Ein paar Passanten gehen im Dezember 2021 über die regennasse Straßen der von Leuchtreklamen erhellten Großen Freiheit in Hamburg. | dpa

Kampf gegen Corona-Pandemie "Dürfen die Menschen nicht überstrapazieren"

Stand: 25.12.2021 09:41 Uhr

Von wegen Weihnachtsruhe: In der Politik wird auch an den Feiertagen über Corona-Maßnahmen diskutiert - mit einer Warnung aus Brandenburg. Das RKI meldet mit knapp 22.200 Neuinfektionen weiter sinkende Fallzahlen.

Auch über die Weihnachtstage reißt die Debatte über den richtigen Umgang mit der Corona-Pandemie nicht ab. Erst vor wenigen Tagen hatten Bund und Länder strengere Maßnahmen beschlossen. Doch vor allem die Sorge vor einem starken Anstieg der Infektionen durch die Omikron-Variante schürt die Diskussion, ob die Auflagen auch wirklich reichen.

Dabei drängen aber längst nicht alle darauf, die Regelungen in zu schnellem Abstand immer weiter zu verschärfen. So etwa Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. "Wir dürfen die Menschen nicht überstrapazieren", warnte der SPD-Politiker im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Jede Woche ein neues Maßnahmenpaket" - aus Sicht des Landeschefs würde das wohl nur zu Unverständnis in der Bevölkerung führen. Und gerade Akzeptanz für die Auflagen sei die Grundvoraussetzung für einen gemeinsamen Erfolg im Kampf gegen die Pandemie. Die Menschen müssten "mitgenommen werden und die Maßnahmen verstehen".

Wüst: Einschränkungen im Alltag werden bleiben

Auf das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger für die Corona-Regelungen setzt auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst. Denn für ihn ist klar: "Corona wird uns auch im neuen Jahr noch sehr beschäftigen und viel abverlangen." Was auch bedeute: Die "Einschränkungen im Alltag" würden nötig bleiben. Vor allem, weil die neue Omikron-Variante "eine ganz neue Dimension der Herausforderung darstelle".

Für Wüst führt "der Weg heraus aus der Pandemie" über das Impfen. "Die geringe Impfquote in manchen Teilen Deutschlands hat uns bislang einen Strich durch die Rechnung gemacht", kritisierte der CDU-Minister.

RKI meldet 22.214 Neuinfektionen

Die Booster-Impfung soll auch gegen die Omikron-Variante schützen, wie die Produzenten BioNTech und Pfizer, Moderna sowie Novavax und AstraZeneca versichern. Inzwischen wurden in allen deutschen Bundesländern Infektionen nachgewiesen, die auf die neue Variante zurückzuführen sind. Doch über die Feiertage wird es schwerer, die Ausbreitung der Variante nachzuvollziehen. Gesundheitsexperten fürchten, dass es bis zum Januar nur zu einer lückenhaften Erfassung der Corona-Infektionszahlen kommt.

Auch das RKI verweist bei seinen täglichen Angaben zum Pandemiegeschehen auf die geringere Melde- und Testaktivität, die zu einem unvollständigen Bild der Corona-Lage führe. In den vergangenen 24 Stunden wurden dem Institut bundesweit 22.214 Neuinfektionen gemeldet, am Vortag hatte das RKI 35.431 neue Corona-Fälle erfasst. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt damit von 265,8 am Freitag auf aktuell 242,9. Vor genau einer Woche hatte der Wert bei 419,7 gelegen.

Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stieg laut RKI binnen eines Tages um 157 an. Damit starben seit dem Ausbruch der Pandemie in Deutschland mehr als 110.200 Menschen, die sich nachweislich mit dem Erreger angesteckt hatten. Insgesamt verzeichnet das Institut mittlerweile mehr als 6,98 Millionen Infektionen. Mehr als sechs Millionen Menschen gelten nach einer Infektion als genesen.

Inzidenz in Thüringen am höchsten - Niedersachsen ist Schlusslicht

Die bundesweit höchste Sieben-Tage-Inzidenz weist derzeit Thüringen mit 622,3 auf. Dahinter liegen Sachsen mit 456,2 und Brandenburg mit 451, knapp gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 446,3. Die niedrigsten Werte melden aktuell Niedersachsen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 127,2 und Schleswig-Holstein mit 150,3.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther erklärt sich die im Vergleich zu anderen Bundesländern dauerhafte niedrige Inzidenz in seinem Bundesland auch mit der Mentalität der Nordlichter. "Wir sind ein anderer Schlag Mensch", sagte der CDU-Politiker. Den Leuten im Norden sei klar, dass "so eine Krise nur mit Solidarität und Gemeinschaftsgefühl und Selbstverantwortung bekämpft werden kann". Frei nach dem Motto: "Wat mutt, dat mutt."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.