ist die Aufgabe der Länder selbst."

Kostenlose Schnelltests durch geschultes Personal sollen ab Montag in Apotheken, Testzentren und auch bei Hausärzten verfügbar sein. Spahn hatte aber schon darauf hingewiesen, dass das wohl nicht in allen Länden gleich der Fall sein wird.

"Wir wissen nicht einmal ansatzweise, wann diese Schnelltests in welchem Umfang von wem geordert und zu wem geliefert werden sollen", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, der "Bild am Sonntag". Laien-Selbsttests zur Anwendung zuhause waren am Samstag in ersten Supermärkte gekommen - und waren sofort vergriffen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. März 2021 um 09:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 07.03.2021 • 13:48 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation