CDU-Parteizentrale in Berlin | AFP

Laschet-Nachfolge Im Team an die CDU-Spitze?

Stand: 02.11.2021 07:01 Uhr

Fünf Männer aus NRW gelten als mögliche Kandidaten für den CDU-Vorsitz. Noch hat sich keiner aus der Deckung gewagt. Hinter den Kulissen wird an Teamlösungen gearbeitet. Die Parteispitze entscheidet heute über Wege zum Chef.

Von Uli Hauck, ARD-Hauptstadtstudio

Allerheiligen ist Nordrhein-Westfalen ein Feiertag. Doch die Landesgruppe der NRW-CDU im Bundestag muss arbeiten. Die mehr als 40 Abgeordneten haben sich in Bergisch Gladbach zur Klausurtagung getroffen. Dabei waren auch die fünf möglichen Kandidaten für den Parteivorsitz: Friedrich Merz, Norbert Röttgen, Ralph Brinkhaus, Jens Spahn und Carsten Linnemann - alle aus NRW, alle mit mehr oder weniger offenen Ambitionen für den CDU-Parteivorsitz.

Uli Hauck ARD-Hauptstadtstudio

So konnte in Bergisch Gladbach im kleinen Kreis über die Laschet-Nachfolge beraten werden. Denn die Kandidaten müssen sich entscheiden, ob sie allein oder im Team antreten wollen. Teamlösungen könnten Kampfkandidaturen verhindern und so die Spaltung der Partei nicht weiter vertiefen. Noch gibt es aber keine einzige offizielle Bewerbung.

Team Merz

Nach dem der Weg für einen Mitgliederentscheid seit Samstag frei ist, wird allgemein davon ausgegangen, dass Friedrich Merz erneut für den CDU-Vorsitz kandidieren wird. Nach zwei Niederlagen gegen Armin Laschet und Annegret Kramp-Karrenbauer hofft er auf den Erfolg im dritten Anlauf. Doch der dürfte - auch im Falle einer Mitgliederbefragung - für den 65-Jährigen kein Selbstläufer werden, denn viele an der Basis wünschen sich eine Erneuerung. Und dafür steht Merz nicht wirklich. Also braucht er ein Team.

Merz' natürlicher Partner ist dabei Wirtschaftspolitiker Linnemann. Der Chef der Mittelstandsunion und stellvertretende Fraktionschef gilt schon lange als Merz-Unterstützer. Seine eigenen Ambitionen für den Parteivorsitz könnte er zurückstellen und sich stattdessen in den Dienst von Merz stellen. Beispielsweise als sein Generalsekretär.

Den beiden Wirtschaftspolitikern würde dann aber die Unterstützung vom sozialen Flügel und den Frauen in der Union fehlen. Ein komplettes Team Merz müsste also noch breiter aufgestellt sein. Einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach er CDU-Vize und Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn in sein Team holen will, dementierte Friedrich Merz auf Twitter. Das Verhältnis von Merz und Spahn gilt als schwierig.

Ob Spahn selbst kandidiert, ist weiter offen. Seine bisherigen Ankündigungen sind nur vage. Dem Deutschlandfunk sagte er, er habe "Lust, die neue CDU zu gestalten". In welcher Position, das ließ er offen.

Team Röttgen

Norbert Röttgen positioniert sich als Gegenspieler zu Merz. In Interviews warnt er davor, die CDU zu konservativ aufzustellen. Ein neuer Parteivorsitzender müsse "in der Mitte stehen". Und dort verortet sich Röttgen selbst. Beim Dreikampf im Januar um den CDU-Vorsitz zwischen ihm, Laschet und Merz scheiterte er bereits in der ersten Runde.

Wer ist am ehesten als CDU-Vorsitzender geeignet?

Wer ist am ehesten als CDU-Vorsitzender geeignet?

In der Öffentlichkeit kommt der Außenpolitiker zwar gut an, in der Partei wird er aber als Solitär, als Einzelkämpfer angesehen, dem die Unterstützung fehlt. Für den Griff nach der Macht bräuchte er deshalb ebenfalls namhafte Unterstützung.

Und hier kommt Unions-Fraktionschef Brinkhaus ins Spiel. Im Bericht aus Berlin sagte Röttgen, dass er sich eine Zusammenarbeit mit dem konservativen CDU-Politiker vorstellen kann. Doch ob es zum Team aus einem Parteivorsitzenden Röttgen und einem Fraktionsvorsitzenden Brinkhaus kommen könnte, ist ebenfalls noch offen.

Entscheidung über Wahlverfahren

Während also noch um die personelle Aufstellung gerungen wird, dürfte über das Wahlverfahren für den dritten CDU-Vorsitzenden in drei Jahren jetzt entschieden werden. Die Parteispitze will Vorstand und Präsidium einen Vorschlag machen, wie und wann Mitgliederbefragung und Parteitag umgesetzt werden sollen. Entweder noch im Dezember oder womöglich doch erst im Januar oder Anfang Februar.

Da Ende März im Saarland und im Mai in Schleswig-Holstein und in NRW neue Landtage gewählt werden, gibt es in der CDU durchaus auch Stimmen, die für eine möglichst rasche Neuordnung der Parteispitze plädieren. Der Druck für das Team-Building steigt also weiter.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. November 2021 um 09:00 Uhr.