Jens Spahn und Helge Braun | dpa

CDU-Vorsitz Spahn sagt ab, Braun will vielleicht

Stand: 10.11.2021 18:18 Uhr

Wer folgt auf Laschet an der Spitze der CDU? Bundesgesundheitsminister Spahn nimmt sich aus der Reihe möglicher Anwärter. Dafür gesellt sich Kanzleramtschef Braun unter die Namen möglicher Kandidaten.

Seit Samstag ist die Bewerbungsrunde um den neuen Vorsitz der CDU eröffnet - offizielle Bewerbungen gibt es bislang noch nicht, aber langsam kommt Bewegung in das Feld der möglichen Kandidaten.

Ein Name, der bereits vor dem Start der Bewerbungsfrist gehandelt wurde, war der des mittlerweile geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn. Doch der hat offenbar keine Ambitionen auf den Posten. Nach ARD-Informationen gab Spahn in der Sitzung der Unionsfraktion in Berlin bekannt, sich nicht um das Amt des Parteichefs bewerben zu wollen.

Laut der Nachrichtenagentur dpa habe Spahn seine Entscheidung damit begründet, "bis zur letzten Minute" als Minister tätig sein zu wollen, um sich voll auf die Bewältigung der Corona-Pandemie zu konzentrieren. "Ich bin Team Union", habe Spahn betont. Für diese Aussage habe es Applaus der anderen Sitzungsteilnehmer gegeben.

Spahn hatte vor drei Jahren schon einmal versucht, den Sprung an die Parteispitze zu schaffen - damals gewann jedoch die derzeitige Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer das Rennen. Im Februar des vergangenen Jahres gab sie den Posten jedoch wieder ab. Bei der folgenden Suche nach einem neuen Vorsitz unterstützte Spahn den letztendlichen Sieger und späteren Kanzlerkandidaten Armin Laschet.

Braun als möglicher Kandidat

Während Spahn als potenzieller Nachfolger Laschets wegfällt, taucht ein neuer Name für das Amt des CDU-Chefs auf: der von Kanzleramtschef Helge Braun. Der hessische CDU-Politiker Michael Meister schlägt ihn als neuen Bundesvorsitzenden vor. "Helge Braun ist ein kluger Kopf mit Ideen für die Zukunft. Er kann präzise Botschaften formulieren und durchdringt komplexe Sachverhalte", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Auch die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass es in der hessischen CDU entsprechende Sondierungen gebe. Demnach soll Braun die Unterstützung des hessischen CDU-Vorsitzenden Volker Bouffier haben. Die Unterstützung eines Landes- oder Bezirksverbandes der CDU ist Voraussetzung, um sich um den Parteivorsitz bewerben zu können. Ob Braun tatsächlich kandidieren werde, stehe offenbar noch nicht endgültig fest. Es gebe allerdings Unterstützung für Braun aus allen Teilen der CDU.

Ein Sprecher der Landes-CDU wollte die Informationen nicht bestätigen. Er sagte lediglich, bei einer Landesvorstandssitzung am Freitag werde über den Vorsitz der CDU Deutschlands beraten. Auch der "Spiegel" berichtete über die mögliche Personalie Braun und die für Freitag geplante Sitzung.

Bisher werden nur NRW-Politiker gehandelt

Nach dem Debakel der Union bei der Bundestagswahl will die CDU sich personell neu aufstellen. Seit Samstag können Bewerber für den Parteivorsitz nominiert werden. Offiziell hat noch niemand seine Kandidatur erklärt. Bisher gelten die nordrhein-westfälischen Politiker Friedrich Merz, Norbert Röttgen, und Ralph Brinkhaus als mögliche Anwärter.

In etlichen Landesverbänden gibt es aber Unmut darüber, dass nur Politiker aus Nordrhein-Westfalen gehandelt werden. Braun kommt aus Hessen. Der neue Parteichef soll am 21. Januar auf einem Parteitag in Hannover gewählt werden, die Mitgliederbefragung darüber ist für Dezember geplant.

"Hoffe auf ein Kandidatenfeld mit echten Alternativen"

In der CDU wurde nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa und des Magazins "Spiegel" als Indiz für das Interesse Brauns am Parteivorsitz ein Interview in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Wochenende genannt. Dort hatte Braun gesagt: "Ich hoffe für eine spannende Mitgliederbefragung auf ein Kandidatenfeld mit echten Alternativen."

Er betonte auch die Bedeutung des Zusammenhalts von CDU und CSU: "Wenn die Union nicht geschlossen ist, kann sie nicht erfolgreich sein. Und wenn CDU und CSU uneins sind, geht der Riss immer auch durch die CDU, weil es bei uns auch viele Freunde der CSU gibt." Auf die Frage, ob das auch mit dem CSU-Chef möglich sei, sagte Braun der Zeitung: "Selbstverständlich ist ein Schulterschluss mit Markus Söder möglich."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. November 2021 um 18:00 Uhr.