Mehrere Menschen warten im Impfzentrum in Potsdam auf ihre Impfung. | dpa

Ausbreitung der Delta-Variante Lauterbach fürchtet Ausbruch im Herbst

Stand: 16.06.2021 10:39 Uhr

Noch gibt es in Deutschland nur wenige Neuinfektionen, die auf die Delta-Variante zurückzuführen sind. Der SPD-Politiker Lauterbach warnt davor, dass die Ansteckungen im Herbst zunehmen könnten. Die Gesundheitsminister beraten über weitere Schritte.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach rechnet damit, dass die Delta-Variante des Coronavirus im Herbst wieder für mehr Ansteckungen in Deutschland sorgen wird. "Ich bin ganz sicher, dass wir in Deutschland auch noch die Delta-Variante bekommen werden", sagte er in der Fernsehsendung "rbb Spezial".

Bisher tritt die aus Indien stammende Variante in Deutschland nur in geringem Maße auf. Eine neue Studie der Universität Oxford zeige, dass die Saisonalität dieser Variante deutlich ausgeprägter sei als ursprünglich angenommen, sagte Lauterbach.

"Kindern Impfangebote machen"

Im Sommer sei das Risiko, sich damit anzustecken, viel geringer, erklärte er. Die Variante sei aber deutlich ansteckender, führe zu einem schwereren Verlauf, und sei zum Teil resistent gegen die Erstimpfung. "Aber ich hoffe, dass dann bei uns eben schon so viele doppelt geimpft sein werden, dass es keine so große Welle mehr gibt."

Vor diesem Hintergrund forderte der Gesundheitsexperte, auch Kindern ein Impfangebot zu machen. "Gerade bei der Delta-Variante haben wir in England gesehen, dass von den infizierten Kindern ein Prozent so schwer erkranken, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das ist keine Kleinigkeit."

Finanzierung bis Jahresende?

Die Corona-Variante und die Zukunft der Impfzentren steht heute auch auf der Tagesordnung der Gesundheitsminister der Bundesländer. Sie treffen sich, um über das weitere Management der Corona-Krise zu beraten.

Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa wollen etwa Niedersachsen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern die Impfzentren länger betreiben als bis Ende September. Das wäre länger als bisher vorgesehen.

In Hamburg hängen die Planungen von der weiteren Impfkampagne ab. In Brandenburg sollen neun von elf Zentren erhalten bleiben. Der Bund müsse die Finanzierung bis Ende des Jahres sicherstellen, forderte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

Landkreise für Weiterbetrieb der Impfzentren

Nach der Konferenz mit den Länderchefs vergangene Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt, die Gesundheitsminister sollten beraten, inwiefern die Impfzentren der Länder in gewissem Umfang erhalten bleiben sollen - auch mit Blick auf mögliche Auffrischungsimpfungen im Herbst.

Der Deutsche Landkreistag kann sich einen Weiterbetrieb der Corona-Impfzentren dennoch vorstellen. Man solle die Zentren nicht schließen, bevor ein ordentliches Impfniveau erreicht ist, sagte Präsident Reinhard Sager der "Rheinischen Post". Bisher könne man nicht sagen, ob man die Zentren über Ende September hinaus brauche.  

Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung hat dagegen darauf hingewiesen, dass ein Großteil der Impfungen bisher in den Praxen verabreicht wurde. Auch die Auffrischungsimpfungen könnten demnach dort stattfinden.

Inzidenzwert weiter gesunken

Mit dem Beginn des Sommers hat sich Corona-Lage in Deutschland weiter beruhigt. Das RKI meldete heute binnen einen Tages 1455 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 3254 Ansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurden binnen 24 Stunden 137 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 107 Tote gewesen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit bundesweit 13,2 an. Am Vortag lag der Wert bei 15,5.

Mit Informationen von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 16. Juni 2021 um 10:30 Uhr.