Vorbereitungen im Paul-Löbe-Haus für die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten | dpa

Bundesversammlung trotz Corona Eine Wahl ganz ohne "Glamour"

Stand: 11.02.2022 16:22 Uhr

Eigentlich gilt die Wahl des Bundespräsidenten als "Fest der Demokratie". Doch dieses Mal ist alles anders. Für die 1472 Wahlleute gelten strengste Corona-Regeln.

Von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtstudio

Im Paul-Löbe-Haus wird geräumt, gebohrt und gesaugt. Das langgezogene mehrstöckige Gebäude mit Blick aufs Kanzleramt zur einen und Spree zur anderen Seite steht voller Stühle - in Reih und Glied mit 1,50 Meter Corona-Abstand. Auf den Emporen stapeln sich weitere Stühle.

Frank Bergmann von der Pressestelle der Bundestagsverwaltung steht inmitten der Umbauarbeiten. "Es werden auf fünf Ebenen hier die 1472 Delegierten verteilt. 470 hier unten im Erdgeschoss. Der Rest in den Sitzungssälen, wir haben ja hier die Ausschusssäle im Paul-Löbe-Haus."

Rein kommt nur, wer negativ getestet ist

Jede Fraktion bekommt einen eigenen Saal. Dort werden Delegierte über Bildschirme die Wahl verfolgen. Auf der zweiten Etage an der Glasfront zum Kanzleramt ist die Ehrentribüne. Dort sitzt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit den anderen, die für dieses Amt kandidieren.

Normalerweise wären viel mehr Gäste zugelassen, doch auch das geht wegen Corona nicht. Und es gibt ein strenges Hygienekonzept: Alle müssen eine FFP-Maske tragen und: Ins Paul-Löbe-Haus kommt man nur mit einem negativen Test, der nicht älter als 24 Stunden ist - unabhängig von Geimpft- oder Genesenenstatus.

"Wir haben ein Testzelt vorm Reichstag errichtet, wo auf 14 Teststrecken bis zu 650 Tests in der Stunde gemacht werden können", erklärt Bergmann. "Also theoretisch können wir in zwei Stunden die gesamte Bundesversammlung hier einmal durchtesten."

Zur Not kommen Ersatzdelegierte zum Zug

Die Union wird sicherheitshalber schon am späten Samstagnachmittag mit ihren fast 450 Delegierten zusammenkommen. Dann wird beim Zählappell geschaut, ob alle anwesend sind.

Denn mit einigen positiven Tests müsse man rechnen, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer Thorsten Frei: "Dann würde ja zumindest für die von den Landesparlamenten entsendeten Mitglieder der Bundesversammlung die Möglichkeit bestehen, dass Ersatzdelegierte zum Zuge kommen. Lediglich bei den Bundestagsabgeordneten ist es nicht so, die können sich nicht vertreten lassen." 

Das betrifft auch Katja Mast von der SPD. Die parlamentarische Geschäftsführerin hat einen Corona-Fall in der Familie und kann deshalb nicht dabei sein: "Es ist schon ein Hochamt, den Bundespräsidenten wählen zu dürfen und diese Ehre zu haben, und deshalb bedauere ich es sehr. Aber es gibt eben die Notwendigkeiten, die mich davon abhalten."

Sitzordnung statt Grüppchenbildung

Die Notwendigkeiten bestimmen diesmal die Wahl. Eigentlich ist es ein besonderes Fest der Demokratie, denn es wählen neben Abgeordneten auch Schauspielerinnen, Sportler, Ehrenamtliche oder medizinisches Personal.

Doch es wird wenig Kontakte geben, das findet Frei sehr schade: "Das muss man ganz ehrlich sagen, vieles, was man sonst vielleicht ein Stück weit als Glamour rund um die Bundesversammlung wahrnehmen kann, ist dieses Mal nicht möglich."

In normalen Zeiten gäbe es einen Empfang der Bundestagspräsidentin, auch die Fraktionen würden extra einladen. Das fällt aus und statt fröhlicher Grüppchenbildung gibt es eine feste Sitzordnung.

"Auf das Notwendige reduziert"

Selbst der Weg zu einer der vielen Wahlkabinen ist genau festgelegt, erklärt Bergmann: "Die Schriftführer lesen tatsächlich alle 1472 Namen vor und die Delegierten werden so aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Und dann gehen sie zu ihrer Wahlurne, die für sie bestimmt ist."

Seit Monaten laufen die Vorbereitungen für eine diesmal besonders durchorganisierte Bundesversammlung mit wenig Freiraum für zufällige Begegnungen. Doch so ist das eben, sagt Mast: "Dass man sich am Riemen reißt und es auf das Notwendige reduziert, und das ist die Wahl des Bundespräsidenten." Und die ist trotz und in gerade in Pandemie-Zeiten etwas ganz Besonderes.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. Februar 2022 um 21:45 Uhr.